Der FC Getafe drängt in die Champions League

Getafes Spieler jubeln beim Ligaspiel gegen den FC Sevilla

Primera Division

Der FC Getafe drängt in die Champions League

Von Robin Tillenburg

Die Meisterschaft in der Primera Division ist entschieden, doch im Kampf um die Königsklasse geht es hoch her. Während man den FC Valencia und den FC Sevilla dort erwartet hat, ist Konkurrent Getafe eine Überraschung.

Der Tabellenvierte aus "La Liga" zieht in die Champions League ein. Vor dem letzten Spieltag sind Valencia und Getafe punktgleich, einzig die aus Valencia-Sicht hauchdünn bessere Tordifferenz trennt die beiden. Dahinter lauert mit zwei Zählern Rückstand der FC Sevilla. Was nach absolutem Herzschlagfinale klingt, ist auch eins - aber mit besonderen Bedingungen: Denn während in der Bundesliga bei Punktgleichheit das Torverhältnis den Ausschlag gibt, zählt in Spanien der direkte Vergleich. Hier hat Valencia die Nase vorn.

Viel Rechnerei

Zwischen Platz vier und sechs ist noch alles möglich. Sevilla könnte sogar noch auf Platz sieben stürzen und so die Qualifikation für das Internationale Geschäft komplett verpassen. Dann müsste man in Sevilla auf den FC Valencia hoffen, der sich mit einem Sieg der Copa del Rey für Europa qualifizieren könnte. Wäre das der Fall, könnte Sevilla nachrücken. Klingt nach viel Rechnerei. Ist es auch.

Sicher ist: Gewinnt Valencia am Samstag (18.05.2019) bei Real Valladolid - für den Aufsteiger geht es um nichts mehr - steht das Team als Vierter fest. Sollte Getafe im Heimspiel gegen das ebenfalls gerettete Villarreal mehr Punkte holen als Valencia, ist wiederum das Team von Pepe Bordalás für die Gruppenphase der Königsklasse qualifiziert. Sevilla, das den direkten Vergleich gegen beide Konkurrenten verloren hat, spielt gegen Athletic Bilbao und würde von eben dieser Mannschaft noch überholt, wenn es sein Heimspiel verliert. Bei einem Sieg und Niederlagen der Konkurrenz würde Sevilla in die Königsklasse stürmen.

So oder so: Getafe spielt international - mindestens in der Europa-League-Quali. Während das in Valencia und Sevilla eher als Misserfolg verbucht werden würde, ist es für die Stadt nahe Madrid definitiv ein positives Ergebnis. In der Saison 2016/17 spielte man noch in der zweiten Liga, stieg aber direkt wieder auf und verpasste das internationale Geschäft in der vergangenen Spielzeit als Achter nur knapp.

Getafe - sympathischer Underdog?

UEFA-Cup 2008: Manuel Tena (Getafe, l.) und Bastian Schweinsteiger im Zweikampf

UEFA-Cup 2008: Manuel Tena (Getafe, l.) und Bastian Schweinsteiger im Zweikampf

Getafe ist der (sympathische) Underdog in dieser Geschichte. Auf den ersten Blick zumindest. Dass sie sportlich gesehen der Außenseiter sind, sieht man allein schon daran, dass der 1983 offiziell gegründete Klub bisher erst zweimal überhaupt international spielte: 2007/08 scheiterte man im UEFA-Cup im Viertelfinale unglücklich am FC Bayern München, 2010/11 war in der Gruppenphase der Europa League unter anderem gegen den VfB Stuttgart Schluss. Die Champions League erreichte man noch nie.

Wirtschaftlich hat der Verein 2011, wie viele Konkurrenten auch, eine Finanzspritze durch eine Investorengruppe aus Dubai erhalten. Die ganz teuren Transfers und großen Sprünge macht der Klub seither trotzdem nicht. Aber er scheint sich nach dem zwischenzeitlichen Abstieg zu konsolidieren. Teuerster Neuzugang in dieser Spielzeit war Nemanja Maksimovic, den man für fünf Millionen Euro aus Valencia loseisen konnte.

Starke Defensive

Die ganz großen Namen gibt es im Kader nicht. Das Team ist ausgeglichen besetzt und hat seine Stärken eindeutig in der Defensive: Kein (Stamm-)Keeper musste in dieser Spielzeit seltener hinter sich greifen als David Soria. Nur 33 Gegentore gab es für die Bordalás-Elf. Dass man mit 46 Treffern in Sachen eigener Torgefahr eher im Mittelfeld der Tabelle rangiert, macht daher nichts aus. Treffsichere Leute gibt es im Kader: Die erfahrenen Stürmer Jaime Mata (30) und Jorge Molina (37) sind mit jeweils 14 Saisontoren in der Top 10 der Torjäger vertreten. Zwei Spieler mit mindestens 14 Toren stellt in der Liga sonst nur der FC Barcelona.

Fragwürdige Kampagne gegen geringe Zuschauerzahlen

Trotz des sportlich herausragenden Abschneidens hat der Klub den viertniedrigsten Zuschauerschnitt der Liga. Nur 10.857 Fans kommen jeweils zu den Heimspielen - knapp 17.000 würden ins Stadion passen. Im Ballungsraum Madrid ist die Konkurrenz in Sachen Fan-Zahlen natürlich hoch. Neben Real und Atlético spielt ja auch Leganés in unmittelbarer Nähe.

Um dieses Problem zu beheben, wurde 2013 ein kontroverser Trailer gedreht, der die Fananzahl erhöhen sollte: Männlichen Getafe-Fans wurde nahe gelegt, zur Samenspende zu gehen. So richtig gefruchtet hat das angesichts der Zuschauerzahlen wohl nicht.

Stand: 15.05.2019, 14:43

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