Premier League - Eine Drei-Klassen-Gesellschaft

Von Links nach Rechts: Manuel Pellegrini, Marco Silva, Pep Guardiola, Pep Guardiola, Mauricio Pochettino und Ole-Gunnar-Solskjaer

Saison 2019/20 startet

Premier League - Eine Drei-Klassen-Gesellschaft

Von Marco Schyns

Die Premier League startet in die neue Saison. Die halbe Liga hat große Ambitionen, aber die riesigen Lücken innerhalb der Tabelle könnten bestehen bleiben. Spannend wird es trotzdem.

Am Ende war es hauchdünn. Ein einziger Punkt entschied in der Vorsaison über die englische Meisterschaft. Manchester City (98 Punkte) und der FC Liverpool (97 Punkte) waren der Liga nach 38 Spielen derart voraus, dass sich auf der Insel keiner mehr wagte, von den "Big Six" zu sprechen. Dafür waren der FC Chelsea, Tottenham Hotspur, der FC Arsenal und Manchester United punktemäßig einfach zu sehr abgehängt vom Top-Duo.

15 Punkte betrug der Abstand des Drittplatzierten FC Chelsea auf Liverpool. Immerhin war es auch in der Verfolgergruppe bis zum Schluss spannend geblieben. Zwischen den "Blues" und Manchester United auf Platz sechs lagen am Ende der Saison sechs Zähler. Der Rest der Liga? Abgehängt. Neun Punkte lag der Siebtplatzierte Wolverhampton Wanderers hinter Manchester United.

Drei-Klassen-Gesellschaft könnte bestehen bleiben

Die Premier League ist zu einer Drei-Klassengesellschaft geworden. Und der zurückliegende - und aktuell noch andauernde - Transfersommer gibt keinen Anlass, zu glauben, dass sich daran in der neuen Spielzeit etwas ändern wird. Zu groß waren die Lücken. Zu klein das Zeitfenster und die Möglichkeiten, sie zu schließen. Zu dominant die beiden Top-Kubs.

Premier League - eine Drei-Klassen-Gesellschaft
Abschlusstabelle 2018/19Durchschnittliche PunktzahlDurchschnittliches Torverhältnis
Meisterschaftsanwärter (1-2)97,5+ 69,5
Verfolger (3-6)69,5+ 21
Rest der Liga (7-20)42,5-16

Dabei haben die beiden Meisterschaftsanwärter, die den Titel voraussichtlich erneut unter sich ausmachen werden, im Sommer gar nicht groß investiert. Liverpool holte lediglich den talentierten Abwehrspieler Sepp van den Bergh aus den Niederlanden und City-Coach Pep Guardiola hat mit Rodrigo (für 70 Mio. Euro von Atletico Madrid) den von ihm geforderten Neuzugang für das Mittelfeld bekommen.

City und Liverpool sind unantastbar

Beide Teams haben einen Kaderwert (laut transfermarkt.de) von über einer Milliarde Euro. Beide Teams werden von Coaches trainiert, die aktuell als Favoriten auf die Wahl zum Trainer des Jahres gelten. Beide haben eine Mannschaft, die vom Torhüter bis zum Angriff weltklasse besetzt ist.

Selbst einen möglichen Abgang von Leroy Sané könnte City verschmerzen. Unangefochtener Stammspieler war der deutsche Jungstar in der Vorsaison nicht. Aber - und das könnte entscheidend im Duell mit Liverpool sein - als entscheidender Impuls von der Bank würde Sané fehlen. Er war es, der mit seinem Treffer kurz nach der Einwechslung das direkte Duell im Januar 2019 für City entschied - und damit mutmaßlich auch die Meisterschaft.

Vier Teams, ein Ziel: Champions League

Alle vier Spitzenkubs dahinter haben zwar große, inzwischen aber auch realistische Ambitionen. Beim FC Chelsea, Tottenham Hotspur, FC Arsenal und Manchester United spricht niemand ernsthaft von der Meisterschaft. Das erkärte Ziel der Verfolger heißt Champions League.

Am besten verstärkt hat sich Manchester United, das eine schwache Vorsaison vergessen machen will. Mit Aaron Wan-Bissaka (für 55 Mio. Euro von Crysta Palace) und Harry Maguire (für 87 Mio. Euro von Leicester City) hat man die Problemzone Abwehr entscheidend verstärkt. Anders als lange Zeit angenommen, wird zudem Superstar Paul Pogba wohl im Old Trafford bleiben.

Verfolger mit namhaften Neuzugängen

Auch Arsenal hat mit Nicolas Pepé einen Transfercoup gelandet. Der Außenstürmer kommt vom OSC Lille und ist mit 80 Millionen Euro der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Die Abwehrprobleme aber wird der Franzose wohl nicht allein lösen können.

Tottenham hat seinem eingespielten Team mit Tanguy Ndombelé einen möglicherweise entscheidenden Faktor hinzugefügt. Der 60-Millionen-Euro-Neuzugang soll das zentrale Mittelfeld stärken. Bleiben die Nord-Londoner von Verletzungen verschont - der Kader ist quantitativ nicht gut besetzt - dürften sie das stärkste Team der Verfolger-Gruppe sein.

Im Gegensatz zu Chelsea: Nicht wenige Experten auf der Insel erwarten eine durchwachsene Saison. Das liegt weniger am neuen Coach Frank Lampard, als vielmehr am Abgang von Superstar Eden Hazard und der Transfer-Sperre, die es den "Blues" unmöglich machte, den Belgier adäquat zu ersetzen. Lampard hat viel Arbeit vor sich, baut vor allem auf junge, englische Talente wie Mason Mount und Tammy Abraham.

Wer sorgt für eine Überraschung?

Gut möglich, dass es dadurch ambitionierten Mittelfeld-Klubs wie Leicester City, West Ham United, Wolverhampton Wanderers und dem FC Everton gelingt, die Lücke nach oben zu schließen - oder zumindest zu verkeinern. Alle vier Klubs haben vergleichsweise groß investiert (siehe Tabelle).

Premier League: Transfers außerhalb der Top 6
SpielerAblöseAufnehmender VereinAbgebender Verein
Youri Tielemans45 Mio. EuroLeicester CityAS Monaco
Joelinton44 Mio. EuroNewcastle UnitedTSG 1899 Hoffenheim
Sebastien Haller40 Mio. EuroWest Ham UnitedEintracht Frankfurt
Raúl Jiménez38 Mio. EuroWolverhampton WanderersBenfica Lissabon
Ayoze Pérez33 Mio. EuroLeicester CityNewcastle United
Pablo Fornals28 Mio. EuroWest Ham UnitedFC Villarreal
Moise Kean27 Mio. EuroFC EvertonJuventus Turin
André Gomes25 Mio. EuroFC EvertonFC Barcelona
Jean-Philippe Gbamin25 Mio. EuroFC Everton1. FSV Mainz 05

Quelle: transfermarkt.de

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt aber: Ein Vorstoß in die Top-Sechs scheint schwer bis unmöglich zu sein. Und meist mischen ein bis zwei Teams weiter oben mit, die dort niemand erwartet hat. Das galt für die "Wolves" (7. Platz) in der vergangenen Saison. Davor waren es Burnley (7. Platz in der Saison 2017/18) und Southampton (8. Platz in der Saison 2016/17). Wiederum davor krönte sich Leicester sensationell zum Meister.

Premier League ein Stück weit berechenbar

Eine solche Sensation galt damals als unwahrscheinlich. Heute erscheint sie unmöglich. City und Liverpool sind allen enteilt und könnten, wenn die Verfolger nicht den Anschluss finden, über Jahre hinweg dominieren. Das macht die Premier League nicht unattraktiv, aber ein Stück weit berechenbar.

Spannung gibt es auf allen Ebenen. Wer wird Meister? Wer schafft die Champions-League-Qualifikation? Wer wird "Best of the Rest"? Wer ist für eine Überraschung gut? Wer steigt ab? Das alles ist offen wie nie in England - trotz Drei-Klassen-Geselschaft.

Ramsey, Sarabia und Co. - Fußball-Top-Transfers unter dem Radar Sportschau 16.07.2019 00:58 Min. Verfügbar bis 16.07.2020 Das Erste

Stand: 07.08.2019, 11:15

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