Premier League - Die "kleinen" Teams investieren groß

Aston Villas Stürmer Wesley

Sommertransfers

Premier League - Die "kleinen" Teams investieren groß

Von Marco Schyns

Während sich die Spitzenklubs in England auf dem Transfermarkt im Vergleich zu den Vorjahren zurückhalten, investieren die Aufsteiger und viele Klubs aus dem Mittelfeld im großen Stil. Was bedeutet das für die Liga?

Die Freude bei Aston Villa war groß, als der Klub aus Birmingham am 27. Mai diesen Jahres mit 2:1 gegen Derby County gewann und damit das, in der internationalen Presse als 200-Millionen-Euro-Spiel betitelte, Playoff-Endspiel der Championship für sich entschied. Der Aufstieg in die Premier League war perfekt - und damit waren Einnahmen in Höhe von umgerechnet mindestens 200 Millionen Euro garantiert. Im Falle des Klassenerhalts könnten es sogar 340 Mio. Euro sein - in nur einer Saison. Mindestens die Hälfte davon sind TV-Gelder.

Spitzenklubs halten sich (noch) zurück

Dass die Premier League in dieser Hinsicht weltweit Spitze ist, ist nicht neu. Dass aber die Topklubs von ihren noch deutlich höheren Einnahmen kaum Gebrauch machen, dagegen schon. Manchester City, Manchester United und die Tottenham Hotspur haben jeweils schon einmal tief in die Tasche gegriffen - für vergleichsweise eher unbekanntere Spieler in Europa. Rodri wechselte für 75 Mio. Euro von Atlético Madrid zu den "Citizens", United holte Verteidiger Aaron Wan-Bissaka von Crystal Palace für 55 Mio. Euro und Tottenham ließ sich Lyons Mittelfeldmann Tanguy Ndombélé 60 Mio. Euro kosten.

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Liverpools bislang einziger Neuzugang, Sepp van den Berg von PEC Zwolle, kostete 1,9 Mio. Euro. Arsenal überwies umgerechnet 6,7 Mio. Euro an den brasilianischen Klub Ituano für Stürmer Gabriel Martinelli. Chelsea unterliegt einer Transfersperre, holte einige Leihspieler zurück und zog die Option bei Mateo Kovacic (45 Mio. Euro).

Aston Villa und Co. investieren groß

Größere Summen sind in diesem Sommer bei den vermeintlichen "kleinen" Klubs auf der Insel im Umlauf. Die Wolverhampton Wanderers rüsten sich für die Europa League und verpflichteten Raúl Jiménez von Benfica Lissabon für rund 38 Mio. Euro. West Ham United hat mit Frankfurts Sébastien Haller (40 Mio. Euro) einen Rekordtransfer getätigt und sich zudem noch die Dienste von U21-Europameister Pablo Fornals (28. Mio. Euro) gesichert. Und der Wechsel von Joelinton zu Newcastle United bringt Hoffenheim rund 42,5 Mio. Euro.

Top-Transfers Premier League 2019/20
NameAufnehmender KlubAbgebender KlubAblöse
RodriManchester CityAtlético Madrid70 Mio. Euro
Tanguy NdombéleTottenham HotspurOlympique Lyon60 Mio. Euro
Aaron Wan-BissakaManchester UnitedCrystal Palace55 Mio. Euro
Youri TielemansLeicester CityAS Monaco45 Mio. Euro
Mateo KovacicFC ChelseaReal Madrid45 Mio. Euro
JoelintonNewcastle UnitedTSG Hoffenheim42,5 Mio. Euro
Sébastien HallerWest Ham UnitedEintracht Frankfurt40 Mio. Euro
Raúl JiménezWolverhampton WanderersBenfica Lissabon38 Mio. Euro
Ayoze PerezLeicester CityNewcastle United33 Mio. Euro

(Stand: 22.07.2019)

Noch größer greifen Leicester City, der FC Southampton und Aufsteiger Aston Villa an. Die "Villans" haben kürzlich die 100-Mio.-Euro-Marke bei Neuzugängen geknackt. Von den acht Neuzugängen lagen vier im zweistelligen Millionen-Bereich. Der teuerste war Stürmer Wesley vom FC Brügge. Er soll den zu Chelsea zurückgekehrten Tammy Abraham im Angriff ersetzen. In der Offensive aufgerüstet hat auch Southampton. Danny Ings kehrt für 22,2 Mio. Euro vom FC Liverpool zurück und mit Che Adams (16,7 Mio.) hat man sich eines der vielversprechendsten Sturmtalente auf der Insel gesichert.

Beinahe kurios sind Transfers wie der von Lys Mousset. Der Stürmer wechselte für stolze 11,1 Mio. Euro von Bournemouth zu Aufsteiger Sheffield United - obwohl er in der vergangenen Saison in 24 Spielen nur einen einzigen Treffer erzielte. Solche Inlandswechsel häufen sich. Für Ex-1860-München-Profi José Holebas (FC Watford) ist das keine Überraschung. "So wie ich das mitbekomme, will einfach keiner mehr nach Deutschland", sagte der Grieche dem Sportporal "Sportbuzzer" und nennt im nächsten Satz einen der Hauptgründe dafür: "In der Premier League hat jeder Verein Geld."

Großer Abstand von Platz sechs zum Rest der Liga

Youri Tielemans

Youri Tielemans

Und doch geht es für die meisten dieser Klubs in allererster Linie darum, das Fortbestehen in der Premier League zu sichern. Nahezu alle Klubs träumen von Europa, aber im Normalfall bleibt über die Liga maximal ein Platz "frei". Neun Punkte Abstand waren es am Ende der vergangenen Saison von ManUnited (6.) zu Wolverhampton (7.). Die Top sechs sind der Konkurrenz entwachsen, Ausnahmen wie der Meistertitel von Leicester 2016 bestätigen die Regel.

Gerade Leicester aber wird immer wieder genannt, wenn es um Teams geht, die vorne angreifen könnten. Mit den Transfers von Youri Tielemans (45 Mio. Euro) und Ayoze Perez (33 Mio.) unterstreichen sie diese Ambitionen. Auch wenn Abwehrchef Harry Maguire kurz vor einem Wechsel zu ManUnited steht. Der englische Nationalspieler soll rund 90 Mio. Euro kosten.

Transferfester in England schließt am 8. August

Die Spitzenklubs arbeiten also an weiteren Transfers. Arsenal zum Beispiel befindet sich seit Wochen in Verhandlungen mit Crystal Palace über einen Transfer von Wilfried Zaha, auch U21-Europameister Dani Ceballos soll kommen. Tottenham wurde zuletzt mit einer Rückholaktion von Gareth Bale in Verbindung gebracht.

Aber: Es ist Eile geboten. Denn am 8. August endet in England bereits die Transferphase. Bis dahin müssen alle Neuzugänge offiziell bei der Liga gemeldet sein. Einen Tag später eröffnet Vizemeister Liverpool mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger Norwich City die neue Spielzeit - in der es durchaus Verschiebungen geben könnte. Aufsteiger, die überraschen, stärkere Teams, die enttäuschen und Positionskämpfe um Platz 9 und 10. Die Top sechs aber werden - trotz aller Ausgaben der "Kleinen" - wohl erneut eine geschlossene Gesellschaft bilden.

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Stand: 23.07.2019, 19:30

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