Tottenham, Pochettino und die Titelreife

Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino (m.) mit Christian Eriksen (l.) und Harry Kane

Härtetest gegen Manchester United

Tottenham, Pochettino und die Titelreife

Von Julian Tilders

Trainer Mauricio Pochettino hat bei Tottenham über fast fünf Jahre ein Spitzenteam geformt. Das etwas alternative Erfolgsmodell der Londoner könnte nun auch zu Titeln führen.

Im Vergleich zu den horrenden Transfersummen, die andere Klubs der Premier League ausgeben, hat Tottenham Hotspur einen exklusiven Status inne: Die Londoner holten im Sommer 2018 keinen einzigen Neuzugang - als erster Premier-League-Verein seit der Einführung des aktuellen Transferfenster-Systems im Jahre 2003.

Natürlich gab es Zweifler, die eine erfolgreiche Saison angesichts der Sommer-Transfers anderer Teams für unwahrscheinlich hielten. Doch das sparsame Gegenmodell der "Spurs" funktionierte. Momentan tanzt Tottenham noch auf allen Hochzeiten: Dritter in der Premier League, Achtelfinale in der Champions League, Halbfinale im League Cup, vierte Runde im FA Cup.

Pochettino kann sich 20 Jahre bei Tottenham vorstellen

Großen Anteil daran hat Mauricio Pochettino. Seit dem Amtsantritt des gebürtigen Argentiniers vor etwa viereinhalb Jahren beendeten die "Lilywhites" ihre Spielzeiten wie folgt: Fünfter, Dritter, Vizemeister, Dritter. Die Leistung Pochettinos blieb nicht unbemerkt, der 46-Jährige war zuletzt sowohl bei Manchester United als auch Real Madrid im Gespräch, die derzeit Interimstrainer beschäftigen.

Den Spekulationen um seine Zukunft schob Pochettino nun selbst einen Riegel vor. "Ich wünsche mir, 20 Jahre hier sein zu können" erklärte er und stellte in Aussicht, eventuell seine "Karriere hier zu beenden". Er wolle mit dem Verein Historisches erreichen. Im vergangenen Jahr hatte er seinen Vertrag bei den "Spurs" um fünf Jahre verlängert.

Konstante Entwicklung im Londoner Norden

Schon in den vergangenen neun Jahren beendete Tottenham die Saison in der Premier League immer unter den ersten fünf Teams. Die Währung der Fans für Erfolg dürfte jedoch auch im Londoner Norden eineTrophäe sein. Den bislang letzten Titel, den League Cup, gewann Tottenham vor elf Jahren.

"Nach fast fünf Jahren sind die "Spurs" auf einem anderen Level, aber wie wir in fünf Jahren gearbeitet haben, hat sich nicht verändert", bilanzierte Pochettino. Sind die "Spurs" also titelreif? "Manchmal lache ich, wenn die Leute sagen, wir müssen Titel gewinnen. Ja, müssen wir, aber wir sind noch im Fortschritt". In einigen Momenten fehle seiner Mannschaft noch die nötige Cleverness und Abgezocktheit neben der bereits vorhandenen spielerischen Stärke und defensiven Stabilität (neun Spiele ohne Gegentor).

Rekordmann Harry Kane

Harry Kane bejubelt seinen Treffer im League Cup gegen Chelsea (08.01.2019)

Tottenhams Kapitän Harry Kane bejubelt einen Treffer im League Cup

Zumindest beträgt der Abstand auf Tabellenführer Liverpool aktuell lediglich sechs Zähler. Meister Manchester City auf Rang zwei ist sogar nur zwei Punkte entfernt. In den jüngsten zehn Spielen verlor Tottenham nur einmal, erlaubte sich einen Patzer gegen die Wolverhampton Wanderers.

Auch individuell läuft es: Kapitän Harry Kane ging zuletzt in Tottenhams Vereinsgeschichte ein als der erste Spieler, der in fünf aufeinander folgenden Saisons wettbewerbsübergreifend 20 Tore erzielte. Und Son Heung-min ist in der Form seines Lebens, brachte es in den jüngsten neun Liga-Spielen auf acht Tore und fünf Vorlagen. Der Südkoreaner wird beim nächsten Spiel allerdings fehlen - er muss zur Asienmeisterschaft 2019 reisen und wird in den kommenden Wochen schmerzlich vermisst werden.

Prüfstein Manchester United

Nun kommt also am Sonntag (17.30 Uhr) Manchester United als einer der großen Prüfsteine für die Titeltauglichkeit. Das nach der Entlassung von José Mourinho durch Interimstrainer Ole Gunnar Solskjaer reanimierte Star-Ensemble gewann die jüngsten fünf Spiele allesamt, erzielte zudem 16 Treffer und kassierte nur drei Gegentore. Die Aufholjagd der "Red Devils" führte sie zurück auf Rang sechs in Reichweite der internationalen Plätze.

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Stand: 12.01.2019, 08:30

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