Attacken auf englische Fußballprofis - Facebook & Co. unter Druck

Lauren Jones von Manchester United

Rassismus in sozialen Netzwerken

Attacken auf englische Fußballprofis - Facebook & Co. unter Druck

Von Christian Mixa

Lauren James von Manchester United ist die nächste in einer Reihe von Fußballprofis in England, die sich gegen rassistische Beleidigungen zur Wehr setzen müssen. Plattformen wie Facebook geraten zunehmend unter Druck.

Der englische Fußball muss sich verstärkt mit dem Thema Rassismus befassen. Im Fokus stehen dabei Anfeindungen und diskriminierende Äußerungen gegenüber Profis in den sozialen Medien.

Lauren James von Manchester United machte am vergangenen Wochenende rassistische Attacken über Instagram öffentlich. "Es ist einfach ermüdend", schrieb James. "Es wird sehr viel darüber geredet. Aber nichts dagegen unternommen."

James, Martial, Rashford - immer mehr rassistische Anfeindungen

Die Junioren-Nationalspielerin ist das jüngste Beispiel in einer Reihe von Profis auf der Insel, die sich gegen Hatespeech und rassistische Posts zur Wehr setzen. Zuvor hatten, unter anderem, schon ihr Bruder, Chelsea-Profi Reece James, sowie Axel Tuanzebe, Anthony Martial und Marcus Rashford (alle Manchester United) angegeben, über Social Media diskriminiert worden zu sein.

Spätestens mit der Attacke auf Nationalspieler Rashford, wegen seines Engagements für sozial benachteiligte Jugendliche ein Vorbild und von der Queen geehrt, hat das Thema auch die höchsten Kreise im englischen Fußball und die Politik aufgeschreckt.

Der Fußball-Verband FA brachte nach der Attacke auf United-Spielerin James sein Entsetzen zum Ausdruck. Man werde weiter alles dafür tun, Diskriminierung im Fußball auszurotten, hieß es in einer Mitteilung. Zugleich rief der Verband den Gesetzgeber zu Hilfe, endlich etwas gegen die "anonymen Computer-Krieger" zu unternehmen. Inzwischen wurde ein Mann festgenommen, der West-Bromwich-Spieler Romaine Sawyers in einem Post rassistisch beleidigt hatte.

FA und Politik haben das Thema erkannt

Kulturstaatsminister Oliver Dowden kündigte an, dass die Regierung Gesetze auf den Weg bringen werde, damit die Social-Media-Unternehmen stärker als bisher dafür zur Rechenschaft gezogen werden könnten, was auf ihren Plattformen passiert. "Es muss aufhören, dass Fußballer online rassistisch angegangen werden."

Damit greift die Politik die Forderungen aus dem Fußball auf, die großen Plattform-Betreiber direkt in die Pflicht zu nehmen. Auch die betroffenen Profis forderten Facebook und Co. auf, stärker gegen rassistische Trolle vorzugehen und sie von den Plattformen zu verbannen. Unterstützt werden sie dabei von Fußball-Prominenz und früheren Nationalspielern wie Gary Lineker und Ian Wright, die die Beleidigungen gegen Spieler in der BBC-Sendung "Match of the Day" zum Thema machten.

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"Instagram ist absolut in der Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen", schrieb auch United-Spielerin James. "Anderenfalls werden sie viele Leute verlieren. Dies wäre wahrscheinlich auch die einzige Sprache, die sie verstehen."

Facebook und Co. in der Defensive

Die Content-Chefin von Facebook in Großbritannien kündigte nun bei der BBC an, dass das Unternehmen ab sofort Instagram-User für den Direktnachrichten-Dienst sperren werde, sollten sie mit rassistischen Äußerungen oder sonstigen Regelverstößen auffällig werden. Auf die auch von Spielern erhobene Forderung, sich nur mit Klarnamen und vollständigem Identitätsnachweis auf einem Netzwerk registrieren zu dürfen, reagierte der Konzern zurückhaltend.

Gegenüber der BBC wehrte sich Facebook auch gegen die Darstellung, bislang zu wenig gegen diskriminierende Äußerungen auf seinen Plattformen unternommen und damit das Problem noch befördert zu haben: "Wir können höchstens einen kleinen Beitrag leisten, aber das Problem ist größer."

Hass aus den Stadien hat sich ins Internet verlagert

In der Tat bieten die Social-Media-Betreiber wohl in erster Linie eine weitere, dafür aber sehr präsente Plattform für Rassismus und Diskriminierung, die schon lange tief in der englischen Fußballkultur verwurzelt sind, wie der "Guardian" nun bemerkte: Vieles von dem Hass habe sich schlicht aus dem Stadion ins Internet verlagert, noch verstärkt durch die Pandemie, die Fans bei den Spielen aussperrt.

Premier-League-Schiedsrichter Mike Dean verkündete am Montag (08.02.2021) seinen zeitweiligen Rückzug, nachdem er zuletzt immer häufiger in Social-Media-Posts angefeindet worden war, bis hin zu Todesdrohungen. Runar Alex Runarsson, Ersatztorwart bei Arsenal, musste Ende des vergangenen Jahres nach einem missglückten Einsatz im Ligapokal und anschließenden Anfeindungen der eigenen Fans seinen Twitter-Account schließen.

Auch Klubs in der Verantwortung

Auch Karen Carney, Ex-Nationalspielerin und TV-Expertin, nahm ihr Twitter-Profil vor kurzem vom Netz. Nach einem Ligaspiel von Leeds United hatte Carney in ihrer Analyse mit einer Allerwelts-Bemerkung eine Welle sexistischer Posts und Beleidigungen ausgelöst - wohl zusätzlich befeuert dadurch, dass der Klub sich auf seinem offiziellen Twitter-Kanal über Carneys Einschätzung mokiert hatte. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Klubs bei diesem Problem nicht nur auf die großen Plattformen zeigen, sondern sich auch der eigenen Verantwortung bewusst werden sollten.

Stand: 10.02.2021, 20:40

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