Der Premier League droht eine Geistersaison

Manchester Uniteds Stadion Old Trafford ohne Zuschauer

Fußball in England

Der Premier League droht eine Geistersaison

In die englischen Stadien kehren wohl auch im nächsten halben Jahr keine Zuschauer zurück. Der neue Regierungsbeschluss versetzt die reichste Liga der Welt in Schockstarre.

Die Nachricht schlug am Dienstag (22.09.2020) ein wie eine Bombe: Nicht nur die zeitnahe Fan-Rückkehr zum 1. Oktober ist in der englischen Premier League geplatzt, es droht sogar fast eine komplette Geistersaison. Bis zu 29 von 38 Spieltagen könnten ohne Zuschauer über die Bühne gehen. Es drohen Verluste von über drei Milliarden Euro.

In der vergangenen Saison hätten die englischen Erstliga-Klubs Verluste in Höhe von rund 700 Millionen Pfund (etwa 760 Millionen Euro) erlitten, warnte die Premier League: "Das hat verheerende Auswirkungen auf die Vereine und ihre Gemeinden."

Britischer Sport vor einem Scherbenhaufen

Statt dem Vorbild Bundesliga zu folgen und den ersten Schritt zurück zur Normalität zu gehen, stehen die englische Eliteliga und der gesamte britische Sport vor einem Scherbenhaufen. "Wir müssen uns eingestehen, dass die Ausbreitung des Virus unsere Fähigkeit beeinträchtigt, Geschäftskonferenzen, Ausstellungen und große Sportveranstaltungen wiederzueröffnen", sagte der britische Premierminister Boris Johnson. Und er ergänzte: "Wir werden also nicht in der Lage sein, dies ab dem 1. Oktober zu tun."

Johnson: Maßnahmen für "vielleicht sechs Monate"

Doch die schlechteste Nachricht schob Johnson noch hinterher: Die verschärften Maßnahmen könnten für "vielleicht sechs Monate" in Kraft bleiben. Erst ab April könnten dann wieder Sportveranstaltungen vor Fans stattfinden, die Premier League hätte dann bereits mehr als drei Viertel ihrer Partien absolviert. Ihr Vorstandsvorsitzender Richard Masters hatte schon Anfang September gegenüber der BBC betont, dass es aus finanzieller Sicht "absolut entscheidend" sei, dass die Fans so schnell wie möglich wieder in die Stadien zurückkehren dürften.

Premier League "enttäuscht"

Entsprechend tief saß der Schock nach den neuesten Beschlüssen. "Die Premier League nimmt die heutige Ankündigung der Regierung zur Kenntnis, und obwohl die Gesundheit der Nation für alle weiterhin Priorität haben muss, sind wir enttäuscht, dass die sichere Rückkehr der Fans zu den Spielen verschoben wurde", hieß es in einer Stellungnahme. Mit "ligaweiten Richtlinien" und einem "klaren Verhaltenskodex" seien die Fans in den Stadien "genauso sicher oder sogar sicherer als bei allen anderen derzeit erlaubten öffentlichen Aktivitäten", glaubt die Liga.

Der Chef der Football Supporters Association, Kevin Miles, bekräftigte: "Das Feedback unserer Mitglieder bei Testveranstaltungen hat bestätigt, dass alle Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen in hohem Maße eingehalten wurden und dass sie sich bei Spielen sicherer fühlten als in vielen anderen sozialen Situationen." Selbst am Dienstagabend finden ungeachtet der Beschlüsse noch drei Freundschaftsspiele als Testläufe für die Öffnung der Stadien statt.

Staatsminister: "Müssen im Moment einfach vorsichtig sein"

"Wir wollen es den Menschen zu gegebener Zeit ermöglichen, Fußball und andere Sportereignisse zu sehen", sagte Staatsminister Richard Gove in der Fernsehsendung "BBC Breakfast": "Aber im Moment müssen wir einfach vorsichtig sein, und ich denke, dass eine massenhafte Wiedereröffnung zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht wäre."

Chelseas Teammanager Frank Lampard hat dafür zumindest teilweise Verständnis. "Sicherheit muss immer an erster Stelle stehen", betonte der Coach von Timo Werner und Kai Havertz, schob aber gleich eine Aufforderung hinterher: "Sobald wir eine kontrollierte Anzahl von Fans zurück ins Stadion bringen können, müssen wir wirklich darauf drängen."

sid/dpa | Stand: 22.09.2020, 17:51

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