Machtverschiebung in der Premier League

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England

Machtverschiebung in der Premier League

Von Marco Schyns

Während zwei Teams dem Rest der Premier League immer weiter enteilen, wird die Gruppe im Kampf um die Champions League immer größer.

Dass Manchester United und der FC Arsenal an einem Donnerstagabend Fußball spielen müssen, ist für Verantwortliche, Spieler und Fans beider Klubs eher ein Leid, gar eine Bestrafung. Doch die Zeit, in der die Champions-League-Qualifikation nur eine Formsache war, ist vorbei. Beide Teams waren vor etwa einem Jahrzehnt Teil der sogenannten "Big Four" - neben Chelsea und Manchester City. In den vergangenen Jahren weitete sich der elitäre Kreis der Topklubs in der Premier League zur "Top six" aus - Tottenham und Liverpool kamen dazu.

Heute, in der Saison 2019/20 scheint es, als würde die nächste Machtverschiebung im englischen Fußball anstehen. Nach bemerkenswerten Transfers im Sommer wurden allen voran Leicester City und West Ham United von vielen Experten bereits in die Spitzengruppe geschrieben und geredet. Nach dem 7. Spieltag lässt sich festhalten: zu Recht.

Leicester als erster Verfolger des Spitzenduos

Leicester ist erster Verfolger der beiden Topteams an der Spitze. Liverpool, noch ohne Punktverlust, und Manchester City sind der Liga längst entwachsen. Das hatte sich in den vergangenen beiden Jahren agedeutet und wird aktuell bestätigt. Der Vorsprung ist immens, auch damit hat die vermeintliche Konkurrenz aus Manchester und London zu kämpfen. Doch ManUnited, Arsenal und Chelsea scheinen vorerst abgehängt. An eine Chance auf die Meisterschaft ist gar nicht zu denken.

Leicester und West Ham haben im Sommer jeweils zwischen 80 und 100 Millionen Euro in neue Spieler investiert - und damit immer noch deutlich weniger als ManUnited, Arsenal und Tottenham. Schon jetzt zeigt sich aber, dass 45 Millionen Euro für Youri Tielemans (Leicester), oder 40 Millionen Euro für Sébastien Haller (West Ham) genau den Effekt auf die Leistung haben, den es brauchte, um die Lücke nach oben zu schließen.

Kaum noch "leichte" Spiele

West Hams Heimerfolg gegen ManUnited vor zwei Wochen war schon gar keine Überraschung mehr, ebenso wenig wie Leicesters jüngster 5:0-Sieg gegen Newcastle United, die einen Abstiegskandidaten im Stile eines Topteams komplett überrollt haben. Zudem hat es Chelsea lediglich Torhüter Kepa zu verdanken, dass Leicester ihm am 2. Spieltag (1:1) nicht die zweite Pleite in Folge zugefügt hat. Das fußballerische Niveau ist bei Leicester und West Ham momentan sogar höher einzuschätzen als bei der einstigen Elite.

Kein Top-Team, mit Ausnahme von Liverpool und ManCity, fährt zudem heutzutage mit der fast schon selbstverständlichen Annahme eines Auswärtserfolges nach Wolverhampton, Everton, Burnley, Bournemouth und Co. Während die Premier League an der obersten Spitze zwar spannend, aber nur ein Zweikampf ist, wächst sie dahinter zusammen.

Europa League ein schwacher Trost

Am Ende geht es für alle beteiligten Teams um zwei Plätze: Denn hinter Liverpool und ManCity bleiben zwei weitere Champions-League-Plätze. Und die Europa League ist nicht nur den erfolgsverwöhnten Topklubs ein Dorn im Auge, selbst Leicester, West Ham und Co. meinen in allererster Linie die Champions League, wenn vom europäischen Geschäft die Rede ist.

Gehen sie den eingeschlagenen Weg weiter, ein nicht unrealistisches Szenario. Für ManUnited und Arsenal bleiben dann möglicherweise wieder nur die ungeliebten Spiele am Donnerstagabend. Wenn überhaupt.

Thema in Sportschau am Samstag, 05.10.19, 18 Uhr, Das Erste

Stand: 04.10.2019, 08:30

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