Guardiola und Mourinho: Beide müssen sich beweisen 

In Abneigung verbunden: Tottenhams Trainer José Mourinho (l.) und Pep Guardiola, der Trainer von Manchester City

Trainerduell in der Premier League

Guardiola und Mourinho: Beide müssen sich beweisen 

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Pep Guardiola und José Mourinho treffen in der Premier League mit Manchester City und Tottenham Hotspur aufeinander. Die beiden schillernden Trainer umgibt die Frage, ob sie noch die alte Klasse haben.

Es sind spezielle Tage im Moment für die Trainer-Rivalen Pep Guardiola und José Mourinho. Der eine, Guardiola, hat gerade seinen Vertrag bei Manchester City verlängert, und zwar bis 2023. Sollte er diese Abmachung erfüllen, wird er sieben Jahre im Nordwesten Englands verbracht haben. Für den bindungsscheuen Spanier wäre das ein epischer Zeitraum. Schon jetzt arbeitet er länger bei seinem aktuellen Klub als bei seinen vorherigen Stationen. Den FC Barcelona trainierte er vier Jahre, den FC Bayern drei. In Manchester ist Guardiola in seiner fünften Saison.

Der andere, Mourinho, hatte gerade Jubiläum. Sein Amtsantritt bei Tottenham Hotspur nach dem Aus des beliebten Mauricio Pochettino jährte sich zum ersten Mal. Was im November 2019 wie ein Akt der Selbstzerstörung der solide geführten Nordlondoner wirkte, wird im November 2020 als erfolgreiches Manöver gewertet. In einer Fan-Abstimmung des Portals "The Athletic" bescheinigten 94 Prozent der Befragten dem portugiesischen Exzentriker gerade einen "guten" oder sogar "sehr guten" Job.

 Ist das Undenkbare möglich für Tottenham?

Die Premier-League-Tabelle passt zu den positiven Umfragewerten: Tottenham ist Zweiter, hat die zweitmeisten Tore geschossen (nach dem FC Chelsea) und (zusammen mit Spitzenreiter Leicester City und anderen Teams) die wenigsten kassiert. Gründe dafür sind der gute Transfer-Sommer (unter anderem kam der Ex-Bundesliga-Profi Pierre-Emile Højbjerg aus Southampton) und die überragende Form von Heung-min Son und Harry Kane, die im Moment das stärkste Offensiv-Duo Englands bilden. Es gibt erste Stimmen, die das Undenkbare aussprechen, nämlich dass die "Spurs" in dieser unberechenbaren Corona-Saison ein ernster Kandidat auf die Meisterschaft sein könnten. 

 Immer noch die alte Klasse?

Wie viel Substanz solche Vorhersagen haben, darüber könnte es am Samstag (21.11.2020) Aufschluss geben, wenn Manchester City zur neusten Auflage des Trainerduells zwischen Guardiola und Mourinho im Londoner Norden gastiert. Ihre Hochzeit erlebte die Rivalität in Spanien, als Guardiola den FC Barcelona und Mourinho Real Madrid betreute und die beiden die Besten ihres Fachs waren. Heute gehören sie immer noch zu den schillerndsten Namen der Branche, sie haben jeweils zwei Champions-League-Siege und unzählige nationale Titel im Lebenslauf stehen. Doch beide Trainer umgibt auch die Frage, ob sie immer noch die Aura von einst haben, ob sie immer noch über alte Klasse verfügen.

Champions-League-Sieg mit Barcelona vor neun Jahren

Im Falle Guardiolas klingt das fast nach Majestätsbeleidigung, doch Fakt ist, dass sein bisher letzter Champions-League-Sieg mit Barcelona neun Jahre zurück liegt. Mit Manchester City wurde er nach den Meisterschaften 2018 und 2019 in der vergangenen Saison gedemütigt. Ganze 18 Punkte landete seine Mannschaft in der Premier League hinter dem FC Liverpool von Trainer Jürgen Klopp. In der Champions League gab es das obligatorische Viertelfinal-Aus für das Guardiola-City, diesmal gegen Olympique Lyon.

Der Start in die neue Saison misslang, die Mannschaft ist aktuell nur Zehnter. Viele Verletzte und ein Spiel weniger als die Konkurrenz sind nur der eine Teil der Erklärung dafür. Der andere ist ein Substanzverlust im Kader. Schlüsselspieler wie Vincent Kompany, Fernandinho, David Silva, Leroy Sané und Sergio Agüero sind weg oder werden zunehmend altersschwach. Die neue City-Generation mit Aymeric Laporte, Rúben Dias, Rodri, Phil Foden, Deutschland-Schreck Ferran Torres und Gabriel Jesus ist noch in der Findungsphase. 

 Auch Mourinhos Ruhm verblasst

Mourinho war 2015 zum bisher letzten Mal Meister, und zwar in seiner zweiten Amtszeit beim FC Chelsea. Danach musste er bei Manchester United den Gewinn der Europa League 2017 und den Vizetitel 2018 als Erfolg verkaufen, dabei wären diese Errungenschaften früher unter seiner Würde gewesen. Am besten zeigt sich sein verblassender Ruhm aber daran, dass er keinen Klub der internationalen Extraklasse mehr trainiert, sondern das in England gerne für seine notorische Erfolglosigkeit verspottete Tottenham. 

 Spannender Punkt der Karriere

Beide Trainer sind an einem spannenden Punkt in ihrer Karriere, beide müssen sich neu beweisen: Guardiola, 49, muss bei Manchester City zeigen, dass er einen Umbruch moderieren kann, dass er im Stande ist, nach den Titeln 2018 und 2019 eine zweite große Mannschaft in der gleichen Amtszeit zu konstruieren. Und zwar eine, die endlich auch die Champions League gewinnt. Guardiolas Vertragsverlängerung zeigt, dass der Verein ihm das zutraut.

Mourinho, 57, muss bei Tottenham den Nachweis liefern, dass er nicht "yesterday’s man" ist, wie man in England sagt, kein Mann aus der Vergangenheit. Der aktuelle Höhenflug deutet darauf hin, dass ihm das gelingen könnte. Bei den Fans stellt sich nach anfänglichem Entsetzen über seine Verpflichtung so langsam Vertrauen ein. In der "Athletic"-Abstimmung gaben 82 Prozent der Befragten an, dass sie den Gewinn einer Trophäe mit Mourinho für wahrscheinlicher halten als unter Pochettino.

Stand: 20.11.2020, 14:11

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