Warum wackelt der FC Liverpool?

Liverpools Alisson Becker ist enttäuscht

Negativserie in der Premier League

Warum wackelt der FC Liverpool?

Von Robin Tillenburg

Der FC Liverpool steckt in seiner schlechtesten Phase dieser Saison und verliert im Titelrennen gegenüber Manchester City an Boden. Was läuft schief?

Liverpool hat zwar die Tabellenführung an Manchester City verloren, die "Citizens" haben aber ein Spiel mehr ausgetragen und liegen nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor der Mannschaft von Jürgen Klopp.

Vorsprung stark geschrumpft, aber ...

Zudem ist die "Krise" von Liverpool - gemessen an dem geschrumpften Vorsprung, der zum Jahreswechsel noch sieben Punkte betragen hatte - durchaus messbar, mit einer Ausbeute von acht Punkten aus den vergangenen vier Partien könnte sie aber noch weitaus größer sein.

Bei einem so starken Konkurrenten wie dem Titelverteidiger aus Manchester kann man sich zwei Unentschieden hintereinander wie zuletzt gegen Leicester City und West Ham United allerdings offenbar nicht erlauben.

Fast jeder Schuss ein Gegen-Treffer

Besorgniserregender als die Ergebnisse sind andere Dinge. Zum einen die spielerische Form - vor allem gegen West Ham wirkte das Team ideenlos - zum anderen die erschreckende Defensivstatistik: Sieben der nur 15 Liga-Gegentore fielen in den fünf Partien seit dem Jahreswechsel - bei nur elf Schüssen auf das Tor der "Reds".

Torwart-Neuzugang Alisson Becker ist damit - was die Quote gehaltener Bälle angeht - der schlechteste Premier-League-Keeper mit mindestens drei Spielen dieses Kalenderjahres.

Das ist Zahlenspielerei und eine Schlussfolgerung, die der Realität natürlich nicht entspricht. Die Zahl der Fehler in der Liverpooler Defensive und deren Auswirkungen sind aber tatsächlich problematisch. Gegen West Ham verschlief Naby Keita die Situation, die zum Gegentor führte. Gerade der im Sommer für viel Geld aus Leipzig gekommene Mittelfeldmann steht vermehrt in der Kritik.

Verlorenes Topspiel als Ausgangspunkt?

Von den fünf Gegentreffern in den vergangenen drei Partien fielen drei nach einer Standardsituation, ein weiteres Gegentor gab es nach einer Flanke aus dem Spiel - es sind "leichte" Fehler in der Zuordnung, Konzentrationsmängel, die möglicherweise mit flatternden Nerven zu tun haben können.

Der leichte Abwärtstrend fand seinen Anfang in der Liga-Niederlage gegen Manchester City Anfang des Jahres, die ein bisschen unglücklich war: Ein Aluminiumtreffer, einmal musste die Torlinientechnik zeigen, dass ein Schuss nicht hinter der Linie war, dazu weitere gute Gelegenheiten.

Möglicherweise gerieten die "Reds" ins Grübeln, als die "Citizens" drei Punkte näher heran kamen. 29 Jahre nach der bislang letzten Meisterschaft scheint das vom gesamten Umfeld ersehnte Ziel greifbar nah - und dann verliert man das Spitzenspiel gegen den ärgsten Rivalen, der plötzlich einen gewaltigen Schritt näher rückt.

Pep Guardiola über die Tabellenführung von Manchester City Sportschau 08.02.2019 00:19 Min. Verfügbar bis 08.02.2020 Das Erste

Nervenflattern?

Die schwer zu fassende "Selbstverständlichkeit" ist es, die Liverpools Spiel aktuell abgeht. Hinten schleichen sich Konzentrationsfehler ein, vorne fehlt es - bis auf Sadio Mané - nahezu allen Akteuren an Esprit. Vereinsikone Jamie Carragher wollte dies aber nicht mit Nervenflattern begründen.

Liverpools Sadio Mané

Vorne momentan Alleinunterhalter: Sadio Mané

Der ehemalige Innenverteidiger sieht aber die Gefahr, dass die Spekulationen um das Nervenkostüm der "Reds" sich am Ende tatsächlich darauf auswirken. Die Saison sei noch lang, möglicherweise werde im Titelrennen sogar entscheidend sein, wer wie weit in der Champions League komme, so Carragher. "Es ist egal, was die Leute sagen - es ist egal, ob es die Nerven sind, einfach schlechte Spiele oder sonst irgendetwas. Der einzige Weg, wie sie es aufhalten können, sind Siege. Wenn sie das Spiel gegen Bournemouth in überzeugender Art und Weise gewinnen, können sie dieses Gerede zumindest ein bisschen stoppen."

Bournemouth-Spiel richtungsweisend

Tatsächlich wartet auf die "Reds" nach dem Bournemouth-Spiel am Samstag (09.02.2019) eine zehntägige Pause, ehe es in der Champions League gegen den FC Bayern München und dann in der Liga gegen das wiedererstarkte Manchester United geht. In dieser Pause gibt es etwas Zeit zum Nachjustieren, weil die Klopp-Elf aus dem FA Cup bereits ausgeschieden ist. Aber eben auch Zeit zum Nachdenken. Das Spiel gegen Bournemouth könnte also tatsächlich richtungsweisend sein.

Stand: 08.02.2019, 09:50

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