Premier League - Kellerkinder fordern Aussetzung des Abstiegs

 Craig Dawson

In Englands Liga rumort es

Premier League - Kellerkinder fordern Aussetzung des Abstiegs

Sechs abstiegsbedrohte Klubs der englischen Premier League wollen dem geplanten Re-Start auf neutralen Plätzen nur unter einer Bedingung zustimmen: Keiner steigt ab. Am Montag steht die nächste Telefonkonferenz der Vereine an.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp hofft auf die rasche Rückkehr, doch die Kellerkinder der englischen Premier League bringen das "Projekt Neustart" ins Wanken. Vor dem nächsten Treffen der Klubs am Montag (11.05.2020) warnen die Zweifler eindringlich. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den falschen Schritt machen. Denn wenn wir es tun, könnte es Leben ruinieren. Es könnte Leben kosten", sagte Paul Barber, Geschäftsführer von Brighton & Hove Albion, der "Daily Mail". Die "Seagulls" sind neben Aston Villa und dem FC Watford einer von drei abstiegsbedrohten Klubs, die sich bisher öffentlich gegen die vorschnelle Wiederaufnahme der Saison in England ausgesprochen haben.

Forderung: Kein Abstieg

Die aktuellen Pläne sehen vor, die 92 noch ausstehenden Spiele auf insgesamt zehn neutralen Plätzen abseits der Ballungsgebiete auszuspielen. Für eine Verabschiedung dieses Konzepts müssten 14 von 20 Vereinen zustimmen. Laut eines Berichts des "Mirror" wollen sich die sechs schwächsten Teams der Liga ("The six Premier League rebels") dem Plan aber nur anschließen, wenn der Abstieg in dieser Saison ausgesetzt werde. Neben Brighton & Hove Albion, Aston Villa und Watford sind das Norwich City, der AFC Bournemouth und West Ham United.

Angst in Anfield - der FC Liverpool bangt um den Titel Sportschau 26.04.2020 07:05 Min. Verfügbar bis 26.04.2021 Das Erste

Vorwurf: Vorteil des Heimrechts genommen

Dass am Montag bereits eine Entscheidung gefällt wird, gilt als unwahrscheinlich. Die Grunddaten sind aber klar. Der Neustart ist für den 12. Juni geplant, Mannschaftstraining soll ab dem 18. Mai wieder möglich sein. Angesichts von 500 Menschen, die in der vergangenen Woche in Großbritannien täglich an den Folgen des Coronavirus gestorben sind, sei dies jedoch unverantwortlich, sagen Kritiker. Auch Spieler wie Stürmerstar Sergio Agüero von Meister Manchester City hatten zuletzt Bedenken geäußert.

Den Abstiegskandidaten stößt zudem das Format übel auf. "Wenn mindestens sechs Klubs - und ich vermute, es sind noch mehr - über die eindeutigen Nachteile und die verheerenden Auswirkungen dieser Miniliga mit neun Spieltagen besorgt sind, dann ist die Premier League in der Pflicht, sich um diese Bedenken zu kümmern", sagte Watfords Vorstandsboss Scott Duxbury. Aus seiner Sicht sei es "falsch" und "unfair", vor dem letzten Saisonviertel an neutrale Orte zu wechseln. Bei Geisterspielen würde den Teams mit einer Wegnahme des Heimrechts der Vorteil der "Vertrautheit" des eigenen Stadions genommen.

Nur für die großen Klubs attraktiv?

Für den Vereinschef ist das vorgestellte Projekt deshalb nur für Klubs im oberen Tabellendrittel lukrativ. "Die Teilnahme an diesem kompromittierten Format bringt nur einen Vorteil mit sich - nämlich, dass Liverpool den Titel gewinnen kann und andere Klubs ihren Platz in Europa buchen können", schrieb Duxbury in der englischen Zeitung "Times".

Teammanager Klopp und der FC Liverpool liegen 25 Punkte vor Verfolger Manchester City. Zur ersten Meisterschaft seit 1990 fehlen den "Reds" nur zwei Siege aus den verbliebenen neun Partien. Brighton & Hove Albion (15.), Watford (17.) und Aston Villa (19.) kämpfen hingegen noch um die Klasse.

Norwichs Farke: "Nicht um jeden Preis"

Einen Saisonabbruch will wegen der noch ausstehenden TV-Gelder eigentlich niemand. Auch Daniel Farke nicht. Der deutsche Teammanager des Schlusslichts Norwich City wünscht sich eine sportliche Entscheidung auf dem Feld - das aber nicht zu jedem Preis. "Mein genereller Ansatz ist, dass wir alles tun sollten, um die Saison zu Ende zu bringen", sagte Farke zu "Sky UK": "Aber wenn wir nur ein Leben retten könnten, indem wir die Saison nicht zu Ende spielen, dann müssen wir das machen."

sid | Stand: 10.05.2020, 13:25

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