Polizei entlässt Ex-UEFA-Präsident Platini aus Gewahrsam

Michel Platini

Wegen Gesprächen vor der WM-Vergabe an Katar in Gewahrsam

Polizei entlässt Ex-UEFA-Präsident Platini aus Gewahrsam

Der für alle Fußballaktivitäten gesperrte frühere UEFA-Präsident Michel Platini ist von der französischen Polizei am Dienstag (18.06.2019) in Gewahrsam genommen, in der Nacht zu Mittwoch aber wieder freigelassen worden.

Hintergrund ist laut französischen Medien eine schon seit 2016 laufende Ermittlung zu der umstrittenen Vergabe der WM 2022 nach Katar. Unter anderem geht es um Bestechungsverdacht.

"Er ist nicht länger in Gewahrsam", sagte Platinis Anwalt William Bourdon in der Nacht zum Mittwoch. Laut seiner Aussage habe es "viel Lärm um Nichts" gegeben. Der für alle Fußballaktivitäten gesperrte Platini soll nach AFP-Angaben erschöpft gewirkt haben, nachdem er das Polizeibüro im westlichen Pariser Vorort Nanterre verlassen habe. "Es war lang, aber angesichts der Vielzahl an Fragen konnte es nur lang werden, da ich über die Europameisterschaft 2016, die WM in Russland, die WM in Katar und die FIFA befragt wurde", wird Platini selbst zitiert.

"Als Zeuge" befragt, sagt Platinis Anwalt

Bourdon hatte bereits zuvor dementiert, dass Platini, der die UEFA von 2007 bis zu 2015 geführt hatte, überhaupt festgenommen wurde. Vielmehr sei er "als Zeuge" befragt worden. "Er hat absolut nichts Falsches getan und er bekräftigt, dass er in keinerlei Verbindung zu den Fakten des fraglichen Falles steht, welche ihm unbekannt sind", hatte der Rechtsbeistand am Dienstag in einem Statement gesagt. 

Ex-UEFA-Präsident Platini in Polizeigewahrsam

Sportschau 18.06.2019 01:08 Min. ARD Von ARD-Reporter Dietrich Karl Mäurer

Blatter erzählt von Platinis Treffen

Die Ermittler interessieren sich laut der französischen Online-Plattform "Mediapart" im Fall Platini für dessen Treffen im Élyséepalast am 23. November 2010 mit dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem heutigem Emir Tamim bin Hamad des Emirats Katar. Kurz darauf waren am 2. Dezember 2010 die WM-Turniere 2018 an Russland und 2022 an Katar vergeben worden.

Im September 2018 berichtete der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter in einem Interview mit dem Magazin "Sport inside" über das Treffen in Paris. Platini habe ihn am Tag danach angerufen und gesagt, dass vier Stimmen wohl nun zu den Katari wandern würden, so Blatter, der ebenfalls für alle Fußballaktivitäten gesperrt ist. Angesichts der jüngsten Entwicklung nahm Blatter Platini jedoch in Schutz. Dieser sei "ganz sicher kein Krimineller", sagte er der "Welt". "Ich habe lange mit ihm zusammengearbeitet und besitze eine gute Menschenkenntnis. Ab und zu habe ich mich in meinem Leben in Menschen geirrt - aber nie bei der Frage, ob jemand kriminell ist."

Seit dem Zuschlag für Russland und das von Platini unterstützte Katar hielten sich massive Anschuldigungen von unlauteren Machenschaften bis hin zu Korruptionsvorwürfen gegen die Gastgeberländer und mehrere frühere FIFA-Funktionäre.

Platini weist Vorwürfe zurück

Platini habe sich "nichts vorzuwerfen", ließ der bald 64-Jährige über seinen Berater mitteilen und betonte, dass es sich nicht um eine Verhaftung gehandelt habe. Platini habe alle Fragen beantwortet. "Er ist absolut zuversichtlich, was den Rest betrifft", heißt es weiter.

Vier Jahre gesperrt

Der früherer Weltklassespieler ist bereits seit Jahren aus der Fußballwelt verbannt. Platini wurde von der FIFA-Ethikkommission 2015 zunächst für acht Jahre für alle Fußball-Aktivitäten gesperrt - die Strafe wurde aber später auf vier Jahre reduziert.

Grund war eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken, die er 2011 von Blatter erhalten hatte. Laut Blatter und Platini handelte es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis FIFA-Arbeit in den Jahren 1998 bis 2002.

Wie französische Medien weiter berichteten, nahmen die Anti-Korruptions-Ermittler auch eine frühere Sportberaterin von Sarkozy in einem Pariser Vorort in Gewahrsam. Angehört wurde demnach auch der frühere Élysée-Generalsekretär Claude Guéant, der unter Sarkozy diente.

sid/dpa | Stand: 19.06.2019, 07:47

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