Paris St. Germain: Ab jetzt ohne die großen Transfers?

Ander Herrera (l.), Pablo Sarabia (M.) und Layvin Kurzawa

Frankreich, Ligue 1

Paris St. Germain: Ab jetzt ohne die großen Transfers?

Von Marco Schyns

Während Neymar auf seine Freigabe wartet, bastelt Paris St. Germain nicht etwa am nächsten Rekordtransfer. Die Franzosen backen kleinere Brötchen - und verpflichten vergleichsweise unbekannte Spieler. Eine neue Strategie?

Die Zahl ist noch immer präsent und markiert einen Einschnitt im europäischen Vereinsfußball: 222 Millionen Euro. Soviel Geld überwies Paris St. Germain vor der Saison 2017/18 für Neymar an den FC Barcelona. Noch im gleichen Sommer lieh PSG den französischen Jungstar Kylian Mbappé aus Monaco aus - um ihn einen Sommer später für rund 135 Mio. Euro fest zu verpflichten.

Die beiden Ausnahmekönner stehen ganz oben auf der langen Liste von Top-Transfers in die französische Hauptstadt in den vergangenen Jahren. Mit scheinbar unbegrenztem Kapital aus Katar hat PSG mächtig aufgerüstet. Seit 2012 hat der Klub rund eine Milliarde Euro in Neuzugänge gesteckt - auf das große Ziel Champions-League-Titel wartet Präsident Nasser Al-Khelaifi dennoch vergeblich.

Vergleichsweise unbekannte Neuzugänge

Geld schießt also nur bedingt Tore. Wohl auch deshalb hat in der französischen Hauptstadt ein Umdenken stattgefunden: In Ander Herrera (ablösefrei von Manchester United), Abdou Diallo (für 32 Mio. Euro von Borussia Dortmund), Pablo Sarabia (für 18 Mio. vom FC Sevilla) und zuletzt Idrissa Gueye (für 32 Mio. Euro vom FC Everton) hat man zwar gleich vierfach auf dem Transfermarkt zugeschlagen, allerdings vergleichsweise unbekannte Spieler verpflichtet.

PSG - ungewöhnliche Transfers beim Fußball-Krösus Sportschau 30.07.2019 00:47 Min. Verfügbar bis 30.07.2020 Das Erste

Schaut man sich die Transfers der vergangenen Jahre an, ist das ein sehr ungewöhnlicher und überraschender Schritt. Und doch ist er die logische Folge einer Entwickung unter Trainer Thomas Tuchel.

Problemfall Adrien Rabiot, der sich zuletzt im Streik befand, hat den Verein in Richtung Turin verlassen. Der extrovertierte Dani Alves zählt nicht mehr zum Kader, für Landsmann Neymar dürfte das bald auch gelten.

Neue Charaktere - ruhig, aber mit Qualität

Stattdessen holt Tuchel ruhige Charaktere, die in den vergangenen Jahren mit Leistungen überzeugt haben, ansonsten aber - auf und neben dem Platz - nur selten auffielen. Herrera war wichtiger Bestandteil im Mittelfeld von Manchester United, das gleiche gilt für Gueye, der bei Everton eine herausragende Arbeit gegen den Ball leistete.

Diallo hat in seinem Jahr beim BVB gute Ansätze gezeigt und Sarabia überzeugte bei Sevilla vor allem als Passgeber hinter den Angreifern. Treffsicher ist er aber auch selbst. Für die Andalusier erzielte Sarabia in drei Jahren 23 Tore in 52 Pflichtspielen.

Ramsey, Sarabia und Co. - Fußball-Top-Transfers unter dem Radar Sportschau 16.07.2019 00:58 Min. Verfügbar bis 16.07.2020 Das Erste

Mittelfeldspieler gesucht

Auch Julian Weigl von Borussia Dortmund wurde lange als Zugang gehandelt, genauso BVB-Teamkollege Raphael Guerreiro. Beide Transfers scheinen noch nicht vom Tisch zu sein.

Dortmunds Julian Weigl

Dortmunds Julian Weigl

Schon im Januar hatte Tuchel offensiv angekündigt: "Wir brauchen dringend Spieler für das Mittelfeld." Tatsächlich zählt der aktuelle Kader, mit den Neuzugängen, gerade einmal fünf nominelle Mittelfeldspieler.

Bale in Paris kein Thema

Vor allem wenn der Neymar-Deal durchgehen sollte, dürfte PSG weiter aktiv bleiben auf dem Transfermarkt. Durch die Bundesliga-Vergangenheit von Tuchel werden nicht nur BVB-Spieler gehandelt, zuletzt tauchten auch die Namen Philipp Max (FC Augsburg) und Renato Sanches (FC Bayern) auf.

Dass man zu den ganz wenigen Klubs in Europa zählt, die das üppige Gehalt des bei Real Madrid auf dem Abstellgleis stehenden Gareth Bale zahlen könnten, spielte in den Diskussionen um die Zukunft des Walisers bislang keine Rolle. Auch das spricht für einen Strategiewechsel beim französischen Meister.

Bei Real auf dem Abstellgleis - wie geht es weiter für Bale? Sportschau 24.07.2019 00:58 Min. Verfügbar bis 24.07.2020 Das Erste

Genaue Überlegungen

Mit Ruhe, genauen Überlegungen und neuer Qualität will man den gewünschten Erfolg erzielen, anstatt mit großem Blitzlichtgewitter den nächsten Superstar an Land zu ziehen.

Geht der Plan auf, könnte Tuchel der Held des neuen PSG werden. Scheitert auch diese Strategie, stellt sich einmal mehr die Frage nach der Zukunft des Projekts Paris St. Germain.

Stand: 31.07.2019, 13:15

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