Fabio Paratici - Juves schlauer Architekt im Hintergrund

Fabio Paratici

Internationaler Transfermarkt

Fabio Paratici - Juves schlauer Architekt im Hintergrund

Von Olaf Jansen

Juventus Turin spielt eine Schlüsselrolle auf dem internationalen Transfermarkt. Mit Fabio Paratici arbeitet ein Spezialist im Hintergrund.

Es passiert nicht oft, aber im Januar 2019 rückte Fabio Paratici dann doch mal ins Rampenlicht: Bei den Globe Soccer Awards in Dubai wurde der 47-jährige Generalmanager von Juventus Turin auf die Bühne gebeten und als bester Sportdirektor des Jahres ausgezeichnet.

Paratici, der es als aktiver Fußballer selbst nur bis in die dritte italienische Liga gebracht hatte, bleibt ansonsten lieber im Hintergrund. Er mag es, die Geschicke seines Vereins aus dem Verborgenen zu leiten. Charakteristisch ist dabei seine leise Stimme, von der schon viele seiner Verhandlungspartner mit einer gewissen Ehrfurcht berichtet haben.

Angelernt von Beppe Marotta

Paraticis aktive Karriere als Fußballer endete 2004 als 32-Jähriger, er wechselte darauf gleich als Chefscout in die Führungsetage von Sampdoria Genua. Angelernt wurde er dort von Sportdirektor Giuseppe Marotta, mit dem er gemeinsam 2010 zu Juventus wechselte. Bei der "Alten Dame" machten die beiden sozusagen ihr Meisterstück: Sie führten Juve aus einer tiefen Krise zurück in Europas Spitze.

Seit der Saison 2010/11 hat der Klub sowohl den Gewinn wie auch den Umsatz mehr als verdoppelt. Juves größtes Pfund ist dabei das vereinseigene Stadion, dessen Namen sich ein Sponsor sicherte und das damit Millionenbeträge für den Verein abwirft. 2018 wurde zudem ein eigenes Trainingszentrum mit angeschlossenem Gesundheitsbereich eingerichtet. Zwei neue Fanstores des italienischen Serienmeisters in Rom und Mailand haben zuletzt unmissverständlich aufgezeigt, wer die Nummer eins in Italiens Fußball ist.

Cristiano Ronaldo - ein "positiver Schock"

Aber Juve will natürlich mehr: die Champions League. Seit Marottas Wechsel zu Inter Mailand 2018 ist Paratici nun quasi allein verantwortlich, dafür die personellen Grundlagen zu legen. Schon im Sommer 2018 war er es, der Präsident Andrea Agnelli den Transfer von Cristiano Ronaldo schmackhaft machte. "Wir brauchten einen positiven Schock auf dem Transfermarkt, um Juve zu neuem Leben zu erwecken", erklärte er den Mega-Deal, der den Verein damals 117 Millionen Euro kostete. Die Ausgaben sind längst wieder eingespielt, Ronaldo hob Juve vermarktungstechnisch in den Fußballhimmel.

Paratici gilt als Meister der Effizienz auf dem Transfermarkt. Auf der einen Seite stehen seine Groß-Investitionen, wie in diesem Sommer der Transfer von Amsterdams Matthijs de Ligt. Das niederländische Abwehrjuwel, das von allen Großklubs dieser Welt heftig umworben wurde, kostete Paratici und Juve 75 Millionen Euro plus zehn weitere Millionen im Erfolgsfall.

Ablösefrei und hochbezahlt

Auf der anderen Seite hat sich Paratici auf ablösefreie Transfers spezialisiert. In der laufenden Transferphase holte er bereits Adrien Rabiot (von Paris St. Germain) und Aaron Ramsey (FC Arsenal) ohne Wechselgebühr - im Gegenzug konnte er diesen Spielern ein Millionengehalt offerieren. Nach diesem Muster schnappte sich Juve in der Vergangenheit Hochkaräter wie Andrea Pirlo (2011), Paul Pogba (2012), Kingsley Coman (2014), Sami Khedira (2015), Dani Alves (2016) und Emre Can (2018). Alles gute Geschäfte für Juve - allein für Pogba und Coman strich der Klub beim Verkauf anschließend 130 Millionen Euro ein.

Denn Paratici lotst nicht nur Spieler günstig nach Turin, er veräußert sie auch gewinnbringend an die Konkurrenz. Im Sommer 2018 zahlte der AC Mailand 35 Millionen für Mattia Caldara, und Udinese Calcio legte 20 Millionen für Rolando Mandragora auf den Tisch - obwohl es beide nie in Juves erste Mannschaft geschafft hatten. In diesem Jahr gelang ein solcher Transfer mit Torwart Emil Audero. Der 22-Jährige, der lediglich einmal für Juve gespielt hatte, war Sampdoria Genua 20 Millionen wert.

Lukaku im Tausch mit Dybala?

Man darf also gespannt sein, welchen Hasen Paratici während der aktuell laufenen Transferphase noch aus dem Hut zaubern kann. Gerüchte gibt es derzeit noch viele, das Transferfenster in Italien schließt erst am 2. September, die Serie A startet am 25. August in die neue Spielzeit. Aktuell heißestes Gerücht: Juve holt Romelu Lukaku von Manchester United und bietet den Engländern im Gegenzug Paulo Dybala an. Auch dieser Deal würde zu Paratici passen...

Matthijs de Ligt trug schon als Kind ein Juve-Trikot Sportschau 19.07.2019 00:41 Min. Verfügbar bis 19.07.2020 Das Erste

Stand: 31.07.2019, 11:23

Darstellung: