Götze und Co. - Warum die Eredivisie attraktiv für deutsche Profis ist

Deutsche Profis in Holland

Eredivisie

Götze und Co. - Warum die Eredivisie attraktiv für deutsche Profis ist

Von Christian Hoch

WM-Held Mario Götze wechselt zur PSV Eindhoven in die Eredivisie - er ist einer von jetzt 35 deutschen Profis in den Niederlanden. Was auf den ersten Blick wie ein Rückschritt scheint, hat sich für viele schon bezahlt gemacht.

Felix Passlack muss grinsen, als er von der Sportschau zum Wechsel von Mario Götze in die Niederlande befragt wird: "Nein, geschrieben haben wir dazu nicht. Ich denke aber, dass es ein mutiger und richtiger Schritt für ihn ist." Dabei könnte es sich für Götze durchaus lohnen, mal bei seinem ehemaligen Mannschaftskollegen von Borussia Dortmund nachzufragen. Denn Passlack weiß, wie man seine Karriere in der Eredivisie retten kann - und ist damit nicht alleine.

Insgesamt 35 deutsche Profis spielen aktuell in der niederländischen Liga - der höchste Wert überhaupt und das Ergebnis eines langfristigen Trends. Seit sechs Jahren drängen vor allem junge Spieler und Talente aus Deutschland ins Nachbarland und schaffen dort oft den Durchbruch. Prominente Beispiele: Mark Uth, Robin Gosens oder Armin Younes.

Götze: "Ein Ziel ist, wieder Nationalmannschaft zu spielen" Sportschau 08.10.2020 00:58 Min. Verfügbar bis 08.10.2021 Das Erste

Niederlande als Karriere-Rettung - auch für Götze?

"Der Wechsel nach Holland war perfekt für mich. Ich hatte zwei schwierige Jahre hinter mir und konnte endlich wieder mit Spaß Fußball spielen", beschreibt BVB-Verteidiger Passlack seine Zeit bei Fortuna Sittard. Knapp 2.500 Spielminuten und 28 Pflichtspieleinsätze - die vergangene Saison hat die Karriere von Passlack, der von vielen bereits abgeschrieben wurde, wieder angekurbelt: "In Holland konnte ich ohne großen Druck spielen, es wird dort mehr auf junge Spieler gesetzt." Mit dem neuen Selbstvertrauen ist Passlack gerade dabei, sich in Dortmund festzuspielen, nach drei Jahren wurde er außerdem wieder für die U21-Nationalmannschaft nominiert.

Raus aus dem Rampenlicht Bundesliga, einfach in Ruhe Fußball spielen: Auch Mario Götze hat nach Sportschau-Informationen genau diese Perspektive überzeugt, nach Eindhoven zu wechseln. Vor rund acht Wochen machte ihm PSV-Trainer Roger Schmidt in einem einzigen Gespräch klar, was er mit Götze vorhat. Nach dem Motto: "Wenn du Lust auf Fußballspielen hast, dann komm gerne zu uns." Offenbar hat Schmidt damit Götzes Nerv getroffen. Denn am letzten Tag der Transferfrist in den Niederlanden unterschrieb Götze tatsächlich in Eindhoven. Ein Schritt, der letztlich auch die Verantwortlichen im Verein selbst positiv überrascht hat. Beim Europa-League-Teilnehmer trifft Götze unter anderem auch auf Philipp Max, der in diesem Sommer vom FC Augsburg zur PSV gewechselt ist.

Schalke-Eigengewächs Czyborra: Über Almelo nach Bergamo

Auch Lennart Czyborra hat sich vor zwei Jahren für den Schritt in die Niederlande entschieden und damit richtig gelegen. Das einstige Eigengewächs des FC Schalke 04 schloss sich vor zwei Jahren Heracles Almelo an, weil ihm beim Pott-Klub die Perspektive fehlte. Im Januar dieses Jahres wechselte er dann für knapp fünf Millionen Euro Ablöse in die italienische Serie A zum Spitzenklub Atalanta Bergamo, der ihn in diesem Sommer zum FC Genua ausgeliehen hat.

Czyborra gegenüber der Sportschau: "Die Zeit in der Eredivisie war eine meiner wichtigsten Erfahrungen überhaupt. Ich glaube, dass ich das immer sagen werde, weil es für mich als junger Spieler einfach ein extrem gutes Sprungbrett war." Nach seinem letzten Jahr in der A-Jugend auf Schalke war er lediglich Linksverteidiger Nummer vier bei den Profis: "Selbst wenn ich bei Schalke geblieben wäre, weiß ich nicht, ob mein Weg so verlaufen wäre. Auf Schalke ist einfach immer ein krasserer Druck da. Wenn du da als junger Spieler einen Fehler machst, kann alles schnell zu Ende sein. Deswegen bin ich froh, wie ich meinen Weg gegangen bin."

Auch Trainer reizt die Arbeit im Nachbarland

Der Fokus auf dem Kerngebiet Fußball und junge Spieler entwickeln - auch für deutsche Trainer sind die Niederlande eine willkommene Adresse. Mit Frank Worthmuth von Heracles Almelo und Roger Schmidt sind gerade zwei von ihnen in der Eredivisie tätig. "Trainer sehen hier, wie viel Spaß es machen kann, die Auswirkungen der eigenen Arbeit an jungen Spielern zu sehen", erklärt Jörn Wolf, der als Co-Trainer unter Schmidt arbeitet und ihn bereits in seiner China-Zeit begleitet hat: "Holland ist ein außergewöhnlicher Fußballstandort mit einem sehr guten Nährboden für junge, talentierte Spieler."

Felix Passlack und Lennart Czyborra wissen das. Sie haben, wie viele andere vor ihnen auch, ausschließlich von ihrer Zeit in der Eredivisie profitiert. Und auch für Mario Götze könnte die Zeit in Holland genau der Impuls werden, den er für seine Laufbahn noch einmal benötigt hat.

Stand: 08.10.2020, 16:30

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