Nach Medienberichten - Ärger um Pläne für europäische Superliga

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

Zukunft des Fußballs

Nach Medienberichten - Ärger um Pläne für europäische Superliga

Eine neue Superliga könnte Europas Topklubs Milliarden-Einnahmen sichern. Das Vorhaben wird seit Jahren immer wieder diskutiert. Nun kommt ein neuer Vorstoß aus England. Kritik gibt es von der UEFA.

Der neue Vorstoß für eine milliardenschwere europäische Superliga hat Kritik und Ärger hervorgerufen. Ehemalige Profis und Fanvertreter aus England kritisierten das Vorhaben am Mittwoch (21.10.2020), die Europäische Fußball-Union UEFA machte erneut ihre Ablehnung deutlich. Eine solche Liga aus 18 europäischen Topklubs würde "zwangsläufig langweilig werden", hieß es von der UEFA. Nach Informationen britischer Medien wird die sogenannte "European Premier League" von Meister FC Liverpool und Manchester United vorangetrieben.

Liverpool und Manchester United sollen dabei von mehr als einem Dutzend Vereinen aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien unterstützt werden. Die Grundidee der Planungen, die sich aber noch "in einem frühen Stadium" befänden: Eine europäische Superliga mit 18 Vereinen, Hin- und Rückspielen sowie Playoffs am Saisonende. Als möglicher Starttermin wird das Jahr 2022 genannt.

Neville: "Der Fußall frisst sich selbst auf"

Der frühere Liverpool-Profi und heutige TV-Kommentator Jamie Carragher machte seinem Ärger mit drastischen Worten Luft. "Verpisst euch", schrieb er bei Twitter. Man-United-Ikone Gary Neville reagierte ebenfalls verärgert. "Der Fußball frisst sich selbst auf", sagte Neville dem Sender Sky Sports, "denn die Fans werden sich abwenden."

Liverpool-Coach Klopp: "Bin nicht involviert"

Liverpool-Coach Jürgen Klopp wollte sich zunächst nicht zu den Plänen äußern. "Ich habe absolut keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen", sagte er am Dienstag (20.10.2020) auf einer Pressekonferenz. "Ich bin da nicht involviert, ich kümmere mich um das Tagesgeschäft."

Den Berichten zufolge soll die Superliga mit rund fünf Milliarden Euro von Investoren unterstützt werden. Angesichts der finanziellen Probleme, die zahlreiche Fußballvereine in Großbritannien aufgrund der Coronavirus-Pandemie haben, sorgt das für Empörung. "Wir müssen uns um die Struktur des Spiels kümmern und darum, was es für die Gemeinden in diesem Land bedeutet", sagte Neville.

FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versicherte am Mittwoch im TV-Sender Sky, er habe "keinen Kenntnisstand" von den Plänen. Er habe in einem Telefonat mit UEFA-Chef Alexander Ceferin erklärt: "Wir sind mit der Champions League sehr glücklich."

UEFA lehnt Idee ab, Infantino spricht nur über Klub-WM

UEFA-Präsident Ceferin hatte die schon in der Vergangenheit kolportierten Ideen einer Superliga mehrfach kategorisch abgelehnt. Die Prinzipien der Solidarität, des Aufstiegs, des Abstiegs und der offenen Ligen seien nicht verhandelbar, hieß es in einer Mitteilung. Nur dadurch funktionierten der europäische Fußball und die Champions League.

Der Weltverband FIFA, der die Pläne angeblich befürwortet, mochte zu den Berichten zunächst nicht Stellung beziehen. Präsident Gianni Infantino äußerte sich am Donnerstag im Interview mit dem Medienunternehmen "CH Media" ausweichend und sprach lieber über sein Lieblingsprojekt, die enorm erweiterte Klub-WM. "Es geht mir nicht um Bayern gegen Liverpool, sondern um Bayern gegen Boca Juniors aus Buenos Aires", sagte der Schweizer. Als Chef des Fußball-Weltverbandes interessiere ihn "die Klub-WM, nicht die Superliga". Sein Ziel sei es, "dass künftig auch Clubs von außerhalb Europas globale Strahlkraft haben", sagte Infantino: "Wir werden niemandem die Bundesliga wegnehmen."

Kritik von der Football Supporters' Federation 

Die Football Supporters' Federation (FSF), ein Fanzusammenschluss mit mehr als 500.000 Mitgliedern, äußerte ebenfalls ihren Unmut über die Pläne. "Sie entlarven den Mythos, dass milliardenschwere Inhaber sich um die englische Fußballstruktur kümmern oder um irgendetwas anderes als ihre eigene Gier", teilte der FSF-Vorsitzende Kevin Miles mit. "Das ist wohl der letzte Sargnagel für den Gedanken, dass man sich darauf verlassen kann, dass der Fußball sich selbst reguliert."

Die Idee einer Superliga ist nicht neu. Aus den Football-Leaks-Dokumenten, die dem Spiegel vorlagen und die er mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hatte, ließen sich bereits 2018 Pläne für eine solche Liga belegen. Demnach sollten insgesamt 16 Teams von der Saison 2021/22 in der European Super League (ESL) starten.

Ein Kritikpunkt dabei: Auf- und Abstieg waren nicht vorgesehen, die Kluft zwischen den teilnehmenden Teams und ihren Konkurrenten wäre wohl noch größer geworden. Die Gründer wären demnach mindestens 20 Jahre als feste Teilnehmer an der ESL dabei gewesen, solange sie nicht gegen die vertraglich verankerten Regeln verstoßen.

red/sid/dpa | Stand: 21.10.2020, 14:57

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