DFB-Präsident Neuberger - Allianz mit dem Tod

Sieg unter Folter - die WM 1978 in Argentinien Sportschau 12.12.2019 28:08 Min. Verfügbar bis 12.12.2020 Das Erste

WM 1978 in Argentinien

DFB-Präsident Neuberger - Allianz mit dem Tod

Der ehemalige DFB-Präsident Hermann Neuberger wäre am 12. Dezember 100 Jahre alt geworden. In Feierlaune ist deshalb niemand. Neuberger hat das dunkelste Kapitel in der Nachkriegsgeschichte des Fußball-Verbandes zu verantworten.

Die Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien ist die bis heute umstrittenste in der Geschichte des Fußballs. Seit 1976 wurde das Land von einer Militärdiktatur unter General Jorge Rafael Videla regiert, Folterungen und Morde an Regimegegnern  waren an der Tagesordnung. Heute geht man von bis zu 30.000 Todesopfern aus. Viele wurden nie gefunden.

Hinweise auf das all das gab es schon vor der WM, und auch in Deutschland gab es Stimmen, das Turnier in Südamerika zu boykottieren. Im Keim erstickt wurde die Kritik von Neuberger. Der war damals Vorsitzender der Organisationskommission beim Weltverband FIFA und für die WM 1978 zuständig. Doch er war eine unheilige Allianz mit Videla eingegangen.

Dank für Unterstüzung für WM in Deutschland

Die Argentinier hatten sich vor der Vergabe der WM 1974 stark für die Bundesrepublik eingesetzt. Deshalb unterstützte Neuberger das Land vor und bei der WM 1978. Von Seiten des DFB gab es keinerlei Kritik an Argentiniens Regime. Im Gegenteil: Die Verbrechen der Militärjunta wurden verharmlost und totgeschwiegen. Von Folter und Morden wollte Neuberger nichts wissen.

Er soll sogar den ehemaligen Fliegeroffizier und nationalsozialistischen Propagandisten Hans-Ulrich Rudel ins Trainingsquartier der deutschen Nationalmannschaft in Ascochinga eingeladen haben. Applaus gab es dafür von Seiten der rechtsextremen Presse.

Wirken überschattet

Das alles überschattet bis heute das Wirken Neubergers für den deutschen Fußball. Der sorgte während seiner Amtszeit von 1975 bis 1992 vor allem für die Professionalisierung des Fußballs. In seine Amtszeit fielen der Gewinn der Europameisterschaft 1980 sowie der Weltmeistertitel 1990 in Italien.

Heute sind sich alle einig, dass der DFB sich hätte einmischen müssen. Besser machten es die Niederländer und sogar der argentinische Weltmeistertrainer Cesar Luis Menotti. Die verweigerten nach dem Finale Videla den Handschlag. Von Neuberger hagelte es dafür Kritik. Der Verbrecher Videla, der später zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, wurde dagegen bis zum Schluss von Neuberger hoffiert.

vdv | Stand: 12.12.2019, 11:45

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