Nasser Al-Khelaifi - Katars mächtige Stimme in der UEFA

Nasser Al Khelaifi

Präsident von PSG

Nasser Al-Khelaifi - Katars mächtige Stimme in der UEFA

Von Marcus Bark

Mit Nasser Al-Khelaifi wird die sportpoltische Großmacht Katar künftig eine Stimme im Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbandes haben. Der Präsident von Paris Saint-Germain setzt seinen steilen Weg nach oben fort - und damit den des isolierten Emirats am Persischen Golf.

Etwa dreieinhalb Stunden hat die UEFA für ihren 43. Ordentlichen Kongress angesetzt. Die Tagesordnung ist übersichtlich. Der wichtigste Punkt, die Wahl des Präsidenten, dürfte kaum Zeit kosten. Aleksander Ceferin führt den europäischen Fußballverband seit September 2016, er wird das auch in den kommenden vier Jahren tun.

Als Formsache gilt auch die "Bestätigung eines neuen Vertreters der Europäischen Klubvereinigung (ECA) im UEFA-Exekutivkomitee". Die ECA wählte Nasser Al-Khelaifi (Foto) aus, den Präsidenten von Paris Saint-Germain.

Wie das Executive Board, führendes Gremium der einflussreichen Klubvereinigung, abstimmte, bleibt offen. Auf entsprechende Anfragen der Sportschau per Mail und Telefon gab es bis Mittwoch (06.02.19, 15.30 Uhr) keine Rückmeldung.

Sollte es nicht zu einem sportpolitischen Beben kommen, wird Al-Khelaifi am Donnerstag beim Kongress in Rom als erster Nicht-Europäer in das Exekutivkomitee des europäischen Verbandes rücken. Das ist ein weiterer Meilenstein für Katar, dem kleinen Land am Persischen Golf, das zu einem ganz großen Player im Sport und vor allem im Fußball geworden ist.

Nummer 995 bei der ATP

Dazu trug der Vorsitzende des katarischen Tennis-Verbandes erheblich bei. Auch diesen Posten bekleidet Multifunktionär Al-Khelaifi. Es erklärt sich aus der Vita des Mannes, der 1973 in Doha geboren wurde. Al-Khelaifi spielte selbst Tennis, auch im Davis Cup. Sein bester Platz im Ranking der ATP war der 995.

Das war sehr bescheiden für jemanden, der in seinem späteren Leben immer mehr in die erste Reihe rückte, ohne viel von sich preiszugeben.

Katar ist am Persischen Golf nahezu isoliert. Gerade die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien sind dem Emirat mit weniger als drei Millionen Einwohnern feindschaftlich verbunden, bezichtigen es der Finanzierung von Terror. Umso wichtiger sind für Katar die Verflechtungen mit dem wirtschaftlich starken Rest der Welt.

Champions League ist Wimbledon

Nasser Al Khelaifi mit Thomas Tuchel

Al-Khelaifi mit Thomas Tuchel, dem deutschen Trainer von PSG, beim Tennisturnier in Doha.

Nasser Al-Khelaifi spielt dabei eine wichtige Rolle. Er ist prominent im Organisationskomitee für die Fußball-WM 2022 vertreten. Er ist Vorstandschef der "beIN Media Group", die über umfangreiche und sehr wertvolle Sportrechte verfügt. Er ist Vorstandschef von "Qatar Sports Investments" (QSI), einem Teil des Geflechts im katatarischen Staatsfonds. Das QSI ist seit 2012 vollständiger Eigentümer von Paris Saint-Germain. Der Klub ist seitdem sechs Mal französischer Meister geworden, er wird es auch 2019 wieder werden.

Aber die Ligue 1 ist für Al-Khelaifi - und damit für Katar - nur ein Sandplatzturnier mit dauernden Regenunterbrechungen, die Champions League ist Wimbledon. Daher wurden Hunderte Millionen Euro in den Klub gesteckt, allein 222 Millionen in Neymar. Ob das mit dem Financial Fairplay vereinbar ist, prüft die UEFA. In den "Football Leaks" finden sich Hinweise, dass PSG gegen das Reglement verstoßen hat.

Im Ausschuss für Financial Fairplay

Dessen Präsident Al-Khelaifi sitzt bei der ECA in dem Ausschuss, der sich mit dem Financial Fairplay beschäftigt. Künftig wird er an noch einflussreicherer Stelle sitzen. Das missfiel etwa Javier Tebas, dem Chef der spanischen Liga: "Die Wahl muss zurückgewiesen werden, weil sie alle vernünftigen Regeln der Führung verletzt."

Handfeste juristische Probleme hat Al-Khelaifi in der Schweiz. Die dortige Bundesanwaltschaft bestätigte auf Anfrage der Sportschau, dass weiter in einem im März 2017 eröffneten Strafverfahren gegen den Geschäftsmann aus Katar ermittelt wird. Ihm wird "Bestechung von Privaten" vorgeworfen.

Al-Khelaifi, der die Vorwürfe bestreitet, soll dem ehemaligen FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke "nicht gebührende Vorteile" gewährt haben. Es geht um den Verkauf von Medienrechten an den Fußball-Weltmeisterschaften 2026 und 2030. Valcke wurde 2016 von der FIFA entlassen und später für zehn Jahre von allen Aktivitäten im Fußball gesperrt. Seine nachgewiesenen Verfehlungen sind einem Urteil des Sportgerichtshofs CAS zu entnehmen.

Das zweifelhafte Finanzgebaren bei PSG und das Verfahren in der Schweiz sind für Reinhard Grindel kein Grund, Al-Khelaifis Berufung in das Exekutivkomitee der UEFA zu kritisieren. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes entwickelte diese Logik: "Mit der Funktion im Exko wird Al-Khelaifi noch stärker in das Regelwerk der UEFA eingebunden sein. Damit steigt auch seine Verantwortung, sich generell und natürlich besonders in seinem Verein für die Einhaltung des Financial Fair Play einzusetzen."

Stand: 06.02.2019, 15:36

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