"Superclasico" - Fußball aus einer anderen Welt

Juan Quintero (River Plate) beim Tor zum 2:1

River Plate gegen Boca Juniors

"Superclasico" - Fußball aus einer anderen Welt

Von Marco Schyns

Der viel beachtete "Superclasico" zwischen River Plate und Boca Juniors hat gehalten, was er versprochen hat. Es war ein dramatisches und emotionales Endspiel, taktisch aber kein Vergleich zu Europa.

Es läuft die 114. Minute im Finale der Copa Libertadores zwischen River Plate und den Boca Juniors. Bei einem Eckball für Boca kommt der 1,93 Meter große Torhüter Esteban Andrada mit nach vorne - obwohl noch gut sechs Minuten zu spielen sind. Dass der Keeper dann, nachdem der Eckball zunächst geklärt wird und Boca den zweiten Ball erobert, vorne bleibt und sich als elfter Feldspieler gegen die drohende Niederlage stemmt, dürfte für viele europäische Zuschauer noch kurioser gewesen sein.

Es ist nicht das letzte Mal, dass Andrade an diesem denkwürdigen Sonntagabend (09.12.2018) in Madrid seinem Team in der Offensive helfen will. Sein letzter Ausflug aber, als Boca nach einem abgefälschten Pfostenschuss in der 120. Minute noch eine Chance per Eckball bekommt, endet im 3:1 für River Plate. Gonzalo Martinez kann nach einem 70-Meter-Sprint ins leere Tor einschieben. Ekstase pur bei den Fans der "Millionarios". Hängende Köpfe bei Boca.

Große Aufmerksamkeit

Der "Superclasico", wie Duelle zwischen River Plate und Boca genannt werden, hatte Fußballfans seit Wochen beschäftigt. Nach dem Angriff auf den Bus der Boca Juniors vor dem Rückspiel in Buenos Aires und der Verlegung der Partie nach Madrid, der Stadt mit der größten argentinischen Community in Europa, hatte das Duell nochmal an Aufmerksamkeit gewonnen. Die europäischen Fans konnten hautnah erleben, warum es als brisantestes Derby der Welt gilt.

Beide Fanlager machten über 120 Minuten Alarm. Trotz kleinerer Vorfälle blieben Ausschreitungen in der Stadt aber aus. Auch im Stadion sollte diesmal alles friedlich verlaufen.

Das größte Spiel der Geschichte

Das größte Spiel in der Geschichte beider Klubs hat gehalten, was es versprochen hat. Es war ein intensives, hochemotionales und dramatisches Endspiel um die südamerikanische Champions League, auch wenn es qualitativ und taktisch nicht mit dem europäischen Fußball zu vergleichen ist.

Während River Plate zeitweise gutes Kombinationsspiel zeigte, war Boca vor allem auf Zerstörung der gegnerischen Angriffe und eigene Konter bedacht. Die Abwehrreihen beider Teams leisteten sich haarsträubende Fehler im Stellungsspiel und nach nahezu jedem Foul kam es zur in Argentinien fast üblichen "Rudelbildung" um den Schiedsrichter.

Sehenswerte Treffer auf beiden Seiten

Je länger das Spiel dauerte, desto rauer wurde es. Vier Gelbe und eine Gelb-Rote Karte wurden nach der 80. Minute ausgesprochen. Dafür war der Spielfluss nie höher als in der zweiten Hälfte der Verlängerung. Ein Mittelfeld war quasi nicht mehr existent, es ging nur noch hin und her. Umso überraschender war es, dass "nur" vier Treffer fielen. Diese aber waren durchaus sehenswert.

Esteban Andrada

Esteban Andrada

Lucas Prattos Ausgleich inder 68. Minute war wunderschön herausgespielt von River Plate, nachdem Nahitan Nandez mit einem Traumpass in der 44. Minute die Führung für Boca durch Dario Benedetto einleitete. Das 2:1 von Kolumbiens Nationalspieler Juan Quintero, bei dem er den Ball ansatzlos aus 18 Metern rechts oben an die Unterkante der Latte schoss, gehört in die Kategorie "Traumtor".

Es hätte zum Abend gepasst, wenn Bocas Torhüter Andrada, der zwischenzeitlich auch mal zwei River-Spieler ausspielte und ins Mittelfeld lief, um den Ball nach vorne zu passen, am Ende noch den Ausgleich erzielt hätte. Es gab so manche kuriosen, aber auch viele wunderschöne Szenen in einem Jahrhundertspiel für die Argentinier, dass für europäische Fans wie Fußball aus einer anderen Welt war.

Stand: 10.12.2018, 11:35

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