Fekir zu Real Betis - ein Wechsel, der Fragen aufwirft

Nabil Fekir

Von Lyon nach Sevilla

Fekir zu Real Betis - ein Wechsel, der Fragen aufwirft

Von Marco Schyns

Es ist die größte Transfer-Überraschung des Sommers: Nabil Fekir, Weltmeister und Star von Olympique Lyon, wechselt für weniger als ein Drittel seines Marktwertes zu Real Betis Sevilla. Die Frage ist: warum?

Eigentlich scheint alles klar zu sein im Juni 2018: Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in Russland ist sich Nabil Fekir einig mit dem FC Liverpool über einen Wechsel. Auch sein Klub Olympique Lyon soll die Ablöse von rund 65 Millionen Euro akzeptiert haben. Dann der Rückzieher: Die Franzosen erklären, die Verhandlungen beendet zu haben - Fekir soll auch kommende Saison in Lyon spielen. Genauso kommt es.

Und Fekir macht dort weiter, wo er in der Vorsaison aufgehört hatte: In insgesamt 39 Pflichtspielen erzielt er in der Spielzeit 2018/19 zwölf Tore und bereitet neun weitere Treffer vor. Als hängende Spitze ist er Dreh- und Angelpunkt in Lyons Offensivspiel - und zugleich der gefährlichste Angreifer bei den Franzosen in den vergangenen Jahren.

Zahlreiche Top-Klubs zeigen Interesse

193 Spiele absolvierte Fekir für "OL", 69 Tore und 46 Torvorlagen sind eine beeindruckende Quote. Kein Wunder also, dass sich zahlreiche Top-Klubs immer wieder um ihn bemühen. Neben Liverpool sollen das auch Manchester United, Juventus Turin, Paris St. Germain und sogar der FC Bayern München gewesen sein. Zuletzt war der SSC Neapel ein heißer Kandidat.

Am 22. Juli 2019 verkündet Real Betis Sevilla dann die Sensation: Die Andalusier verpflichten Fekir für eine Ablösesumme von 19,75 Millionen Euro, zuzüglich möglicher Bonuszahlungen von weiteren zehn Millionen Euro. Ex-Klub Lyon soll außerdem mit 20 Prozent an einem möglichen Weiterverkauf beteiligt werden.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Ablöse ein Drittel vom Marktwert

Für die Franzosen war dieser Sommer die letzte Chance, noch eine angemessene Ablöse für Fekir zu kassieren. Der Vertrag des 26-Jährigen wäre im kommenden Sommer ausgelaufen. Seinen Wechselwunsch hatte er nach der abgelaufenen Saison erneut geäußert. Trotz dieser Umstände ist Fekir zu diesem Preis ein wahres Schnäppchen. Sein Marktwert wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt, Betis zahlt nicht einmal ein Drittel davon - je nach Bonuszahlungen maximal knapp die Hälfte.

Sollte Fekir seine Form in Spanien beibehalten und auch in der Primera Division überzeugen, könnte der Deal für Real Betis noch besser werden. In einem immer verrückter werdenden Transfermarkt dürfte ein treffsicherer, offensiver Mitteldspieler im besten Alter eben mindestens jene 60 Millionen Euro einbringen.

Warum geht Fekir diesen Schritt?

Aber die Tatsache, dass ein begehrter Fußballspieler im besten Alter und hervorragender Vertragssituation zu einem Klub wechselt, der im vergangenen Jahr in der spanischen Liga Zehnter wurde und nicht im Europapokal vertreten ist (mit Lyon hätte Fekir womöglich Champions League gespielt), wirft Fragen auf.

Eine Theorie ist sein Gesundheitszustand. Seit sich Fekir im September 2015 das Kreuzband im rechten Knie gerissen hatte, fiel er immer wieder für einige Spiele aus. Der Spieler selbst weist Gerüchte über ein lädiertes Knie zwar zurück, aber schon im Zuge des Wechsel-Theaters 2018 gab es das Gerücht, Fekir habe den Medizincheck in Liverpool nicht bestanden.

Auch der kleine Bruder wechselt nach Sevilla

Eine zweite Theorie bringt die spanische Zeitung "AS" nun ins Spiel: Der Weltmeister soll sich vor allem deshalb für Sevilla entschieden haben, weil ihm die Spanier zugesichert haben, auch seinen kleinen Bruder Yassin unter Vertrag zu nehmen. Das sei Bedingung von Vater Mohamed gewesen, der Berater seiner Söhne ist.

Yassin (22 Jahre) ist Außenstürmer und folgte seinem Bruder 2015 zu Lyon, wo er in der Vorsaison auf genau 21 Minuten Einsatzzeit bei den Profis kam. Tatsächlich haben die Andalusier auch Yassin verpflichtet. Dass man offenbar plant, den 22-Jährigen direkt weiterzuverleihen an einen spanischen Zweitligisten, sei weder für Vater Mohamed noch für Bruder Nabil ein Problem.

Lyon verabschiedet Fekir mit emotionalem Video

Auch im Fall von Yassin würde Lyon bei einem Weiterverkauf mitverdienen - in dessen Fall sogar zu 50 Prozent. Der Klub, bei dem Fekir 2011 als damals 18-Jähriger in der zweiten Mannschaft anheuerte und zwei Jahre später zum Profi wurde, dankte dem Ex-Kapitän via Twitter mit einem emotionalen Video: "Merci, Nabil Fekir 18".

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Mit dabei in seinen Highlights: Ein Treffer aus 50 Metern gegen Girondins Bordeaux im August 2017. In Sevilla freuen sie sich schon auf solche Aktionen von ihrem neuen Superstar - und womöglich auch schon auf einen Geldregen im nächsten oder übernächsten Sommer.

Joao Felix im Kreis der Super-Transfers - die Rekordtransfers Sportschau 05.07.2019 00:38 Min. Verfügbar bis 05.07.2020 Das Erste

Stand: 24.07.2019, 08:30

Darstellung: