Mesut Özil und Fenerbahce - Träume, die wahr werden könnten

Mesut Özil

Beim FC Arsenal ohne Perspektive

Mesut Özil und Fenerbahce - Träume, die wahr werden könnten

Von Tim Beyer

Fußball hat Mesut Özil lange nicht gespielt. Dafür postet er fleißig auf Instagram und manchmal wünscht er sich dabei nach Istanbul. Beim Klub Fenerbahce träumen sie schon lange von Özil, das könnte passen.

Vor einigen Tagen hat Mesut Özil ein Foto bei Instagram gepostet, es zeigt ihn in Denkerpose und ist überhaupt nicht ganz frei von Pathos. Özil steht am Ufer des Bosporus in Istanbul, die Hände vor der Brust verkreuzt, der Blick geht in die Ferne. "Diese Stadt", schreibt Özil - versehen hat er das Bild mit dem Hashtag "#throwback". Man kann das mit Rückblick übersetzen, aber auch mit Rückkehr.

Der 32-jährige Fußballer Özil galt viele Jahre als einer der besten seiner Zeit. Er ist mit Deutschland Weltmeister geworden, bei Real Madrid schwärmen sie noch heute von seinen Pässen. Auch in London, wo Özil beim FC Arsenal unter Vertrag steht, hat er Fans begeistert. Doch zuletzt war es ruhig geworden um ihn. Mikel Arteta, der Trainer des FC Arsenal, hat für ihn keine Verwendung, über die Gründe ist viel spekuliert und auch geschrieben worden. Für die Premier League und die Champions League hat der Klub Özil nicht einmal gemeldet.

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Wenn man die Karriere von Mesut Özil als einen Weg beschreiben möchte, dann ist er lange Autobahn gefahren, linke Spur. Irgendwann jedoch hat Özil eine Ausfahrt genommen, dann noch eine, man hat das gar nicht sofort gemerkt. Nun steckt er in einer Sackgasse fest, das Tempo ist raus, jeder Ausweg willkommen.

Man kann sich deshalb schon fragen, ob Özil auf Instagram mit seinen 23 Millionen Followern nicht vielleicht doch mehr als nur eine Erinnerung an die Stadt Istanbul geteilt hat?

Fenerbahce: Großer Name, große Probleme

Am Mittwoch (06.01.2021) jedenfalls vermeldete die türkische Nachrichtenagentur "DHA", dass sich Özil mit dem Klub Fenerbahce über einen Wechsel im Winter einig sei. Was für ein Timing. Özil, so berichteten es bald auch weitere Medien, solle einen Vertrag bis 2024 unterschreiben und ein Jahresgehalt von fünf Millionen Euro erhalten.

"Wir fangen jetzt erst an, uns die Optionen mit allen Zahlen und Details anzusehen", sagte allerdings Özils Berater Erkut Sögüt bei ESPN. "Wenn wir im Januar gehen wollen, muss ich mit Arsenal sprechen. In den nächsten sieben bis zehn Tagen wird es etwas klarer sein, denn jetzt, wo das Transferfenster offen ist, können die Dinge schneller gehen."

Darauf hoffen sie auch bei Fenerbahce, immerhin 19-maliger Meister und lange eine ganz große Nummer im türkischen Fußball. Gerade hat der Klub allerdings wenig meisterliche Sorgen. In der vergangenen Saison wurde man lediglich Siebter und verpasste die europäischen Wettbewerbe, derzeit ist man immerhin Zweiter. Schulden hat der Klub allerdings auch, die Rede ist von der schwindelerregenden Zahl von 350 Millionen Euro.

Einen wie Özil haben sie bei "Fener" nicht

Der Özil-Transfer wäre sportlich eine Bereicherung für den kriselnden Verein, könnte aber finanziell wohl nur mit Hilfe von Sponsoren dargestellt werden. Scheitern würde er daran eher nicht, schließlich gilt der Präsident Ali Koc als Bewunderer von Özils Fußballkunst. Und Koc hat einflussreiche Freunde, etwa den TV-Produzenten Acun Ilicali. Der "Kicker" zitiert Ilicali in seiner Donnerstags-Ausgabe so: "Mesut im Fener-Trikot? Was kann man als Liebhaber mehr erwarten?"

Für alle, die es mit Fenerbahce halten, sind das gute Nachrichten. Der Trainer Erol Bulut (45) übt dort schon jetzt mit einigen wirklich guten Fußballern, etwa dem Argentinier José Sosa, früher mal beim FC Bayern unter Vertrag, oder Diego Perotti, im Sommer von der AS Roma verpflichtet. Doch ein Spielmacher von Özils Klasse ist nicht darunter. Sein Transfer wäre auch ein Zeichen an die Konkurrenz, dass mit "Fener", zuletzt 2013/14 Meister, wieder zu rechnen ist.

Aussicht auf Champions-League-Einsätze

Özil hingegen erhielte bei Fenerbahce die Möglichkeit, das Leben in Istanbul mit dem zu verknüpfen, was ihm in London seit fast einem Jahr verwehrt wird, nämlich dem Fußballspielen. Natürlich ist das Niveau in der türkischen Süper Lig nicht mit dem der Premier League zu vergleichen, doch die Frage ist ja, ob es gerade Vereine aus den Top-5-Ligen gibt, die Özil zu seinen Konditionen unter Vertrag nehmen würden? Womöglich ist die Aussicht auf Champions-League-Einsätze mit "Fener" da gar keine so schlechte.

Özil und Erdogan - da war ja was

Fenerbahce und Özil, das könnte eine Verbindung werden, von der beide Seiten profitieren. Doch gerade ist da eben auch noch viel Konjunktiv. In Istanbuls Medien wird derweil schon über Özils künftigen Wohnort spekuliert. Vielleicht ja in der direkten Nachbarschaft des umstrittenen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, schließlich war der mal Özils Trautzeuge. Fan von Fenerbahce ist Erdogan offenbar auch noch. Der Präsident besitzt demnach im Stadtteil Kisikli auf der asiatischen Seite Istanbuls eine Villa, bis zum Stadion von Fenerbahce sind es nur gut 15 Autominuten. Auch Özil soll dort ein Haus bauen, schreibt die Nachrichtenagentur "DHA".

Womöglich gibt es bald also wieder Fotos von Özil und Erdogan, so wie in den Tagen vor der WM 2018. In Deutschland hatte das damals für Diskussionen gesorgt. Özil war kritisiert worden, es war eine Debatte voller Opportunismus, leider nicht frei von Rassismus. Nach dem Vorrunden-Aus trat Özil bald aus der Nationalmannschaft zurück. Für viele Fans von Fenerbahce hingegen wären Fotos, auf denen der Spielmacher Özil an der Seite des Staatspräsidenten Erdogan zu sehen ist, womöglich eher ein Grund zur Freude.

Stand: 08.01.2021, 11:55

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