Messi und Pep - Dankbarkeit mit Folgen?

Barcelonas Lionel Messi (L) und Manchester Citys Trainer Pep Guardiola

Für "Leo" erfand Guardiola die "falsche Neun"

Messi und Pep - Dankbarkeit mit Folgen?

Von Christian Hornung

Es gibt auf der Welt nur ganz wenige Klubs, die sich die Verpflichtung von Lionel Messi leisten könnten. Manchester City gilt derzeit als Favorit - und hätte in Person des Trainers ein gewichtiges Argument zu bieten.

Es sieht fast schon nach Absicht aus. Der neue Barca-Coach Ronald Koeman hat die Entscheidung, dass sich der Klub von Luis Suárez trennen solle, getroffen, ohne vorher mit Lionel Messi gesprochen zu haben. Suárez harmonierte aber mit Messi prächtig, beide gönnten sich sichtlich jeden Treffer, und der Uruguayer gilt im Team der Katalanen als bester Freund des Argentiniers. Das weiß Koeman natürlich.

Noch dazu soll der Niederländer nach Angaben des argentinischen Sportsenders "TyC Sports", der neben "Fox Sports Argentina" als Erster über Messis Kündigungs-Fax berichtet hatte, die Sonderstellung des sechsmaligen Weltfußballers in Frage gestellt haben. All das legt die Vermutung sehr nahe, dass Koeman Messis Fluchtgedanken zumindest billigend in Kauf genommen hat - vielleicht hat dieser Trainer die Zukunft des FC Barcelona betreffend ganz eigene Pläne und möchte selbst für eine neue Ära stehen. Eine Ära ohne Messi.

Guardiola auf ewig dankbar

Bei Pep Guardiola wäre so ein Vorgehen nicht denkbar. Zwischen 2008 und 2012 haben die beiden in Barcelona ein Verhältnis gepflegt, über das beide im Nachhinein immer wieder in den höchsten Tönen geschwärmt haben. "Leo ist der einzige Fußballer auf der Welt, der schneller mit dem Ball rennt als ohne Ball", hat der jetzige City-Coach beispielsweise gesagt.

Manchester Citys Trainer Pep Guardiola

Großer Förderer von Lionel Messi: Manchester Citys Trainer Pep Guardiola

Und Messi huldigt Guardiola im Nachhinein in einem Interview: "Als Pep kam, hatten wir zwei Jahre keinen Titel gewonnen. Mit ihm kam der Erfolg zurück, er versteht den Fußball wie kein anderer. Für ihn haben wir alle viel härter als zuvor gearbeitet. Und er hat für mich die Position geschaffen, auf der ich dem Team am besten helfen konnte."

Die "falsche Neun" perfektioniert

Diese Position ist die "falsche Neun". Messi perfektionierte diesen Zwitterjob zwischen einziger zentraler Spitze und vorgerücktem Zehner, es hat in all den Jahren niemand ein wirksames Gegenmittel gefunden.

Das Portal "spielverlagerung.de" bschreibt das Dilemma der Verteidiger gegen "La Pulga" so: "Folgen die Verteidiger der Falschen 9, so entblößen sie ihre Defensive. Halten sie ihre Position, haben sie niemanden zu decken – was auch psychisch beeinträchtigen kann – und der Gegner an anderen Orten eine Überzahl, häufig im Mittelfeld. Wie effektiv und schwer zu verteidigen eine Falsche 9 ist, zeigt Lionel Messi beim FC Barcelona."

Tausch mit Gabriel Jesus?

Dass Guardiola ein Fan dieser Anordnung seiner Offensive ist, hat er auch bei City bewiesen: Kun Agüero, oder auch Gabriel Jesus, sind keine vorne abwartenden Stürmer, sie sind viel in Bewegung, lassen sich zurückfallen, weichen aus. Dazu passt die aktuelle Spekulation britischer Medien, dass Jesus vor einem Wechsel zu Barcelona stünde. Das könnte den Weg für Messi begünstigen, da auch Jesus eine hohe Ablöse kosten würde.

Die beiden weiteren Kandidaten, bei denen Messi gehandelt wird, haben keinen Guardiola zu bieten. Sie haben Thomas Tuchel zu bieten und Antonio Conte. Wobei es bei Inter Mailand eher den Plan gegeben haben soll, einen Messi-Coup erst für den kommenden Sommer vorzubereiten - um Ablöse zu sparen. Die festgeschriebene Summe liegt bei utopischen 700 Millionen Euro, aber derzeit ist völlig offen, ob Messis eigentlich zu späte Kündigung wegen Corona doch noch greift - oder ob Barcelona die Ablöse tatsächlich in voller Höhe aufrufen wird.

Dreiersturm mit Mbappé und Neymar?

Dass hohe Geldsummen bei Paris St. Germain nicht automatisch zu Abwehrreaktionen führen, ist seit den Verpflichtungen von Neymar und Kylian Mbappé bekannt. Aber zumindest auf dem Papier gibt es immer noch diese Regularien zum Financial Fairplay - deshalb klingt ein Dreiersturm mit Mbappé, Neymar und Messi zwar sportlich traumhaft, könnte dann aber vielleicht doch von der UEFA sanktioniert werden. Was dann der Internationale Sportsgerichthof CAS damit anstellt, ist reine Spekulation.

"Messi, bleib!" - Barca-Fans beziehen Stellung Sportschau 26.08.2020 00:43 Min. Verfügbar bis 26.08.2021 Das Erste

Stand: 27.08.2020, 08:00

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