Zweifel statt Vorfreude in Old Trafford

Jose Mourinho

Manchester United vor dem Saisonauftakt

Zweifel statt Vorfreude in Old Trafford

Von Christian Mixa

Wunsch-Transfers geplatzt, Klub-Legenden lästern und die Fans sammeln Geld für den Rauswurf von José Mourinho: Bei Manchester United ist vor dem Saisonauftakt in der Premier League von Vorfreude wenig zu spüren.

Es ist sicher nicht die Schuld von Lee Grant, dass sein Wechsel in diesem Sommer etwas unterging. Der Torwart aus Stoke unterschrieb Anfang Juli einen neuen Vertrag bei Manchester United. Dies sorgte auf der Insel für wenig Aufsehen. Zum einen feierte England gerade den historischen Sieg in einem WM-Elfmeterschießen gegen Kolumbien. Zum anderen ist Grant in Manchester nominell nur als dritter Torwart vorgesehen.

Allerdings konnte zu diesem Zeitpunkt kaum jemand ahnen, dass der Ersatzkeeper der letzte United-Einkauf des Sommers werden sollte. Am Donnerstagabend (09.08.2018), 24 Stunden vor dem ersten Spiel der neuen Saison, schloss sich in England das Transferfenster. Manch andere Klubs der steinreichen Premier League schlugen deshalb noch schnell vor Ladenschluss zu. Bei United dagegen, seit Jahren als umsatzstärkster Klub der Welt geführt, fiel das große Last-Minute-Shopping aus.

Wohl sehr zum Verdruss von Trainer José Mourinho, der in den vergangenen Wochen mehrfach den Wunsch nach neuen Spielern geäußert hatte. Unter anderem im klubeigenen TV-Kanal. Die Konkurrenten im Titelrennen, hätten "massiv investiert - oder haben bereits fantastische Teams", so Mourinho, der die vergangene Saison mit United zwar als Tabellenzweiter abschloss, aber mit 19 Punkten Rückstand auf den Meister und Stadtrivalen City. "Wir brauchen Verstärkungen", so Mourinho. Anderenfalls prophezeite er "eine schwierige Saison".

Alderweireld, Boateng, Godin - alle Wunschkandidaten sagten ab

Zwar konnte United sich schon früh die Dienste des umworbenen brasilianischen Mittelfelddribblers Fred sichern. Auch prominente Abgänge sind bislang ausgeblieben, Paul Pogba, angeblich auf dem Absprung in Richtung Barcelona, soll nach Mourinhos Aussage bleiben. Doch der Coach wünschte sich vor allem Verstärkungen für die Defensive, konkret für die Abwehrzentrale. Dafür soll er sogar bereit gewesen sein, Klub-Juwel Anthony Martial zu verkaufen, um etwa die von Real Madrid aufgerufenen 100 Millionen Euro für Raphael Varane zu stemmen.

Doch von Mourinhos Favoriten, Diego Godin, Toby Alderweireld oder zuletzt Jérôme Boateng, sagte einer nach dem anderen ab. Oder Mourinho blitzte bei Vizepräsident Ed Woodward ab, wie im Fall von Harry Maguire, einem weiteren Wunschkandidaten, der United wohl mindestens 50 Millionen Pfund gekostet hätte, aber nach Ansicht der Chefetage nicht unbedingt mehr Qualität gebracht hätte als Spieler, die bereits im Kader sind. Mourinho, mutmaßte der "Guardian", müsse sich deshalb nun fühlen wie ein verwöhntes Kind, dem man auf einmal keine Wünsche mehr erfüllt: "Stellen sie sich Spielsachen vor, die aus dem Bett fliegen, und Heulen vorm Schlafengehen."

Scholes lästert, Fans wollen Mourinhos Rauswurf

Ohnehin verfolgen die Klubbesitzer, so berichten englische Medien, Mourinhos Einkaufspolitik schon länger mit Argwohn, sie vermissen vor allem eine längerfristige Strategie. Das ständige Nörgeln am eigenen Team, dem Mourinho quasi seit seiner Ankunft vor zwei Jahren die Wettbewerbsfähigkeit fürs Titelrennen abspricht, dürfte den zahlreichen Kritikern des portugiesischen Startrainers weiteren Rückenwind geben. "Es sieht nicht so aus, als hätten die Spieler Spaß mit dieser Art des Fußballs. Den hätte ich auch nicht", sagte United-Legende Paul Scholes vor dem Saisonbeginn.

Dass ihm die Spieler nicht ausreichten, sei "eine Lüge", antwortete Mourinho nun vor dem Saisonauftakt gegen Leicester am Freitagabend und insistierte, er freue sich auf die neue Saison. Dennoch dürfte er sich in Old Trafford mehr und mehr vorkommen wie eine unerwünschte Person. Auch viele Fans scheinen genug zu haben vom Chef-Zyniker auf der Trainerbank. Auf einer britischen Crowdfunding-Plattform ist gerade die Petition "Mourinho Out" angelaufen. United-Fans wollen sich zusammentun und zwölf Millionen Pfund sammeln - dies ist exakt die vertraglich festgelegte Abfindung, die der Klub bei einem vorzeitigen Rauswurf an Mourinho zahlen müsste.

Stand: 10.08.2018, 11:30

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