Premier League - Nachwuchsspieler ohne Perspektive?

Phil Foden in der Champions League 2017/18

Premier League

Premier League - Nachwuchsspieler ohne Perspektive?

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Nachwuchsspieler haben es immer schwerer, in der englischen Premier League Fuß zu fassen. Internationale Superstars versperren den Talenten aus der eigenen Jugendabteilung den Weg - wie zahlreiche Beispiele zeigen.

Als Manchester City am 15. April als englischer Meister feststand und Kapitän Vincent Kompany eine spontane Feier in einem Pub organisierte, hatte das jüngste Mitglied der Mannschaft Wichtigeres zu tun.

Wie viele seiner Kollegen hatte Phil Foden nicht damit gerechnet, dass Verfolger Manchester United gegen den Tabellenletzten West Bromwich Albion verlieren und City vier Spieltage vor dem Ende der Saison ohne eigenes Zutun zum neuen Titelträger machen würde. Als es dann doch so kam, konnte er von seiner Verabredung für den Abend nicht mehr zurücktreten. Foden sagte Kompany ab und ging mit seinem Vater angeln. So haben es englische Medien berichtet.

"Einer von uns"

Allerdings dürfte der 18 Jahre alte Mittelfeldspieler noch die eine oder andere Trophäe feiern können in seiner Karriere. Er gilt als größte englische Nachwuchshoffnung. Im Oktober führte er die U17 in Indien zum WM-Titel und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Wenig später debütierte er bei Manchester Citys Profis und kam danach immer wieder sporadisch zum Einsatz. In diesem Sommer überzeugte er bei der US-Tour seines Klubs und beim 2:0-Erfolg gegen den FC Chelsea im Community Shield, dem Duell zwischen Meister und Pokalsieger.

Stadion und Logo von Manchester City

Stadion und Logo von Manchester City

Foden gilt als einer der Lieblingsschüler von Trainer Pep Guardiola und genießt trotz seines jungen Alters hohes Ansehen bei den Kollegen. "Er ist ein toller Spieler und hat eine großartige Einstellung. Er will immer dazu lernen", lobt Citys Verteidiger Kyle Walker. Für die Fans ist er "einer von uns". "He's one of our own", singen sie, wenn er den Platz betritt. Foden kommt aus Stockport südlich von Manchester und hat bei City alle Jugendmannschaften durchlaufen. In einem Fußball-Unternehmen mit Besitzern aus Abu Dhabi, einem Trainer aus Katalonien und Spielern aus aller Welt ist er die Verbindung zur lokalen Basis.

600 Millionen Euro für neues Personal

Allerdings kommt er kaum zum Einsatz. Zu hoch ist der Erfolgsdruck bei dem Klub, und zu groß sind die Möglichkeiten. Manchester City hat unter Guardiola angeblich schon mehr als 600 Millionen Euro in neues Personal investiert und ist nicht auf Spieler aus eigener Produktion angewiesen.

Foden konkurriert im Mittelfeld mit Profis wie Kevin de Bruyne (im Moment verletzt), David Silva und Ilkay Gündogan. In dieser Saison absolvierte er in der Liga erst acht Minuten. Auch bei Citys Start in die Champions League an diesem Mittwoch (19.09.2018) gegen Olympique Lyon dürfte er nur auf der Bank sitzen.

Spielpraxis im Ausland holen

Foden steht sinnbildlich für die komplizierte Situation englischer Talente. Die Premier League lebt von internationalen Superstars. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs haben in ihren Vereinen schlechte Perspektiven. Weitere Beispiele sind Ruben Loftus-Cheek, Callum Hudson-Odoi (beide Chelsea) oder Dominic Solanke (Liverpool). Reiss Nelson vom FC Arsenal und Jadon Sancho von Manchester City setzten sich nach Hoffenheim und Dortmund ab, um Spielpraxis zu sammeln. 

Für Nationaltrainer Gareth Southgate sind die mangelnden Chancen für englische Jungprofis ein Problem. Er mahnte kürzlich, dass einheimische Talente mehr Spielzeit bekommen müssten. Vorher könne er sie nicht in seine A-Auswahl berufen. Das gilt auch für die wohl größte Hoffnung - für Foden, der lieber angelt als feiert.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 19.09., ab 22.50 Uhr

Stand: 19.09.2018, 08:00

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