Macarena Sanchez - Kampf gegen Argentiniens Fußball-Machos

Macarena Sanchez

Gleichberechtigung im Fußball

Macarena Sanchez - Kampf gegen Argentiniens Fußball-Machos

Von Christian Mixa

Macarena Sanchez, Fußballerin bei Urquiza in der ersten argentinischen Liga, kämpft für Gleichberechtigung und mehr Anerkennung - und legt sich dafür mit den Fußball-Funktionären in Argentinien an.

In genau vier Monaten beginnt die Frauen-Fußballweltmeisterschaft in Frankreich (7. Juni 2019). Die Marketingabteilung der FIFA hat bereits jetzt eine erste Kampagne gestartet. Stars wie Nadine Keßler oder Lotta Schelin ("Lotta Lightning") werden darin zu Comic-Superheldinnen und wirbeln in den kommenden Monaten durch die sozialen Netzwerke, vor allem um den Frauenfußball populärer zu machen, so die FIFA-Mitteilung.

Macarena Sanchez ist nicht von der Partie - dabei taugt die Fußballerin aus Buenos Aires selbst als Superheldin, die es gerade mit sehr mächtigen Gegnern aufnimmt: mit den Funktionären ihres Klubs und des argentinischen Verbandes AFA. Und mit dem weit verbreiteten Machismo im Land.

"Betrügerische Methoden" im argentinischen Frauenfußball

Sanchez' Geschichte hat in Argentinien bereits für viel Aufmerksamkeit gesorgt, seit sie sich Mitte Januar mit einer Pressemitteilung über ihre Anwälte an die Öffentlichkeit gewandt hat. Sie hat rechtliche Schritte gegen ihren Klub, den Erstligisten Deportivo UAI Urquiza aus Buenos Aires, eingeleitet. Die 27-Jährige ist suspendiert, nachdem sie verlangt hatte, als Profifußballerin anerkannt zu werden, mit entsprechender Bezahlung und entsprechenden Rechten. Sanchez spricht in der Mitteilung von "betrügerischen Methoden", in ihrem Klub und im gesamten argentinischen Profifußball, die vor allem dem Zweck dienen, Spielerinnen den Status als Profisportlerin zu verweigern. "Die Arbeitnehmerrechte von argentinischen Fußballerinnen werden systematisch verletzt - aus dem einzigen Grund, dass sie Frauen sind."

Sanchez spielt bei einem Spitzenklub, der auch in der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League, antritt. Dennoch verdienen die Spielerinnen weniger als das Herrenteam von Urquiza, das in der dritten argentinischen Liga spielt. Sanchez bekommt 400 Pesos, umgerechnet 9 Euro im Monat als Zuschuss für Reisekosten. In anderen Erstligaklubs müssen die Spielerinnen Fahrtkosten und Ausrüstung sogar komplett selbst zahlen. Dass sie vom Fußball leben können, wie es zumindest in den großen Ligen in Nordamerika und in Europa möglich ist, ist in Argentiniens Primera Division eine Illusion.

Bessere Bezahlung und Arbeitnehmerrechte für Fußballerinnen

Organisationen wie "La Nuestra" beklagen schon länger lautstark die krasse Ungleichbehandlung im argentinischen Fußball, wie in der gesamten Arbeitswelt des Landes. Nachdem Sanchez vom "Guardian" interviewt wurde, findet sie nun auch international Gehör. Als eine weitere Stimme im Chor der Fußballerinnen, die für mehr Gleichberechtigung kämpfen.

Die Nationalspielerinnen der USA machen sich bereits länger für gleiche Bezahlung stark, und für bessere Arbeitsbedingungen in der einheimischen Profiliga, etwa das Recht auf Mutterschaftsurlaub. Dänemarks Fußballerinnen ließen im Vorjahr im Streit um mehr Prämien ein Länderspiel platzen. Der norwegische Verband hat sich inzwischen entschlossen, die Länderspielprämien für die Nationalspielerinnen anzugleichen, ist damit aber bislang immer noch einsamer Vorreiter in den großen Fußball-Nationen.

Der Argentinierin Sanchez geht es nicht nur um bessere Bezahlung und mehr Anerkennung in einem Land, in dem Fußball auch bei Frauen und Mädchen die Sportart Nummer eins ist. Sondern auch um grundlegende Rechte als Profisportlerin: medizinische Versorgung und Versicherung bei Verletzungen, sichere Anreise zu Spielen, Aufnahme in die Spielergewerkschaft.

Sanchez will auch Verband AFA verklagen

Weil ihr Klub Urquiza ihre Forderungen bislang weitestgehend ignoriert, ist Sanchez derzeit arbeitslos - und bleibt es noch mindestens bis zum Sommer, weil sie auch mitten in der Saison aufgrund der Regularien nicht zu einem anderen Verein wechseln darf. Umso entschlossener ist sie, weiter gegen die Ignoranz der Funktionäre vorzugehen, bestärkt von der großen Unterstützung, nicht nur von Frauenverbänden, auch aus der Politik. Sie will auch den argentinischen Verband rechtlich belangen, sollte er nicht die - auch in den FIFA-Regularien verankerten - Rechte zur Gleichstellung und gegen Diskriminierung umsetzen.

"Wir leben in einer Gesellschaft, die uns verachtet und uns vom Leben auszuschließen versucht, täglich. Ein Großteil der Argentinier glaubt, dass Frauen nicht Fußball spielen können, und deshalb auch kein Recht haben sollten, es professionell auszuüben", sagte Sanchez dem "Guardian". "Das Einzige, was eine Professionalisierung verhindert, ist das Machodenken jener, die im Fußball die Macht haben."

Stand: 08.02.2019, 15:10

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