Klub-WM statt Ligapokal - Liverpool muss sich zweiteilen

Liverpools Trainer Jürgen Kopp beim League-Cup-Spiel gegen Chelsea, 2018/19

Terminstress im Fußball nimmt skurrile Züge an

Klub-WM statt Ligapokal - Liverpool muss sich zweiteilen

Von Christian Hornung

Dass die Vermarktungsmaschine Fußball immer weiter ausgereizt wird, ist gerade am Beispiel des FC Liverpool zu bestaunen. Zwei Pflichtspiele binnen zwei Tagen sollen die "Reds" austragen, eins in Katar, eins in England. Einen Wettbewerb müssen die Spieler von Jürgen Klopp deshalb quasi abschenken - eine ähnliche Situation haben im Handball mal die Rhein-Neckar Löwen erlebt.

Klopps Zeit in Liverpool ist bislang eine brillante Erfolgsgeschichte. Aber Titel hat der Kult-Coach und FIFA-Welttrainer 2019 in seinen inzwischen vier Jahren an der Anfield Road erst zwei gewonnen: die Champions League in diesem Jahr und anschließend den UEFA-Super-Cup. Allein deshalb hätte er den englischen Ligapokal sicher sehr gerne mitgenommen, in dem Liverpool am Dienstag (17.12.2019) in Birmingham bei Aston Villa antreten muss - immerhin schon im Viertelfinale.

"Wäre ehrlich gesagt gern dabei"

Doch Klopp kann bei dem Spiel nicht, auch Mo Salah, Sadio Mané, Firmino und Virgil van Dijk sind leider verhindert. Die Klub-Weltmeisterschaft geht anscheinend im Vergleich zu diesem 59 Jahre alten nationalen Wettbewerb vor. Um den vermeintlich großen internationalen Titel zu gewinnen, wird der kleine nationale hinten angestellt: Der souveräne Tabellenführer der Premier League schickt nur die U23 nach Birmingham, an der Seitenlinie wird ein Trainer namens Neil Critchley stehen.

Klopp wäre nicht Klopp, wenn er nicht in seiner bekannten Mischung aus Lakonik und Ironie noch einen positiven Dreh für seinen Kommentar gefunden hätte: "Eine sensationell gute Organisation", nannte er den Termin-Irrsinn. "Ich wäre ehrlich gesagt gern bei dem Spiel in Birmingham dabei. Jetzt hoffe ich, dass die Jungs mit Critch das genauso genießen, egal was passiert. Ich finde, das ist eine gute Gelegenheit für die jüngeren Spieler, sich zu stellen."

Erst gegen Monterrey

Die Älteren nimmt Klopp mit nach Doha zu dem Turnier, in dem auf nur einem Rasenplatz fünf Partien in fünf Tagen ausgetragen werden sollen - das Verletzungsrisiko wird hingenommen. Liverpool trifft im Halbfinale am Mittwoch (18.30 Uhr MEZ) auf CF Monterrey aus Mexiko. Im Fall des Erfolgs geht es am Samstag im Finale gegen den Sieger aus Flamengo Rio de Janeiro und Al Hilal aus Saudi-Arabien.

Immerhin: Das ursprünglich für diesen Tag angesetzte Ligaspiel der "Reds" bei Westham United wurde verlegt.

"Ihr mögt es, uns beim Leiden zuzusehen"

Den nach Doha mitreisenden Journalisten rief Klopp noch zu: "Ihr blickt alle etwas besorgt drein, aber am Ende kümmert es niemanden so wirklich. Ihr mögt es, uns beim Leiden zuzusehen." Dass das Leiden weitergeht, ist garantiert. FIFA-Präsident Gianni Infantino sucht gerade nach Investoren, die noch mehr Geld in seine Klub-WM schießen.

Und in England gibt es Überlegungen einiger Topklubs, die sich offenbar für eine Ausweitung der Champions League ab der Saison 2024/25 einsetzen. Dazu gibt dann selbst Klopp jeden Anflug von Ironie auf: "Ich bin in diese Pläne nicht involviert. Aber das ist auch absoluter Schwachsinn. Es geht darum, die Anzahl an Spielen zu reduzieren, nicht zu erhöhen."

Rhein-Neckar Löwen mussten zweimal an einem Tag ran

Ein ähnliches Erlebnis wie jetzt Liverpool hatten im Vorjahr die Handballer der Rhein-Neckar Löwen. Weil sich die Verbände nicht einigen konnten, musste das Team am 23. März 2018 sogar zweimal an einem Tag antreten: In der Champions League im polnischen Kielce und in der Bundesliga beim THW Kiel. In die Königsklasse schickten die Löwen seinerzeit die Reserve, eine junge Truppe, die vorhersehbar mit 17:41 unterlag.

"Eine Farce", wütete damals Nationalspieler Henrik Pekeler gegenüber der "NRZ". "Wir haben uns 14 Spiele in der Champions League den Hintern aufgerissen, sind quer durch Europa gejettet. Und nun wird uns die Chance genommen, möglicherweise das Viertelfinale gegen Paris St.-Germain zu spielen. Das ist frustrierend, das macht einen sauer."

Stand: 17.12.2019, 08:30

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