Liverpool und ManCity - Eine lauwarme Feindschaft 

ManCitys Kevin de Bruyne (l.) im Zweikampfduell mit Liverpools Roberto Firmino (r.).

Spitzenspiel in der Premier League

Liverpool und ManCity - Eine lauwarme Feindschaft 

Von Hendrik Buchheister, Manchester

Manchester City und Liverpool sind die aktuellen Übermannschaften im englischen Fußball und entwickeln so langsam eine Rivalität. Das echte Hassduell auf der Insel ist allerdings ein anderes - und wird es wohl noch lange bleiben.

Brendan O’Reilly erinnert sich genau, wie er einmal versuchte, den FC Liverpool zu hassen. Er spricht vom Viertelfinale der Champions League im Frühjahr 2018, als Liverpool-Fans den Bus seiner Lieblingsmannschaft Manchester City bei der Anfahrt zum Anfield-Stadion mit Flaschen und Pyrotechnik bewarfen. "Da habe ich beschlossen, Liverpool zu hassen", sagt er, aber so richtig funktioniert hat das offensichtlich nicht. Den FC Liverpool würde er nicht mögen, sagt er, vor allem für den von City übergelaufenen James Milner empfinde er Ablehnung, aber der echte Rivale, der Erzfeind – das sei weiterhin Manchester United, das Team vom anderen Ende der Stadt. "Das ist so eine Manchester-Sache, nicht wahr?"

Brendan sitzt mit seinem Bruder Derek, beide in den 60ern, in der "Piccadilly Tavern" in der Innenstadt von Manchester, auf den TV-Schirmen läuft das Spiel vor dem Spiel. Zu sehen ist Manchester Citys Champions-League-Partie bei Atalanta Bergamo, aber in Gedanken sind die O’Reillys schon beim Spitzenspiel gegen Liverpool an diesem Sonntag (10.11.2019). Die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp könnte ihren Vorsprung an der Tabellenspitze mit einem Sieg auf neun Punkte ausbauen und die Chance auf die erste Meisterschaft seit 30 Jahren erheblich erhöhen. Pep Guardiolas Team würde mit einem Erfolg auf drei Punkte verkürzen und die Hoffnung auf den dritten Titel in Serie aufrechterhalten.

Moderne Rivalität

Manchester City gegen Liverpool, das ist die neue, moderne Rivalität im englischen Fußball. Zum zweiten Mal nacheinander spielen sie ein atemberaubendes Titelrennen aus. Im Frühjahr holte City mit nur einem Punkt Vorsprung die Meisterschaft, die Liverpool so sehr herbeisehnt. Dafür gewann Liverpool die Champions League, die eigentlich Citys Ziel ist. Die Feindschaft auf dem Rasen wird verstärkt durch die historische Abneigung zwischen "Scousers" und "Mancunians", durch Vorfälle wie der Attacke auf den City-Bus und ideologische Gegensätze zwischen dem Emporkömmling mit den Öl-Milliarden und dem angeblich ganz besonderen Klub mit seiner Folklore um "You’ll never walk alone" und "This is Anfield".

Erzfeind United

Vor dem Duell am Sonntag schossen sogar Klopp und Guardiola, normalerweise große Bewunderer des jeweils anderen, ein paar psychologische Giftpfeile hin und her. Doch das alles ändert nichts daran, dass die Rivalität zwischen den beiden Klubs eher lauwarm ist. Die City-Fans arbeiten sich lieber am Stadtrivalen United ab, daran, dass der Verein eigentlich aus einem Vorort von Manchester sei und seine Fans aus London kämen. Auch aus Liverpools Sicht ist Rekordmeister United der Erzfeind. 

Liverpools Adam Lallana (l.) im Zweikampfduell gegen Uniteds Ashley Young (r.)

Liverpool gegen Manchester United: weiterhin das erbittertste Duell in England.

Mehr noch: FC Liverpool gegen Manchester United ist das wirkliche, das alles elektrisierende Hass-Duell im englischen Fußball. "Andere Rivalen kommen und gehen, aber Liverpool gegen United – das bleibt immer", sagt Tony Evans, Journalist und Autor aus der Stadt am Mersey-Fluss. Ob sich eine nachhaltige Rivalität zu Manchester City entfalten kann, muss sich erst noch zeigen. Der aktuelle Erfolg der beiden Vereine hängt stark mit Klopp und Guardiola zusammen. Es ist fraglich, ob die Dominanz der beiden Klubs fortbesteht, wenn es irgendwann einen Wechsel auf der Trainerbank gibt. "Diese Phase des englischen Fußballs könnte eine vorübergehende sein", hat der "Guardian" gerade über das Gegeneinander von Liverpool und City notiert.

Die Feindschaft zwischen Liverpool und Manchester United dagegen ist über Jahrzehnte gewachsen, sie geht über den Sport hinaus und hat auch unappetitliche Züge. Liverpools Fans haben in der Vergangenheit die Toten des Flugzeugabsturzes von Manchester United 1958 in München verhöhnt, die United-Fans besingen Liverpools Anhänger als Opfer, in Anspielung auf die Stadionkatastrophe von Hillsborough, und machen sich über die Arbeitslosigkeit in Merseyside lustig. Nicht alles davon kann Journalist Evans ernst nehmen. "Intensiv" nennt er die Abneigung zwischen Liverpool und United und sagt: "Lange mögen Scousers und Mancs bittere Rivalen bleiben!" 

Wagner vor Premier-League-Highlight: "Meistens sind diese Spiele stinkend langweilig" Sportschau 08.11.2019 00:09 Min. Verfügbar bis 08.11.2020 Das Erste

"City ist mir total egal"

Die Dunkelheit ist über Manchester hereingebrochen, es regnet, natürlich regnet es. Ein United-Fan, er sagt, man solle ihn Tricky nennen, ist auf dem Weg zum Heimspiel in der Europa League gegen Partizan Belgrad. Er berichtet, dass er mit City-Anhängern gefeiert hätte, als der Klub im Frühjahr das Titelrennen gegen Liverpool gewann, so groß war die Erheiterung über das Scheitern des Erzfeindes. Der Erfolg des Stadtrivalen stört Tricky angeblich nicht. "City ist mir total egal. Aber wenn Liverpool Meister werden würde – das könnte ich nicht ertragen", sagt er. Für diesen Fall hat er sogar schon einen Plan: Weg, für ein paar Monate, irgendwo in die Sonne. Gut möglich, dass er diesen Plan am Ende der Saison umsetzen muss.

Stand: 08.11.2019, 12:44

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