Arsenal fordert Liverpool - Wer setzt ein Zeichen?

Mikel Arteta (l.) und Jürgen Klopp

Topspiel in der Premier League

Arsenal fordert Liverpool - Wer setzt ein Zeichen?

Von Hendrik Buchheister (Manchester)

Für den FC Arsenal geht es im Premier-League-Topspiel beim FC Liverpool nicht unbedingt ums Gewinnen – eine gute Vorstellung würde genügen, um den Fortschritt unter Trainer Mikel Arteta zu bestätigen. Der Meister kann das nächste Zeichen setzen.

Wenn Jürgen Klopp ins Schwärmen gerät, ist er nur schwer zu bremsen. Das war wieder einmal zu beobachten, als er um seine Meinung zu Mikel Arteta gebeten wurde, der mit seinem FC Arsenal am Montag (26.09.2020) im Topspiel der Premier League zu Gast an der Anfield Road ist. "Er hat in sehr kurzer Zeit gezeigt, dass er ein außergewöhnlicher Trainer ist. Die Balance zwischen Abwehr und Angriff ist gut. Die Organisation ist gut. Er setzt seine Spieler auf den richtigen Positionen ein. Er hat die Stimmung in dem Klub verändert", lobte der Übungsleiter des FC Liverpool

Unbequemes Arsenal - allerdings in unbedeutenden Spielen

Klopp ist als Experte in dieser Angelegenheit glaubwürdig, denn seine Mannschaft hat in der jüngeren Vergangenheit zweimal zu spüren bekommen, wie unbequem Artetas Arsenal ist: beim 1:2 am drittletzten Spieltag der vergangenen Saison und im nationalen Supercup vor einem Monat, als die Nordlondoner 6:5 nach Elfmeterschießen gewannen. 

Jürgen Klopp (l) und Mikel Arteta

Jürgen Klopp (l) und Mikel Arteta

Natürlich, beide Spiele waren von überschaubarem Wert. Bei der Ligapartie stand Liverpool schon als Meister zum ersten Mal seit 30 Jahren fest, der Supercup ist zu Corona-Zeiten noch unbedeutender als sonst schon. Trotzdem ist unverkennbar, dass Arsenal dabei ist, wieder als Spitzenklub ernstgenommen zu werden, nachdem die "Gunners" in den finalen Jahren unter Arsène Wenger und unter dessen glücklosem Nachfolger Unai Emery zur Lachnummer verkommen waren. 

Aubameyang als Arsenals Schlüsselspieler

Arteta übernahm im Dezember das Amt und schenkte dem Klub mit dem Gewinn des FA-Cups gleich eine Trophäe am Ende seiner Premieren-Saison. Die auffälligste Verbesserung unter dem einstigen Assistenten von Manchester Citys Coach Pep Guardiola ist, dass bei Arsenal Ordnung statt Chaos herrscht. Im Pressing tritt die Mannschaft als Kollektiv auf, mit dem Ball ist ein klarer Plan erkennbar. Mittlerweile gibt es sogar einen Spielzug, der typisch ist für das Arteta-Arsenal: Die Mannschaft passt sich von hinten heraus über die rechte Seite nach vorne und spielt dann einen Seitenwechsel zu Pierre-Emerick Aubameyang auf links. Dieser bereitet vor oder schließt selbst ab. 

Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang

Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang

Der frühere Dortmunder ist der einzige Weltklassespieler und der mit Abstand wichtigste Profi der Nordlondoner. Dass er nach monatelanger Ungewissheit gerade seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat, ist für Arsenal die bedeutendste Personalie des Sommers. Mesut Özil dagegen ist beim Neuaufbau nur Beobachter. Nicht einmal im Ligapokal unter der Woche bei Leicester City (2:0) war für den Ex-Nationalspieler Platz im Kader. Der Umgang mit dem hochbezahlten Özil (angeblich 350.000 Pfund die Woche) zeigt, dass der empathische Arteta auch gnadenlos handeln kann.

Liverpool ist gegen Arsenal klarer Favorit

Trotz der neuen Zuversicht unter dem jüngsten Trainer der Premier League ist Arsenal allerdings längst noch kein Kandidat auf die Meisterschaft. Nach dem elften Platz zuletzt wäre es schon beachtlich, wenn die "Gunners" in dieser Saison um Rang vier und die Rückkehr in die Champions League mitspielen würden. 

Ähnlich verhält es sich mit dem Trip nach Liverpool: Trotz des guten Starts mit zwei Erfolgen aus zwei Spielen erwartet kaum jemand einen Sieg von den Nordlondonern. Zuletzt waren Partien an der Anfield Road immer Reisen ins Grusel-Kabinett: 1:3, 1:5, 0:4 und 1:3. Beim jüngsten Sieg vor acht Jahren gehörte Lukas Podolski noch zu den Torschützen. Ein guter Auftritt würde diesmal schon reichen, um zu belegen, dass es bei Arsenal seriös vorangeht.

 Liverpools Mission: Titelverteidigung

Für den Meister dagegen geht es darum, das nächste Signal zu setzen, dass man wild entschlossen ist, den Titel zu verteidigen – auch wenn Trainer Klopp das so nie sagen würde. Er will den Titel neu angreifen, so lautet stattdessen seine Formulierung. Nach dem wackligen Auftaktsieg gegen Aufsteiger Leeds United (4:3) gab es am vergangenen Wochenende ein souveränes 2:0 beim FC Chelsea, bei dem die "Blues" erkennen mussten, dass der Weg zum Titelkandidaten trotz Transfers für mehr als 220 Millionen Euro noch weit ist. 

Weil Vizemeister Manchester City ebenfalls seine Problemzonen hat, ist Liverpool auch diese Saison Favorit auf die Meisterschaft, spätestens seit der Verpflichtung von Thiago Alcântara. Der Ex-Münchner debütierte gegen Chelsea als Joker nach der Pause und stellte gleich einen Rekord auf mit den meisten Pässen für einen Spieler, der nur 45 Minuten auf dem Platz stand (wenn auch gegen einen Gegner in Unterzahl). Beim Treffen mit den "Gunners" könnte er sein Startelf-Debüt geben. Sollte es damit nichts werden, gibt es drei Tage später schon die nächste Gelegenheit, und zwar im Ligapokal. Gegner ist dann: wieder Arsenal.

Stand: 26.09.2020, 09:51

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