Nationaltrainer in Spanien - Morenos Schritt ins Rampenlicht

Robert Moreno bei einer Pressekonferenz 2019

Nach dem Rücktritt von Luis Enrique

Nationaltrainer in Spanien - Morenos Schritt ins Rampenlicht

Von Dirk Burkhardt

Robert Moreno - der Name klingt so typisch spanisch, dass man meint, ihn schon mal gehört zu haben. Der neue spanische Nationaltrainer ist allerdings den meisten Fußballfans außerhalb seines Heimatlandes bisher verborgen geblieben.

Sein Schattendasein mag daran liegen, dass Moreno bisher fast immer in der zweiten Reihe gestanden hat. Schon 2003, mit knapp 25 Jahren, schlug er die Trainerlaufbahn ein. In seiner Heimatstadt Barcelona machte er sich schnell einen Namen in den Bereichen Scouting und Videoanalyse. Seine erste Trainerstation hatte Moreno bei der A-Jugend von UE Castelldefels, einem Drittligisten im Süden von Barcelona.

2010 holte Luis Enrique den damals 32 Jahre jungen Analytiker als Co-Trainer zur zweiten Mannschaft des FC Barcelona. Seitdem war Moreno, Inhaber der Uefa-Pro-Trainerlizenz, ständiger Begleiter Enriques.

Erst Erfahrung, dann Titel gesammelt

2016: Moreno (l.) feiert mit Enrique die zweite Meisterschaft mit Barcelona

2016: Moreno (l.) feiert mit Enrique die zweite Meisterschaft mit Barcelona

Über die Stationen AS Rom (2011/12) und Celta Vigo (2013/14) sammelte er Erfahrung im Profibereich und nach dem Wechsel mit Enrique zum FC Barcelona im Sommer 2014 auch Titel.

2015 gewannen beide mit "Barca" die Champions League. Dazu kamen zwei Meistertitel und drei Pokalsiege in Spanien. Als Enrique 2017 Barcelona verließ, kehrte Moreno für eine Saison zu Celta Vigo zurück - erneut als zweiter Mann, dieses Mal unter Juan Carlos Unzue.

Trainer und Buch-Autor

Doch im Sommer 2018 fand das alte Duo wieder zusammen. Als Enrique den bei der WM im Achtelfinale gescheiterten Interimstrainer Fernando Hierro beerbte, holte er Moreno als Co-Trainer zur Nationalmannschaft.

Der heute 41 Jahre alte Moreno gilt mittlerweile als Experte für Gegneranalyse und Taktik. Neben seiner Trainertätigkeit war Moreno auch Berater und Analyst bei verschiedenen Klubs. Dazu schrieb er auch über Fußball und war Mitbegründer des Fußballbuch-Verlags "MC Sports". 2013 veröffentlichte er das Buch "Mein Rezept für ein 4-4-2" - mit einem Vorwort von Luis Enrique.

Moreno erste Wahl für den Verband

Als dieser wegen persönlicher Probleme die Nationalmannschaft im März in der Vorbereitung auf Malta verließ, übernahm Moreno. Spanien gewann unter ihm die EM-Qualifikationsspiele auf Malta (2:0), auf den Färöer (4:1) und gegen Schweden (3:0).

Nun stellte Enrique seinen Posten zur Verfügung - und Moreno war die Wahl des spanischen Verbandes. "Wir haben Roberts Arbeit kennengelernt. Er war unsere erste Option", sagte Verbandspräsiden Luis Rubiales bei der Vorstellung am Mittwoch (19.06.2019.).

Luis Enrique als Vorbild

Der Debütant auf dem Chefstuhl ist sich der Größe der Aufgabe bewusst. "Es ist eine Verantwortung und Ehre, auf der Bank der Nationalmannschaft sitzen zu dürfen." Und Moreno vergaß seinen Vorgänger und Weggefährten nicht: "In den neun Jahren, die wir zusammen waren, haben wir alle von Luis gelernt, auch was die Werte außerhalb des Spielfeldes angeht. Seine Art und Weise hat mich sehr beeinflusst."

Sein erstes Pflichtspiel als alleinverantwortlicher Chefcoach wird Moreno auswärts bestreiten. Am 5. September tritt "La Roja" in Rumänien an, und Moreno hat schon eine Reise vor Augen: "Wenn möglich, wollen wir Luis ehren und den EM-Titel holen." Spätestens dann dürfte auch außerhalb Spaniens wohl jeder Fußballfan den Namen Robert Moreno richtig einordnen können.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Mittwoch, 19.06.2019, 22.50 Uhr

Stand: 19.06.2019, 19:36

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