Neue Anklage: Russland und Katar sollen WM-Stimmen gekauft haben

FIFA

Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022

Neue Anklage: Russland und Katar sollen WM-Stimmen gekauft haben

Geahnt hat man es schon lange, jetzt sind sich die US-Strafverfolgungsbehörden sicher: Russland und Katar haben bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 führende Funktionäre des Weltverbandes FIFA bestochen. Ex-Fifa-Chef Joseph Blatter weist Vorwürfe zurück.

In einer am Montag (06.04.2020/Ortszeit) veröffentlichten erweiterten Anklageschrift nannte die Staatsanwaltschaft in New York erstmals konkrete Details. Demnach sollen die damaligen FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder Julio Grondona (Argentinien/verstorben 2014), Nicolas Leoz aus Paraguay (verstorben 2019) und der Brasilianer Ricardo Teixeira für ihre Stimmen zugunsten Katars die Hand aufgehalten haben. Summen werden nicht genannt.

Der frühere FIFA-Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago), eine Schlüsselfigur im Skandal, der zum Sturz des früheren Weltverbandspräsidenten Joseph S. Blatter führte, soll für seine Stimme pro Russland über ein Geflecht von Scheinfirmen fünf Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) erhalten haben. Rafael Salguero aus Guatemala, ebenfalls bei der Doppelvergabe 2010 Exko-Mitglied, habe für seine Stimme eine Million Dollar (920.000 Dollar) kassiert, heißt es unter Punkt 92 des Dokuments vom 18. März.

Auch US-Mediengigant angeklagt

In der erweiterten Anklage wird unter anderem zwei ehemaligen Spitzenkräften des US-Mediengiganten Fox vorgeworfen, Funktionäre bestochen zu haben. Es handelt sich um Hernan Lopez, früherer Geschäftsführer der Fox-Sparte International Channels, und den ehemaligen Lateinamerika-Chef Carlos Martinez. Dem Duo wird zudem vorgeworfen, sich durch Insider-Informationen englischsprachige TV-Rechte für die Weltmeisterschaften gesichert zu haben. Beide bestreiten die Vorwürfe: Die Anklage sei "Fiktion", teilte ein Anwalt mit.

Im Nachgang des FIFA-Skandals 2015 sind in den USA zahlreiche frühere Funktionäre angeklagt worden. 2017 kam es zum Prozess, einige wurden verurteilt. Eine FIFA-interne Untersuchung von Chefermittler Michael J. Garcia kam 2017 zudem zu dem Schluss, es gebe für Stimmenkauf keine Hinweise. Bestechungen bei der Vergabe der WM 2010 an Südafrika sind erwiesen. Auch im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 an Deutschland soll es zu Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einer Zahlung von 6,7 Millionen Euro gekommen sein.

Ex-FIFA-Boss Blatter bestreitet Stimmenkauf

Der frühere FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hat die Vorwürfe der US-Justiz zurückgewiesen. "Es gab ein Gentlemen's Agreement innerhalb des Exekutivkomitees: die Weltmeisterschaft 2018 an Russland und 2022 an die Vereinigten Staaten", sagte der seit Ende 2015 suspendierte ehemalige Boss des Fußballweltverbandes der französischen Nachrichtenagentur AFP. Dass die WM 2022 letztlich nach Katar ging, sei das Ergebnis einer "politischen Intervention auf höchster Ebene", erklärte Blatter und spielte dabei nicht zum ersten Mal auf den ebenfalls seines Amtes enthobenen ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini an.

Blatters Version zufolge ist das Scheitern der Vereinbarung auf die Einmischung der französischen Regierung durch den damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy während eines Mittagessens mit Platini, Katars Emir Tamim Bin Hamad Al Thani und dem damaligen katarischen Premierminister Hamad Ben Jassem im November 2010 zurückzuführen. Dieses Treffen im Elysees-Palast beschäftigt seit geraumer Zeit auch die französische Justiz.

Russland und Katar bestreiten Vorwürfe

Russland und Katar haben jegliche Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe stets bestritten. Auch jetzt wiesen die Russen Korruptionsvorwürfe zurück. "Russland hat das Recht, diese WM-Endrunde zu organisieren, auf legalem Wege erhalten", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow: "Das war nicht mit irgendeiner Art von Bestechung verbunden. Den Vorwurf streiten wir kategorisch ab." Russland habe vor zwei Jahren "die beste Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte" ausgerichtet, fügte Peskow hinzu: "Darauf sind wir sehr stolz."

Auch die Organisatoren der WM 2022 in Katar wollen nichts von einer möglichen Bestechung wissen. Man habe sich im Bieterprozess "streng an alle Regeln und Vorschriften gehalten", teilte das für die WM-Ausrichtung in Katar zuständige Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC) mit. "Alle gegenteiligen Behauptungen sind unbegründet und werden heftig bestritten."

Gefangen in Katar - Corona und die Fußball-WM 2022 sport inside 06.04.2020 10:41 Min. Verfügbar bis 06.04.2021 WDR

dpa | Stand: 07.04.2020, 18:05

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