Supercup mit Fans: Die gefährliche Scheinheiligkeit der UEFA

Manuel Neuer hält die Trophäe des Supercups

UEFA Supercup in Hochrisikogebiet

Supercup mit Fans: Die gefährliche Scheinheiligkeit der UEFA

Von Olaf Jansen

Inmitten steigender Coronazahlen richtet die UEFA ihr Supercup-Finale mitten in einem Hochrisikogebiet aus. Vor Tausenden von Fans. Ist das nur absurd? Oder eher völlig logisch? Ein Kommentar.

Beim regelmäßigen Blick auf die von der Bundesregierung ausgewiesenen Risikogebiete fehlt dieser Tage möglicherweise ein Gebiet, auf das kritische Fußballfans während der Corona-Pandemie schon seit Längerem mit Erstaunen blicken: die Welt der UEFA.

Deren Präsident Aleksander Ceferin hat mit seinen Leuten quasi im Handstreich beschlossen: Die Ansteckungsgefahr innerhalb eines Fußballstadions ist wohl nicht besonders groß. Jedenfalls nicht für Fußballfans. Oder: Deren Sehnsucht nach dem Fußball-Liveerlebnis ist höher zu bewerten als das Risiko einer Corona-Infektion.

UEFA - Tröster geschundener Fan-Seelen?

Nicht anders ist die Frage zu beantworten, warum die UEFA das Supercup-Finale zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla in Ungarns Hauptstadt Budapest vor mehr als 15.000 Zuschauern in der Puskas-Arena zuließ. Ungarn wird von der deutschen Bundesregierung seit geraumer Zeit als "Risikogebiet" eingeschätzt, die Corona-Fallzahlen steigen dort rasant. Vor Reisen in das Land wird ausdrücklich gewarnt.

Die Meinungen dürften auseinandergehen. Die einen mögen das UEFA-Verhalten unverantwortlich finden, die anderen es als Zeichen gegen übertriebene Corona-Hysterie loben. Eindeutig ist, dass Ceferin scheinheilig wirkt, wenn er sich und seine Fußball-Welt als eine Art Tröster für geschundene Fan-Seelen darstellt. "Wir wollen den Menschen wieder Hoffnung geben", hat er gesagt. Die Erfahrung aber zeigt, dass es Fußballverbänden wie der FIFA oder der UEFA bei solcherlei Dingen meist um anderes geht: vor allem um Gewinnmaximierung.

Es geht nur ums Geschäft

Mit dem Einlass zu ihrem Finale möchte die UEFA den Fans, vor allem aber den TV-Partnern und Sponsoren signalisieren: Unser Produkt Fußball kann kein Virus stoppen. Unsere Welt ist immun. Hier machen Investitionen weiter Sinn.

Dass dies ein gefährliches Spiel ist, soll keinesfalls thematisiert werden. Die Protagonisten scheinen das verstanden zu haben. Jedenfalls gab es rund um das Budapest-Finale kaum kritische Töne von Spielern oder Funktionären des FC Bayern. Eher dankte man - wie Karl-Heinz Rummenigge - dem UEFA-König für einen "wunderschönen Abend".

Doch nicht immun?

Dass die UEFA-Funktionäre mit sich selbst etwas vorsichtiger umzugehen gedenken, mag eine aktuelle kleine Meldung belegen. Dort heißt es: "Die UEFA verlegt ihren nächsten Kongress aufgrund der aktuellen Einschränkungen von der belarussischen Hauptstadt Minsk in die Schweiz." Sicher ist sicher.

Stand: 25.09.2020, 09:28

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