Nordkorea gegen Südkorea: Keine Tore, keine Zuschauer

Heu-ming Son

Asiatische WM-Qualifikation

Nordkorea gegen Südkorea: Keine Tore, keine Zuschauer

Die südkoreanische Fußball-Nationalmannschaft hat im politisch höchst brisanten WM-Qualifikationsspiel in Nordkorea die Tabellenspitze in ihrer Gruppe behauptet. Um Sport ging es in dem ersten Spiel beider Nationen gegeneinander aber nur am Rande.

50.000 Zuschauer passen ins Kim-Il-Sung-Stadion im nordkoreanischen Pjöngjang - beim Aufeinandertreffen von Nord- und Südkorea war jedoch kein einziger Zuschauer da. Ebenso wenig waren internationale Medien zugelassen. Eine TV-Übertragung, wie bei anderen WM-Qualifikationsspielen üblich, gab es nicht. Lediglich einige Liveticker auf den Webseiten des Weltverbandes FIFA und des asiatischen Fußballverbandes AFC informierten über das Spiel am Dienstag (15.10.2019). Tore konnten ohnehin nicht vermeldet werden: Beide Teams trennten sich 0:0. Die "Taeguk Warriors" um den ehemaligen Bundesliga-Profi Heung-Min Son behaupten damit nach dem 3. Spieltag in ihrer Gruppe mit sieben Punkten die Tabellenführung vor den punktgleichen Nordkoreanern.

"Nordkorea hat versprochen, eine DVD mit dem kompletten Bildmaterial des Spiels zu liefern, bevor unsere Delegation abreist", hieß es in einer Erklärung des Wiedervereinigungsministeriums Südkoreas im Vorfeld der Begegnung. Auch sonst lieferte das erstmalige Duell beider Nationen bizarre Randgeschichten. Im Vorfeld der Begegnung weigerte sich Nordkorea, Gespräche über die logistische Vorbereitung der Partie zu führen. Südkoreanische Fans und Journalisten erhielten kein Visum für die Begegnung. Die 55 Personen umfassende Delegation des südkoreanischen Teams war gezwungen, ihre Mobiltelefone vor der Abreise aus Peking in der südkoreanischen Botschaft vor Ort zu lassen. An der Pressekonferenz vor dem Spiel nahmen fünf Reporter teil - alle stammten aus Nordkorea.

WM-Qualifikationsspiel in Nordkorea vor leeren Rängen

Sportschau 15.10.2019 01:21 Min. Verfügbar bis 15.10.2020 ARD

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Infantino schaut persönlich vorbei

FIFA-Präsident Gianni Infantino verschaffte sich einen Eindruck vor Ort. "Es ist eine große Freude, hier zu sein", sagte Infantino bei seiner Ankunft am Flughafen in Pjöngjang. Beide Nationen ringen nach wie vor um eine politische Annäherung und befinden sich völkerrechtlich seit dem Koreakrieg (1950 bis 1953) im Kriegszustand. Nordkoreanische Waffentests belasten immer wieder das Verhältnis auf der koreanischen Halbinsel, auch die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, der Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un schon mehrmals persönlich getroffen hatte, brachten bislang nicht den erhofften Erfolg.

Die weiteren Gegner beider Teams in Gruppe H sind Turkmenistan, der Libanon sowie Sri Lanka. Der Gruppensieger sowie die vier besten Zweiten aller acht Gruppen ziehen in die 3. Runde der asiatischen WM-Qualifikation ein.

sid/dpa | Stand: 15.10.2019, 13:44

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