Kataloniens Nationalmannschaft feiert eine Premiere

Xavi und Gerard Piqué im Trikot des FC Barcelona

Freundschaftsspiel gegen Venezuela

Kataloniens Nationalmannschaft feiert eine Premiere

Von Robin Tillenburg

Die autonome Gemeinschaft Katalonien hat schon seit dem frühen 20. Jahrhundert eine nicht von der FIFA anerkannte Nationalmannschaft, die unregelmäßig zu Spielen antritt. Erstmals spielt sie nun an einem "FIFA-Datum" und hat einige Stars im Aufgebot.

Die Weltmeister Gerard Piqué und Xavi, die Ex-Bundesligaspieler Marc Bartra, Bojan Krkic und Oriol Romeu - das sind nur einige Namen, die am Montag (25.03.2019) in einem Freundschaftsspiel mit Katalonien in Girona auf Venezuela treffen. Natürlich ist es ein Freundschaftsspiel. Denn eine offizielle Aufnahme in die FIFA oder UEFA hat nicht stattgefunden.

Über die Jahre haben schon Andrés Iniesta, Alfredo Di Stéfano oder Johan Cruyff für die Auswahl gespielt. Cruyff war von 2009 bis 2013 sogar Trainer der Mannschaft. Inzwischen ist das Gerard Lopez, der selbst sechsmal für Spanien und genauso oft für Katalonien spielte. Anhand der Namen der ehemaligen Spieler erkennt man schon: Es war lange nicht zwingend notwendig, in Katalonien geboren worden zu sein. Eine enge Beziehung zu der Region genügte.

Alle Akteure diesmal aus Katalonien

Das ist beim 21-köpfigen Aufgebot, das Lopez nominiert hat, diesmal anders - alle Akteure sind in der Region geboren. Auf der Homepage des Verbandes wird ausdrücklich betont, dass es eben das erste Länderspiel ist, das während einer "offiziellen" Länderspielpause der FIFA ausgetragen wird. Dementsprechend hat man auch eine "echte" Nationalmannschaft nominiert mit Spielern, die in dieser Länderspielpause für kein anderes Land spielen.

Natürlich ist der Status als "echte" Nationalmannschaft fragwürdig, weil ja beispielsweise die inzwischen aus der spanischen Nationalmannschaft zurückgetretenen Xavi und Piqué genau wie Bartra schon etliche oder zumindest einige Länderspiele für Spanien bestritten haben.

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Viele starke Spieler aus der Region

Dass Teile der Katalanen um die Anerkennung als eigene unabhängige Republik kämpfen, ist nicht erst seit dem Referendum im Oktober 2017 so, als das Regionalparlament ebendiese Republik "ausrief", die von Spanien und der internationalen Staatengemeinschaft aber nicht anerkannt wurde. Etwa 7,5 Millionen Einwohner leben in der Region, die im Nordosten Spaniens angesiedelt ist.

Gerard Piqué im Trikot von Katalonien

Weil die katalonische Hauptstadt Barcelona und ihre Umgebung etliche gute Fußballer hervorgebracht haben, könnte die aktuelle Auswahl durchaus konkurrenzfähig sein. Auch andere bekannte Spieler wie Arsenals Hector Bellerin, Monacos Cesc Fàbregas oder Barcelonas Jordi Alba sind in der Region geboren. Fàbregas und Alba sind auch schon für das Team aufgelaufen, aber da mussten sie eben nicht im gleichen Zeitfenster wie die Spanier antreten.

Spiel gegen Venezuela als Fingerzeig?

Seit 2010 hat Katalonien insgesamt sieben Partien bestritten, die letzte 2016 gegen Tunesien endete 3:3 (im anschließenden Elfmeterschießen verloren die Katalanen, bei denen unter anderem Xavi auflief). Ob es nun eine höhere Taktung geben wird, ist nicht sicher. Das Datum des Spiels gegen Venezuela versteht man beim dortigen Verband aber offenbar als Zeichen in Richtung einer Anerkennung in der Zukunft.

So wie der Kosovo? Oder doch nicht?

Ein anderes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit, der Kosovo, hat vorgemacht, wie es gehen könnte. Dort erhielten nach dem Beitritt zu UEFA und FIFA alle Spieler mit kosovarischen Wurzeln, die nicht bei der EM 2016 für ein anderes Land gespielt hatten, die Erlaubnis, für den Kosovo zu spielen. Davon machten etliche Akteure Gebrauch, unter anderem Valon Berisha (Norwegen, Lazio Rom) oder Milot Rashica (Albanien) von Werder Bremen. Durch den Sieg in seiner Nations-League-Gruppe D trennen den Kosovo aktuell nur noch zwei Siege von einer Teilnahme an der Europameisterschaft 2020.

Ein Land, das den Kosovo bis heute nicht anerkennt, ist übrigens Spanien, das sich wohl auch aufgrund der eigenen Situation mit Katalonien oder auch dem Baskenland davor hütet, einen Präzedenzfall zu schaffen - auch wenn die Lage jeweils natürlich vollkommen unterschiedlich ist.

Stand: 22.03.2019, 11:57

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