Kamerun und der Fluch des Afrika-Cups

Kameruns Christian Mougang Bassogog beim Africa Cup 2019

Coronavirus gefährdet Turnier

Kamerun und der Fluch des Afrika-Cups

Von Olaf Jansen

Noch hält der afrikanische Fußballverband an seinen Terminen fest, aber angesichts der Ausbreitung des Coronavirus ist klar: Der Afrika-Cup 2021 wird kaum stattfinden können. Für Gastgeber Kamerun ist das ein nächster Tiefschlag.

Diese Woche hätte eine große werden sollen für den afrikanischen Fußball. Die dritte und vierte der insgesamt sechs Qualifikationsrunden für den Afrika-Cup 2021 hätten ausgetragen werden sollen. Doch klar: Wegen des grassierenden Coronavirus mussten sämtliche 48 geplanten Partien zunächst einmal abgesagt werden.

Was bedeutet das für das Turnier, das eigentlich im Januar und Februar in Kamerun stattfinden soll? Beinahe trotzig ließ der afrikanische Fußballverband CAF in dieser Woche aus dem Büro des Generalsekretärs verlauten: "Das Turnier findet wie geplant statt. Wir glauben, dass die Pandemie im August überstanden ist und wir die fehlenden Qualifikations-Spiele dann im Herbst nachholen können." So sprach zumindest der von der britischen BBC interviewte neue marokkanische Generalsekretär Abdel Bah. Der ehemalige Marketing-Direktor hatte das Amt vor wenigen Wochen überraschend von seinem ausgeschiedenen Landsmann Mouad Hajji übernommen.

Coronavirus: In Afrika steht das Schlimmste noch bevor

Aber klar ist natürlich: Dies dürfte reines Wunschdenken sein. Momentan sind auf dem afrikanischen Kontinent in 40 Ländern offiziell Infizierte gemeldet worden und die Expertenwelt ist sich einig in ihrer Vorhersage: In Afrika steht das Schlimmste noch bevor. Es wird in den nächsten Monaten auf dem Kontinent mit einer verheerenden Ausbreitung des Virus gerechnet. Kaum vorstellbar, dass unter diesen Voraussetzungen Anfang kommenden Jahres das größte afrikanische Sportereignis mit Millionen von feiernden Fans auf den Straßen und vor den Fernsehern stattfinden kann.

Was vor allem für das Ausrichterland Kamerun einer mittleren Tragödie gleich käme. Eigentlich hätte das fußballverrückte Land, das Stars wie Roger Milla, Samuel Eto'o, Rigobert Song und Patrick M'boma hervorgebracht hat, den Cup schon 2019 ausrichten sollen. Damals aber verlor man das Turnier kurzfristig, weil Stadien, Hotels und Verkehrs-Infrastruktur nicht rechtzeitig fertig geworden waren.

Kamerun - ein politisch zerrissenes Land

Mittlerweile sind alle Bauvorhaben mithilfe immenser Investitionen und unter starkem Zeitdruck regelrecht mit Gewalt durchgezogen worden. In fünf Städten - Yaounde (2), Garoua, Bafoussam, Limbe und Douala - entstanden sechs neue Stadien, beziehungsweise wurden aufwändig renoviert. Jetzt droht das erneute Aus.

In der fußballbegeisterten Bevölkerung könnte dies zu erneuter Depression führen - schon nach dem Entzug des Turniers von 2019 war es auf den Straßen zu teilweise gewalttätigen Protesten gekommen. Das Land ist politisch zerrissen in einen frankophonen und einen erheblich kleineren englischsprachigen Teil. Staatspräsident Paul Biya hält sich seit 1982 im Amt, die Opposition beklagte auch zuletzt wieder Wahl-Manipulationen.

Es schwelt im Land. Erfolgreiche Fußball-Events helfen bei solchen Konflikten meist erst einmal über die größten Spannungen hinweg - 1990 erlebte Biya das selbst schon einmal, als nach dem WM-Viertelfinaleinzug Kameruns eine damals wütende Krise im Land plötzlich kein Thema mehr war. Auf Ähnliches wird der mitlerweile 87-Jährige jetzt nicht bauen können.

CHAN-Turnier schon abgesagt

Zumal auch die Generalprobe unlängst abgesagt worden ist. Genau in diesen Tagen - vom 4. bis 25. April - sollte in Kamerun das sogenannte CHAN-Turnier stattfinden. Es ist so etwas wie ein "kleiner" Afrika-Cup mit 16 Mannschaften, in denen ausschließlich Spieler gegeneinander antreten, die noch in ihren afrikanischen Ligen aktiv sind. Wegen der Coronakrise wurde das Turnier erst einmal abgesagt. Einen Nachholtermin gibt es noch nicht. "Wir versuchen, noch in 2020 einen Ersatztermin für dieses Turnier zu finden", sagt Abdel Bah. Auch das erscheint aktuell eher utopisch.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Stand: 09.04.2020, 21:14

Darstellung: