Juventus mit Ronaldo - zurück ins Zentrum des Fußball-Universums

Juventus Turin

Ronaldo-Transfer

Juventus mit Ronaldo - zurück ins Zentrum des Fußball-Universums

Mit der Verpflichtung Cristiano Ronaldos rückt Juventus Turin wieder näher an den Mittelpunkt der Fußballwelt. Der Klub verfolgt dabei eine ähnliche Strategie wie sein größter Geldgeber, der Fiat-Konzern.

Soviel Wertschätzung muss sein. Am Dienstag (10.07.2018) setzte sich Andrea Agnelli in seinen Privatjet und flog zu Cristiano Ronaldo in dessen griechischen Urlaubsort, um dem Fußball-Weltstar seine Aufwartung zu machen.

Agnelli ist Sproß einer der größten italienischen Unternehmer-Familien, ihr gehört der Automobil-Konzern Fiat. Zugleich ist Agnelli Präsident von Juventus Turin wie schon sein Vater es war und sein Großvater. Juventus und Fiat gehören zusammen wie der Parmesan und die Pasta. Seit 1923 ist der Fußballverein Eigentum der Agnelli-Dynastie.

Volle Konzentration auf die Top-Marken

Vor vier Jahren fusionierten die italienischen Autobauer mit dem amerikanischen Konzern Chrysler. Die Strategie, die Fiat Chrysler Automobiles im Mai dieses Jahres entwarf, lautete: Keine Kleinwagen mehr wie der Fiat Punto, dafür Luxus-Marken wie Alfa Romeo und Maserati stärken. Wenig später zieht der Fußballverein Juventus mit ähnlicher Strategie und der Verpflichtung Ronaldos also nach.

Woher das Geld für diesen Mega-Deal kommt, liegt auf der Hand: Seit dem Zusammenschluss von Fiat und Chrysler im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent. Das Unternehmen kommt inzwischen wieder auf einen Börsenwert von 30 Milliarden Euro.

Aktie schießt in die Höhe

Auch die jüngsten Wirtschaftszahlen im Zusammenhang mit der Ronaldo-Verpflichtung zeigen einen Positiv-Trend. Seit dem 28. Juni, als die Gerüchte um einen Wechsel des Portugiesen von Real Madrid nach Turin konkreter wurden, stieg die Juventus-Aktie insgesamt um rund 38 Prozent. Am Dienstag, dem Tag der Bekanntgabe des Transfers, legte das Papier allein um sechs Prozent zu.

Da fällt auch das Minus in der Transferbilanz von 213 Millionen Euro (Quelle: tranfermarkt.de), das Juventus in diesem Sommer auswies, nicht weiter ins Gewicht. Neben Ronaldo gab der Klub viel Geld für Joao Concelo (40 Millionen Euro an den FC Valencia) und Douglas Costa (40 Millionen Euro an Bayern München) aus. Demgegenüber stehen geringe Einnahmen etwa durch den Verkauf von Tomás Rincón (für acht Millionen an den FC Turin). Die Einnahmeseite könnte sich noch erhöhen. Der FC Liverpool bietet angeblich 90 Millionen für den Juve-Argentinier Paulo Dybala. Auch Stürmer Gonzalo Higuaín soll auf der Verkaufsliste stehen.

Mitarbeiter empört über Transfer

Doch nicht alle Mitarbeiter von Fiat Chrysler Automobiles sind begeistert von dem teuren Fußballer, der im Jahr 30 Millionen Euro netto verdienen soll. "Nach Higuain, der 2016 94,7 Millionen gekostet hat, jetzt Cristiano Ronaldo für 100 Millionen?!  Das ist eine Schande! Die Mitarbeiter von Fiat haben die letzten zehn Jahre keine Gehaltserhöhung bekommen. Mit dem Gehalt, dass Juve Ronaldo zahlen will, könnte man 200 Euro Gehaltserhöhung an alle Mitarbeiter zahlen. In Pomigliano wird nur elf Tage im Monat gearbeitet und die Filiale in Brugliasco wird geschlossen", sagte - stellvertretend für viele - Gerardo Giannone, ein Facharbeiter, der seit 18 Jahren für Fiat in Pomigliano d'Arco arbeitet.

In einer Mitteilung der Vertreter der Arbeiter des Werks in Melfi wird ein Proteststreik zwischen dem Abend des 15. Juli und dem Morgen des 17. Juli angekündigt. Das Geschäft mit Ronaldo sei "nicht hinnehmbar. Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und Tausende von Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats auskommen?", fragt die zuständige Gewerkschaft.

Die kritischen Stimmen rund um den italienischen Rekordmeister dürften leiser werden, sollten Ronaldo und sein neues Team liefern. Der Gewinn der Champions League wird das neue Ziel des Klubs sein. 1996 gewann Juventus zuletzt die höchste europäische Trophäe. In der vergangenen Saison schied man sehr unglücklich im Viertelfinale gegen Real Madrid mit Cristiano Ronaldo aus. Das soll nicht wieder passieren.

red/mick | Stand: 11.07.2018, 13:56

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