Italiens Neuaufbau mit "Vince" und "Quag"

Freiburgs Vincenzo Grifo (links) und Fabio Quagliarella (Sampdoria Genua)

Roberto Mancini setzt auf den Nachwuchs - und einen 36-Jährigen

Italiens Neuaufbau mit "Vince" und "Quag"

Nicht nur das DFB-Team muss sich neu erfinden, Italien hat einen noch gravierenderen Wiederaufbau vor sich. Nach der verpassten WM setzt Nationaltrainer Roberto Mancini auf U-21-Nationalspieler, einen Oldie und einen Bundesliga-Legionär.

Bundestrainer Joachim Löw wurde in der Vergangenheit sehr oft vorgeworfen, er lege nicht das Leistungsprinzip als Hauptmaßstab für seine Berufungen zum deutschen Nationalteam an. In Italien hat Mancini gerade ein Beispiel gegeben, dass er beim Neubau der Squadra Azzurra durchaus auch die aktuelle Form berücksichtigt und nicht nur auf Verdienste oder Erwartungen setzt.

Mancini hat für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele am Samstag (23.03.19) gegen Finnland und drei Tage später gegen Liechtenstein Fabio Quagliarella berufen, der gerade für Sampdoria Genua Tore in Serie schießt. Mit 21 Treffern führt "Quag" die Schützenliste der Liga an, noch vor Cristiano Ronaldo von Juventus, Krzysztof Piatek (Milan) oder auch Ciro Immobile von Lazio.

Talente wie Kean und Zaniolo

Quagliarella ist inzwischen 36 Jahre alt, zuletzt hat er im Oktober 2015 für Italien gespielt - an der verpassten Weltmeisterschaft trägt er also keine Schuld. Mancini setzt aber auch auf die junge Garde. Ein Quintett aus der U 21 hat er nach oben gezogen, angeführt vom derzeit bei Juve ganz heiß gehandelten Moise Kean und Roma-Juwel Nicolo Zaniolo.

Aus der Bundesliga ist - für viele in Italien überraschend - Vincenzo "Vince" Grifo dabei. Der derzeit von 1899 Hoffenheim an den SC Freiburg ausgeliehene Edeltechniker hat eine Mutter aus Apulien und einen Vater aus Sizilien. Aber in der Serie A hat der gebürtige Pforzheimer nie gespielt, deshalb ist er bei den Fans in Italien weitgehend unbekannt.

Kindheitstraum erfüllt

Als sportschau.de den Ex-Gladbacher nach Freiburgs 1:1 am vergangenen Samstag im Borussia-Park auf seine Berufung in die Squadra ansprach, glänzten seine Augen: "Dass ich nach meinem Debüt im November gegen Portugal jetzt wieder dabei bin, ist für mich die Erfüllung eines Kindheitstraums. Ich habe früher so oft meinen Landsleuten am Fernsehen die Daumen gedrückt, es ist unglaublich für mich, da selbst dabeizusein - egal ob es jetzt für einen Einsatz gegen Finnland oder Liechtenstein reicht. Es ist aber nicht nur für mich eine Belohnung, sondern auch für das, was wir in Freiburg in dieser Saison spielen."

Lob hat er aber auch persönlich verdient: Nachdem er zuvor in Hoffenheim und Gladbach gefloppt ist und sogar Zeit auf der Tribüne verbracht hat, trumpft er nun mit zehn Scorerpunkten in 15 Einsätzen (vier Tore, sechs Vorlagen) an seiner alten Wirkungsstätte im Breisgau wieder groß auf.

Defensiv verbessert

Sogar die Defensivarbeit hat er plötzlich für sich entdeckt: Beim Spiel in Gladbach schoss er nicht nur das Führungstor, sondern machte auch viele Wege nach hinten und bereinigte Situationen mehrfach am eigenen Strafraum. Sein Vereinscoach Christian Streich erklärt dieses bei seinen vorherigen Stationen weitgehend unbekannte Phänomen so: "Über das Thema Abwehrarbeit musste ich mit Vince auch schon zwei, drei Gespräche führen. Aber er kann durchaus malochen und bei uns muss er einfach mit nach hinten arbeiten."

Genau diese Eigenschaft macht Grifo neben seiner herausragenden Technik auch für den Neuaufbau der Squadra Azzura interessant.

Stand: 20.03.2019, 10:04

Darstellung: