124 Partien in 44 Tagen - Italiens Serie A spielt wieder

Joaquin Correa (l.), Ciro Immobile von Lazio

Wiederbeginn in der Serie A

124 Partien in 44 Tagen - Italiens Serie A spielt wieder

In Italien startet wieder die Serie A - mit einem echten Mammutprogramm. Die Regierung hat die Corona-Auflagen gelockert, auch Fans sollen möglicherweise bald wieder ins Stadion.

Auch die italienische Serie A hat sich für den Wiederbeginn ein strenges Hygienekonzept verpasst. Ob und wieviel es in der Praxis taugt, davon konnten sich die Italiener schon am Mittwochabend (17.06.2020) ein Bild machen: Beim Pokalfinale, das dem ersten Spieltags-Wochenende nach der Corona-Pause vorgeschaltet war, gewann Neapel die Coppa Italia. Nach dem Triumph im Elfmeterschießen gegen Juventus warfen die Spieler Coach Gennaro Gattuso in die Luft.

Fans waren natürlich nicht im Stadion - die feierten dafür, wie man es von Napoli-Anhängern erwartet, auf den Straßen der Stadt, zu Tausenden. Sie stiegen in historische Brunnen und lagen sich in den Armen - sodass sich sogar die Weltgesundheitsorganisation einschaltete: Ranieri Guerra, italienischer Assistenzdirektor der WHO und wahrscheinlich Juve-Fan, sprach angesichts der Party-Bilder aus Neapel von einem "Elend" - und fühlte sich an die Feierlichkeiten nach Bergamos Sieg in der Champions League gegen Valencia im Februar erinnert: Ein Spiel, das seitdem als "Super-Spreader" für die Corona-Pandemie in Italien gilt, die dort besonders schwer wütete, mit bislang offiziell 34.000 registrierten Todesfällen.

Unbändiger Jubel in Neapel Sportschau 18.06.2020 00:44 Min. Verfügbar bis 18.06.2021 Das Erste

Angesichts der zwischenzeitlich dramatischen Zustände im Land hatte sich auch einige Klubbesitzer in der Serie A für einen kompletten Abbruch der Saison ausgesprochen, Nationaltrainer Roberto Mancini äußerte sich noch vor wenigen Wochen skeptisch. Es gab Proteste von Tifosi, vor allem im von der Pandemie besonders heimgesuchten Norditalien, gegen die Pläne, die Saison fortzusetzen. Auch die Liga war lange gespalten, ehe sich schließlich doch eine Mehrheit der Klubs dafür aussprach, die Saison mit zwölf verbleibenden Spieltagen ganz normal zu Ende zu spielen.

Corona-Auflagen gelockert

Erst Ende Mai gab die Regierung grünes Licht für das nun anstehende Mammutprogramm: 124 Partien in 44 Tagen, angefangen mit vier Nachholpartien vom 25. Spieltag, das Saisonfinale ist für den 2. August vorgesehen - bis dahin muss jedes Team also etwa alle drei Tage spielen. Die ursprünglich im Hygienekonzept vorgesehene 14-tägige Quarantäne für die komplette Mannschaft im Fall eines positiven Corona-Tests kassierte Italiens Gesundheitsminister Roberto Sperenza kurz vor dem Start wieder ein - dies hätte den eng getakteten Spielplan wohl sofort zum Kollabieren gebracht.

"Dieser Regierungsbeschluss ist ein wichtiger Schritt, damit die Meisterschaft zu Ende geführt werden kann", sagte Italiens Verbandschef Gabriele Gravina. Zugleich appellierte er, wohl auch unter dem Eindruck der Bilder aus Neapel, an das "Verantwortungsbewusstsein aller, angefangen bei den Fans, sich so zu verhalten, dass die unternommenen Anstrengungen nicht zunichte gemacht werden“.

Verbandschef Gravina will Fans in Stadien lassen

Nach dem Willen Gravinas sollen im Juli sogar wieder Zuschauer in die Stadien dürfen, obwohl Italien erst gerade einmal damit angefangen hat, die strengen Ausgangsbeschränkungen zu lockern. Seit Anfang der Woche sind Theater und Kinos wieder geöffnet, auch der Fußball soll wieder für ein Stück mehr Normalität sorgen.

Kritik an Juventus - und Ronaldo

Die Fans dürfen sich in jedem Fall auf ein spannendes Titelrennen freuen: Abomeister Juventus, dem Rest der Liga in den vergangenen Jahren immer weiter enteilt, hatte bei den zwei K.o.-Spielen im Pokal deutliche Anlaufschwierigkeiten. Vor allem für Cristiano Ronaldo hagelte es Kritik in den italienischen Medien, der portugiesische Superstar wirkte nach drei Monaten Pause körperlich nicht auf der Höhe. "Er hat Probleme, er kann nicht einen Gegner umdribbeln", sagte Ex-Nationalspieler Luca Toni bei "Rai Uno".

In der Liga hat Tabellenführer Juve gerade einmal einen Punkt Vorsprung auf Lazio. Auch Inter, das am Sonntagabend (21.062020) gegen Sampdoria einsteigt, ist mit einer Partie weniger in Lauerstellung. Die "Nerazzuri" lagen vor der Unterbrechung der Serie A im Februar noch gleichauf mit Juve und Lazio, verloren dann aber beide Partien gegen die direkten Konkurrenten.

Kampfansage von Inter-Coach Conte

Inter-Trainer Antonio Conte kündigte an, nochmals voll anzugreifen. "Wenn ich etwas Positives an der ganzen Situation finden müsste, dann dass wir die Möglichkeit hatten, die ersten Monate der Saison zu überprüfen. Wir haben die Pause genutzt, um uns zu verbessern", so Conte. Und er fügte hinzu: "Ich habe große Lust, dass es wieder losgeht. Und auch die Spieler brauche ich nicht zu motivieren."

red/dpa/sid | Stand: 19.06.2020, 12:32

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