David Beckham will den US-Fußball aufmischen

David Beckham (r.) im Gespräch mit Luis Robles im Stadion von Inter Miami.

MLS startet in die neue Saison

David Beckham will den US-Fußball aufmischen

Von Jörg Strohschein

Die Major League Soccer (MLS) startet in die neue Saison. Erstmals mit dabei ist der Inter Miami CF. Das ist der neue Klub von David Beckham, der in Florida als Investor und sportlicher Berater auftritt.

Wer will, kann sofort zugreifen. Das Heimtrikot von Inter Miami CF gibt es im Online-Shop zu kaufen. Dabei wird das erste Heimspiel der Vereinsgeschichte erst am 14. März stattfinden. Dann wird sich der von Fußball-Ikone David Beckham neu in die Welt gesetzte Klub gegen die LA Galaxy erstmals auf heimischen Rasen seinen Zuschauern präsentieren - zumindest fast. Denn die Spielstätte ist in den nächsten zwei Jahren erst einmal im direkt benachbarten Fort Lauderdale angesiedelt. Der neue Miami Freedom Park mitsamt Stadion für 25.000 Zuschauer, unmittelbar am Flughafen der Millionenmetropole gelegen, wird gerade noch gebaut.

Doch das ist alles Zukunftsmusik. Am 1. März geht es für das Beckham-Team endlich los. Mit einem Auswärtsspiel beim Los Angeles FC. Sieben Jahre hat es gedauert, bis der Engländer dieses Franchise-Projekt in die Realität umsetzen konnte. "Als wir in Miami anfingen, dachte ich, es wird ein oder zwei Jahre dauern. Und wir werden in unserem Stadion mit großen Spielern in der MLS spielen. Es hat etwas länger gedauert. Aber nun sind wir hier", sagte Beckham beim Kickoff-Termin in New York. Es handelt sich bei dem Projekt Inter Miami FC um ein Investment von rund einer Milliarde Dollar.

Beckham vor MLS-Start: "Werden für unsere harte Arbeit belohnt" Sportschau 27.02.2020 00:57 Min. Verfügbar bis 27.02.2021 Das Erste

Fußball ist in den USA größer geworden

Miami und Fußball?  Das hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Der Miami FC spielte in den vergangenen Jahren eher zweitklassig. In Deutschland dürften aber eher noch die Fort Lauderdale Strikers bekannt sein, die einst in der NASL (North American Soccer League) spielten. Dorthin "floh" einst, im Jahr 1979, der Bomber der Nation Gerd Müller, nachdem er bei den Bayern von Trainer Pal Csernai als nicht mehr gut genug betracht wurde.

Doch Fußball ist in den USA mittlerweile zu einer größeren Sache geworden. In der Saison 2018 kamen durchschnittlich 21.873 Zuschauer zu den MLS-Partien. Insgesamt waren es rund 8,6 Millionen Zuschauer. Zum Vergleich: In der Bundesliga-Saison 2018/19 waren durchschnittlich 43.467 Zuschauer live vor Ort und insgesamt besuchten rund 13,3 Millionen Fußballfans die Spiele. Aber: Soccer lebt in den USA vor allem von großen Namen.

Für die abgewanderten Superstars wie Zlatan Ibrahimovic, Wayne Rooney oder Bastian Schweinsteiger sind die Zuschauer in der Vergangenheit in die Stadien gekommen. Wenn im Sommer Real Madrid und der FC Barcelona im Hard Rock Stadium in Miami zu einem Freundschaftsspiel zusammenkommen, dann strömen auch 65.000 Fußballfans, um sich zu überaus hohen Preisen die beiden europäischen Spitzenklubs live anschauen zu können.

Beckhams Kontakte nach Europa

Doch momentan ist das Starsegment in der MLS ausgedünnt. Bei Inter Miami CF ist der größte Star im Kader Rodolfo Pizarro mit einem Marktwert von rund zehn Millionen Euro, der seine Karriere bislang in Mexiko verbrachte. Für die große mexikanische Gemeinde in Miami sicher eine attraktive Verstärkung.

Für die Strahlkraft über die bundesstaatlichen Grenzen hinaus aber eher weniger relevant. Doch in diese Bresche könnte David Beckham mit seinen herausragenden Kontakten in den europäischen Spitzenfußball springen und in der nächsten Zeit den einen oder anderen Star in die USA locken - womöglich sogar Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi?

Ziel im Premieren-Jahr ist der Titel

Der mittlerweile 44 Jahre alte Beckham hat sich mit seinem Inter Miami FC jedenfalls einiges vorgenommen. "Wir wollen zu einem der gefürchtetsten und besten Vereine dieser Liga werden", sagt der ehemalige England-Kapitän. Vorbild soll dabei Atlanta sein, dass gleich im zweiten MLS-Jahr den Titel gewinnen konnte. Der sportliche Ehrgeiz Beckhams ist groß geblieben: "Eines habe ich von Sir Alex Ferguson gelernt: Es geht nicht immer nur darum, die größten Namen in ein Team zu bringen, es müssen die richtigen Spieler sein." So ganz ohne Glamourfaktor wird es in der Zukunft in der MLS wohl noch nicht funktionieren.

Gerome Kiesewetter, gebürtiger Berliner und Angreifer des Miami-Teams, macht dann auch die Zielsetzung für die erste Spielzeit des Klubs klar: "Wir wollen dieses Jahr Meister werden, da wird es keine Anlaufzeit geben", sagte der ehemalige Profi unter anderem von Fortuna Düsseldorf.

Stand: 27.02.2020, 13:32

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