Einsatzleiter der Hillsborough-Katastrophe freigesprochen

Eine temporäre Gedenkstätte zur Hillsborough-Katastrophe (Archivbild aus 2015)

Urteil zur Hillsborough-Katastrophe von 1989

Einsatzleiter der Hillsborough-Katastrophe freigesprochen

Der Einsatzleiter der Hillsborough-Katastrophe ist freigesprochen worden - mehr als 30 Jahre nach der verheerenden Massenpanik im Hillsborough Stadium in Sheffield mit 96 Toten und 766 Verletzten. Angehörige der Opfer reagierten enttäuscht.

Nach einem sechswöchigen Prozess erklärte ein Gericht im nordenglischen Preston den inzwischen 75 Jahre alten Polizisten David Duckenfield für nicht schuldig. Duckenfield war "grobe fahrlässige Tötung" vorgeworfen worden. Die Anklage hatte ihn für 95 der insgesamt 96 Todesfälle beim FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest in Sheffield 1989 verantwortlich gemacht.

Vor allem die Angehörigen der verstorbenen Liverpool-Fans hatten jahrelang dafür gekämpft, die ihrer Ansicht nach Schuldigen vor Gericht zu sehen. Entsprechend enttäuscht fielen nach dem Urteil die Reaktionen aus.

Hillsborough-Katastrophe: Jahrestag ohne endgültige Aufarbeitung sport inside 17.04.2019 09:33 Min. Verfügbar bis 17.04.2020 WDR

FC Liverpool reagiert

"96 Menschen sind gestorben. Ich würde gerne wissen, wer für den Tod meines Vater verantwortlich ist, denn irgendjemand muss es sein", sagte Christine Burke, Tochter des in Sheffield umgekommenen Henry Burke. Der FC Liverpool teilte mit: "Wir teilen den Frust der Angehörigen und Betroffenen."

Gedränge und Massenpanik

Vor dem Halbfinale am 15. April 1989 zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest war es zu einem Gedränge und einer Massenpanik gekommen. Dabei wurden "Reds"-Anhänger im Gästeblock zu Tode gequetscht.

Die Polizei hatte acht Minuten vor Anpfiff ein Tor geöffnet, weil auch vor dem Stadion wartende Zuschauer gegen einen Zaun gedrückt wurden. So strömten viel zu viele Fans auf die ohnehin überfüllte Liverpool-Tribüne. Das letzte Opfer starb mehr als ein Jahr nach der Katastrophe und konnte rechtlich nicht mit dem Fall in Verbindung gebracht werden.

David Cameron entschuldigte sich

Über Jahrzehnte kämpften die Angehörigen um Gerechtigkeit. Mit Erfolg: Im September 2012 stellten Experten fest, dass 41 der 96 Toten hätten gerettet werden können. Der damalige Premierminister David Cameron entschuldigte sich "im Namen des ganzen Landes".

Seither beschäftigten sich die Gerichte mit der Rolle der Polizei. Im Fokus stand Einsatzleiter Duckenfield. Belangt wird er nach dem Urteil des Preston Crown Court aber wohl nicht mehr.

sid | Stand: 29.11.2019, 09:36

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