Fußball trotz Corona - Bedenken bei Spielern in den USA

Der Spieler Jeff Larentowicz von Atlanta United

Major League Soccer startet

Fußball trotz Corona - Bedenken bei Spielern in den USA

In den USA gibt es in der Coronavirus-Pandemie hohe Infektionszahlen, trotzdem soll die Fußballliga am Mittwoch (08.07.2020) ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen. Einige Spieler äußerten Bedenken, Dallas wurde wegen zu vieler positiver Tests sogar aus dem Turnier ausgeschlossen, auch Nashville droht der Ausschluss.

Vom 8. Juli bis 11. August sollen die 26 Mannschaften der Major League Soccer (MLS) in Disney World in Orlando/Florida im Turnierformat den Meister ermitteln. Doch gerade in Florida spitzt sich die Lage in der Coronavirus-Pandemie zu.

Zahlreiche Neuinfektionen in Florida

Die USA meldeten zuletzt mehrmals rund 50.000 Neuinfektionen pro Tag - mehr als je zuvor. Einen Großteil davon macht Florida aus, wo das Turnier der Fußballer stattfinden soll. Dort gab es am Samstag rund 11.000 bestätigte Neuinfektionen, am Sonntag 10.000. Insgesamt haben sich 200.000 Menschen in dem Bundesstaat infiziert, wie Daten der Universität Johns Hopkins aus Baltimore zeigen. Das sind ungefähr so viele wie in Deutschland - die Einwohnerzahl in Florida beträgt allerdings im Vergleich nur ein Viertel. Insgesamt gab es in den USA bisher fast drei Millionen bestätigte Infektionen.

"Da sich alle 26 Teams an einem Ort befinden, können wir die Sicherheit der Spieler, Trainer und Mitarbeiter gewährleisten", sagte MLS-Commissioner Don Garber am 11. Juni, als die Entscheidung für das Turnier gefallen war. Die Lage hat sich für Florida und für die Liga seitdem allerdings deutlich verdüstert, denn das erste Spiel ist schon verschoben.

US-Fußball kommt zurück - Stars fehlen

Sportschau 08.07.2020 01:07 Min. Verfügbar bis 08.07.2021 ARD Von ARD-Reporterin Katrin Brand

Zu viele Corona-Fälle - Dallas ausgeschlossen

Sechs Profis des FC Dallas waren bei ihrer Ankunft in Orlando positiv getestet worden. Das Auftaktspiel des Klubs gegen die Vancouver Whitecaps sollte am kommenden Donnerstag stattfinden und wurde nun auf unbestimmte Zeit verlegt. Die gesamte Delegation musste sich in ihren Hotelzimmern im Walt Disney World Swan & Dolphin Resort in Quarantäne begeben.

Ohne Erfolg. Am Montag gab es schon insgesamt 14 Teammitglieder (13 Spieler, ein Trainer), die positiv auf Corona getestet wurden. Die MLS entschied daraufhin, dass Dallas nicht an dem in der Nacht zu Donnerstag beginnenden Turnier teilnehmen darf.

Auch Nashville droht der Ausschluss

Auch das Auftaktspiel des SC Nashville gegen den früheren Schweinsteiger-Klub Chicago Fire wurde zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben, nachdem fünf Spieler des Teams aus Tennessee seit der Ankunft in Florida positiv und vier weitere mit unklarem Ergebnis getestet worden waren. Wie die MLS mitteilte, werde die Teilnahme der Mannschaft überprüft.

Verlegt wurde zudem das für Donnerstag angesetzte Auftaktspiel des deutschen Profis Julian Gressel und seines Teams D.C. United gegen den FC Toronto. Da Toronto wegen eines Mitarbeiters mit Corona-Symptomen erst im dritten Anlauf nach Orlando fliegen konnte, findet das Spiel nun erst am Sonntag statt. 

Spieler: "Positive Tests vergrößern die Angst"

All das nährt die Bedenken mancher Spieler zusätzlich. "Wir waren schon besorgt, als wir in diese blasenartige Umgebung gekommen sind", zitiert "ESPN.com" einen namentlich nicht genannten Spieler. Nun kämen die positiven Tests bei Dallas gleich in den ersten Tagen. "Das vergrößert die Angst in dieser schwierigen Situation."

Definitiv nicht auflaufen wird Carlos Vela, der wertvollste Spieler und Torschützenkönig der vergangenen Saison. Der Profi vom FC Los Angeles verzichtet aus Sorge um die Gesundheit seiner schwangeren Frau freiwillig auf die Teilnahme.

Fans von Inter Miami verabschieden ihre Spieler Richtung MLS-Turnier.

Fans von Inter Miami verabschieden ihre Spieler Richtung MLS-Turnier.

Schon bei der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs hegten Spieler Zweifel. "Sie haben das Leben von 2.000 Menschen in der Hand, sie sollten also vorbereitet sein", sagte Jeff Larentowicz von Atlanta United laut der Nachrichtenagentur AP mit Blick auf die Organisatoren. "Jetzt ist es ihre Aufgabe, uns zu schützen. Wir spielen einen Kontaktsport und das Virus ist eine ernste Sache, die uns alle in Gefahr bringt." Einige Fangruppierungen kritisierten den Spielbetrieb, bei Inter Miami beispielsweise gab es dagegen eine euphorische Verabschiedung der Mannschaft zum Turnier.

Ende Juni hatte die MLS mitgeteilt, dass seit Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs insgesamt 18 Spieler und sechs Betreuer positiv getestet worden seien. 668 Profis waren nach Angaben der MLS seit Anfang Juni regelmäßig getestet worden. Bei Twitter veröffentlichte die Liga ein Video, in dem mehrere Spiele die Zustände und Abläufe loben.

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Das Turnier: Ohne Fans in Disney World

Die Turnierspiele sollen ohne Fans im Sportkomplex von Disney World nahe Orlando ausgetragen werden. Auch die NBA will dort ihre Saison zu Ende bringen. Geplant ist bei den Fußballern eine Gruppenphase: Im Osten gibt es eine Gruppe mit sechs Mannschaften und zwei Gruppen mit vier Teams. Die Western Conference ist in drei Gruppen mit jeweils vier Mannschaften unterteilt. Die Teams auf den ersten beiden Plätzen und die vier besten Gruppendritten erreichen das Achtelfinale.

Alle Partien werden ohne Zuschauer ausgetragen, zudem dürfen die Teams durch die in vielen Wettbewerben aufgenommene Ausnahmeregelung fünf Spielerwechsel pro Spiel durchführen. Die MLS hatte ihren Spielbetrieb am 12. März unterbrochen, damals hatten die Teams jeweils zwei Spiele absolviert.

Debatte um Rassismus und Polizeigewalt auch im Fußball

Mehr als 70 schwarze Spieler schlossen sich derweil zum Kampf gegen Rassismus zusammen. In Folge der Proteste nach der Tötung von George Floyd bei einer Festnahme durch einen Polizisten haben sie die die "Black Players Coalition" gegründet. Diese habe das Ziel, "sich an die Seite all jener zu stellen, die den Rassismus in der Welt des Fußballs bekämpfen".

Die MLS sicherte ihre Unterstützung zu. Der Fußballverband der USA hatte zuvor ein Protestverbot für seine Spielerinnen und Spieler gekippt. Die Sportler können damit während der Hymne protestieren und sich beispielsweise hinknien.

nch/sid/dpa | Stand: 08.07.2020, 11:55

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