Umstrittene Lücke in Ungarns Grenzen für den UEFA Super-Cup

Die Puskas Arena beim ungarischen Pokalfinale

Bayern München - FC Sevilla in Budapest

Umstrittene Lücke in Ungarns Grenzen für den UEFA Super-Cup

Von Chaled Nahar

Ungarn hat seine Grenzen wegen der Corona-Pandemie für Menschen aus dem Ausland geschlossen. Trotzdem verkauft die UEFA nun Eintrittskarten für ihren Super-Cup zwischen Bayern München und dem FC Sevilla in Budapest - die Fans beider Klubs dürfen unter zahlreichen Vorgaben anreisen. Die politische Opposition fordert eine Absage des Spiels.

Die sozialistische Oppositionspartei MSZP übt deutliche Kritik an dem für den 24. September geplanten Super-Cup in der Puskas-Arena in Budapest. "Wir fordern, dass Ministerpräsident Viktor Orban und seine Regierung dieses Spiel sofort absagen", sagte die Abgeordnete Bangone Borbely Ildiko laut "Hungary Today". "Wenn die Gesundheit und der Schutz der ungarischen Bevölkerung an erster Stelle stehen, dann ist es keine Frage: Ungarn kann dieses Spiel nicht austragen." Die Infektionszahlen waren in Ungarn im Sommer zunächst deutlich zurückgegangen. Seit Ende August werden wieder deutlich mehr Infektionen festgestellt. Nach aktuellem Stand findet das Spiel trotz dieser Entwicklung statt.

Ungarn schließt die Grenzen - mit einer Lücke für die UEFA

Weil die Zahlen derart steigen, dürfen seit dem 1. September 2020 Menschen aus dem Ausland eigentlich nicht mehr nach Ungarn einreisen. Kritiker sagen: Ministerpräsident Orban gehe es um nationalistische Zeichensetzung und nicht um Infektionsschutz. Offiziell heißt es aus Ungarn, man wolle das Risiko der Einschleppung des Coronavirus verkleinern. Die Anordnung solle zunächst einen Monat lang gelten - doch das Spiel um den UEFA Super Cup ist für 24. September geplant, und zwar mit Zuschauern aus dem Ausland.

Wenig später folgte die Einführung einer Ausnahmeregelung. Seit dem 5. September 2020 ist "für Zuschauer internationaler Sportereignisse und kultureller Veranstaltungen" eine Einreise für maximal 72 Stunden möglich, heißt es auf den Seiten des Auswärtigen Amtes in den Reise- und Sicherheitshinweisen zu Ungarn. Es ist für die UEFA die entscheidende Lücke in den eigentlich geschlossenen Grenzen.

Das Spiel sollte eigentlich in Portugal stattfinden

Das Spiel war ursprünglich an Portugal vergeben worden, es sollte in Porto ausgetragen werden. Mitte Juni, als die UEFA die Austragung der Champions League in Form eines Finalturniers in Portugal beschloss, bekam Ungarn den Super-Cup. "Wir werden nützliche Erkenntnisse aus dem Spiel ziehen", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin kürzlich bei der Generalversammlung der Klubvereinigung ECA. "Bezüglich der Sicherheit der Menschen werden wir keinerlei Risiken eingehen", wurde Ceferin zuvor in einer Pressemitteilung der UEFA zitiert.

Die Zusammenarbeit zwischen der UEFA und Ungarn ist eng. Das Land stellt der UEFA neutrale Spielorte bereits, falls es Schwierigkeiten wegen Corona in der Europapokal-Qualifikation gibt, ein Spiel aus der Champions League fand bereits in Budapest statt. Zudem sollen in der Puskas-Arena auch vier Spiele der in das Jahr 2021 verschobenen EM stattfinden. Nun verschafft Ungarn der UEFA im Super-Cup weitreichende Möglichkeiten, um eine Rückkehr der Fans auf die Tribünen zu testen.

Fehlversuch mit Fans im Stadion beim ungarischen Pokalfinale Anfang Juni

Der Milliardär Sandor Csanyi, laut Medienberichten reichster Mensch Ungarns, führt den Fußballverband des Landes. Zudem ist er Vizepräsident bei der FIFA und bei der UEFA. Er sagte nach der Vergabe des Super-Cups nach Budapest: "Mit dieser Entscheidung erkennt die UEFA an, dass Ungarn nach dem Ausbruch des Coronavirus die Wiederaufnahme des Spielbetriebs maßgeblich vorangetrieben hat." Nicht immer mit Erfolg, ein erster Versuch in Ungarn schlug deutlich fehl.

Anfang Juni durften im selben Stadion 10.000 Menschen das Pokalfinale Ungarns verfolgen, Abstandsregeln wurden kaum eingehalten, hinter einem Tor entstand eine klassische Fankurve. Umso klarere Vorgaben wurden nun für den Super-Cup formuliert.

Fans müssen am Eingang ihre Körpertemperatur messen lassen

Die Puskas-Arena in Budapest ist der Austragungsort, rund 30 Prozent der eigentlich 67.155 Plätze des Stadions werden laut UEFA genutzt - also etwa 20.000. Jeweils bis zu 3.000 Fans beider Mannschaften dürfen zu dem Spiel kommen. Und sie müssen vor, während und nach ihrem Stadionbesuch zahlreiche Bedingungen erfüllen:

  • Jeder Fan muss einen Abstand von 1,5 Metern zu anderen Zuschauer einhalten.
  • Auf dem Stadiongelände gilt zu jeder Zeit eine Maskenpflicht.
  • Fans sollen sich möglichst häufig die Hände waschen und/oder desinfizieren.
  • Beim Zutritt müssen sich Fans ihre Körpertemperatur messen lassen - ist sie höher als 37,8 Grad, dürfen sie nicht hinein.
  • Wer typische Symptome Covid-19 aufweist (beispielsweise trockener Husten oder Fieber), darf nicht ins Stadion kommen.
  • Die UEFA teilte die Sitzplätze so zu, dass der Abstand zu anderen Fans gewahrt bleibt, weshalb jeder Fan den auf der Eintrittskarte angegebenen Platz nutzen muss.
  • 72 Stunden nach der Einreise haben alle Fansdas Land wieder zu verlassen.
  • Wer eine Eintrittskarte gekauft hat, aber in den 14 Tagen vor dem Spiel positiv getestet wurde oder Kontaktperson eines infizierten Menschen war, darf nicht ins Stadion - bekommt in diesem Fall aber sein Geld zurück.

Sowohl Bayern München als auch der FC Sevilla ergriffen die Chance und vermittelten ihren Fans unter dem Hinweis auf die Vorkehrungen die jeweils bis zu 3.000 Karten.

Eintrittspreise UEFA Super-Cup
KategoriePreis
1120 Euro
260 Euro
330 Euro
Menschen mit Behinderung30 Euro

Organisierte Bayern-Fanszene bleibt dem Spiel fern

Die organisierte Szene der Bayern-Fans wird dem Spiel nach Informationen der Sportschau weitgehend fernbleiben und zumindest nicht als Gruppe auftreten. Sie will erst bei einer vollständigen Öffnung der Stadien in die Kurve zurückkehren. In Budapest werden natürlich trotzdem zahlreiche Fanklubs der Bayern und sogenannte "Allesfahrer" sein, die nach Möglichkeit kein einziges Spiel ihres Klubs auslassen.

Ein Spiel auszulassen kommt auch für die UEFA kaum in Frage. Präsident Ceferin sagte, er hoffe, dass die UEFA den Super-Cup als einen "Startschuss für die Rückkehr der Zuschauer zu unseren Spielen nutzen" könne.

Zuschauer zurück im Stadion - Ungarn legt vor Sportschau 01.06.2020 00:53 Min. Verfügbar bis 01.06.2021 Das Erste

Stand: 10.09.2020, 15:29

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