FC Basel vor süß-saurem Pokalsieg

Spieler des FC Basel

Kuriose Qualifikation

FC Basel vor süß-saurem Pokalsieg

Von Chaled Nahar

Der Schweizer Pokalsieger qualifiziert sich wie viele andere Pokalsieger für die Gruppenphase der Europa League. Für den FC Basel könnte am Sonntag aber ein süß-saurer Pokalsieg anstehen, denn er würde nur in die Qualifikation der Champions League führen - ein kurioser Fall.

"Das ist ein Witz", sagt Marco Streller im schweizerischen Portal "watson.ch". Der Sportchef des FC Basel ist sauer darüber, dass er am Ende der Saison ohne die sichere Qualifikation für die Gruppenphase eines der beiden europäischen Klubwettbewerbe da stehen wird - selbst wenn der FCB am Sonntag (19.05.2019) in Bern gegen den FC Thun den Schweizer Pokal gewinnen und sich damit eigentlich für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert haben sollte.

Schwierige Qualifikation statt sicherer Platz

Das Problem: Die UEFA fordert, dass ein für die Champions League qualifizierter Verein auch dort spielt. Der FC Basel, der vor dem vorletzten Spieltag als Tabellenzweiter feststeht, hat über die Schweizer Liga die 2. Qualifikationsrunde der Champions League bereits sicher - und kommt dort nun nicht mehr raus, auch als Pokalsieger nicht. So fordern es die Regularien der Europa League unter Artikel 3.04.

Um in die Gruppenphase der Champions League zu kommen, müssten die Basler aber noch die 3. Qualifikationsrunde und die Playoffs überstehen. Die möglichen Gegner auf dem Weg klingen nicht gerade einfach: PSV Eindhoven, Benfica Lissabon oder Schachtar Donezk sind dabei.

Eine Niederlage in der 2. Qualifikationsrunde der Champions League würde zwar zurück in die Europa League führen. Jedoch nicht in die Gruppenphase - obwohl Basel diesen Platz als Pokalsieger am Sonntag eigentlich erspielen könnte. Basel würde dann in die 3. Qualifikationsrunde der Europa League abrutschen. Dort warten beispielsweise Sporting Braga oder Feyenoord Rotterdam.

Und Basel hat schlechte Erfahrungen mit diesen Qualifikationsrunden: In der vergangenen Saison scheiterte der FCB als Tabellenzweiter auf einem ähnlichen Weg (wenn auch ohne Pokalsieg) an Apollon Limassol in der Qualifikation zur Europa League.

Streller: "Anliegen kleiner Klubs interessieren nicht"

Sportchef Marco Streller

Marco Streller macht deutlich, dass er den sicheren Platz in der Gruppenphase der Europa League dem Start in der Qualifikation der Champions League vorgezogen hätte. "Dass die UEFA die Champions-League-Qualifikation höher bewertet als einen fixen Startplatz in der Europa League, zeigt, dass Anliegen kleiner Klubs auf dieser Ebene niemanden interessieren", sagt er bei "watson.ch": "Das wären sichere Einnahmen gewesen von cirka zehn Millionen. Ich kann das nicht verstehen, aber auch nicht ändern."

Der Dritte steht besser da als der Zweite

So entsteht möglicherweise die kuriose Situation, dass der Tabellendritte der Schweiz besser gestellt ist als der Tabellenzweite, der zudem den Pokal gewonnen haben könnte. Denn der Tabellendritte bekommt den Platz, der aus dem Pokal an die Liga zurückfällt, falls Basel das Finale gegen Thun gewinnt. Nutznießer ist einer von mehreren Klubs, die alle noch Dritter werden können. Und Mitleid dürfte von denen keiner haben: Denn der FC Basel ist das finanzielle Schwergewicht im Schweizer Fußball, für die meisten anderen bedeutet der Platz in der Gruppenphase der Europa League rund die Hälfte des Saisonetats.

Basels Sportchef Marco Streller versucht, den möglichen Titelgewinn trotzdem positiv zu verkaufen: "Es ist ein Titel, kein Trostpreis. Wir brennen alle so extrem auf diesen Match am Sonntag."

Stand: 18.05.2019, 16:49

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