Die verwirrende Welt der Fußballpreise

Der Ballon d'Or

Ballon d'Or und Weltfußballer

Die verwirrende Welt der Fußballpreise

Am Montagabend (02.12.2019) werden mit dem Ballon d'Or der weltbeste Fußballer und die weltbeste Fußballerin geehrt. Das hatte die FIFA allerdings im September auch schon getan. Welcher Preis woher kommt und welche Bedeutung hat, ist schwierig zu durchblicken.

Ballon d'Or oder die FIFA-Auszeichnung "The Best"? Die Preise haben eine unterschiedliche wie gemeinsame Geschichte, die einigermaßen verwirrend ist. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden zudem unterschiedlich bestimmt und am Ende bleibt eine wichtige Frage unklar: Wer ist denn nun der oder die Beste?

1956 - 2006: Ballon d'Or nur in Europa

Der Chefredakteur der französischen Fußball-Zeitschrift "France Football", Gabriel Hanot, rief den Preis 1956 erstmals aus, der Engländer Stan Matthews, damals beim FC Blackpool, gewann ihn. Fünf Jahrzehnte lang wurde dabei "Europas Fußballer des Jahres" bestimmt, der aus Europa stammen und in Europa spielen musste. Erst ab 1995 durften auch Nicht-Europäer gewählt werden, die aber bei europäischen Klubs spielen mussten.

1991 - 2006: Der Weltfußballer der FIFA

Eine weltweite Wahl startete die FIFA 1991, die erste Auflage war die einzige, bei der mit Lothar Matthäus ein deutscher Spieler gewann.

2007 - 2009: FIFA und Ballon d'Or in Konkurrenz

Die Koexistenz von Welt- und Europapreis geriet 2007 ins Wanken. Der Ballon d'Or öffnete sich für alle Spieler aller Klubs der Welt, es gab drei Jahre lang zwei Auszeichnungen. Immerhin gewannen mit Kaká, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi jeweils dieselben Spieler.

2010 - 2015: Heirat zum FIFA Ballon d'Or

Beide Veranstalter rauften sich schließlich zusammen und vergaben einen gemeinsamen Preis mit dem logischen Namen FIFA Ballon d'Or. Die Vernunft schien gesiegt zu haben, doch nach wenigen Jahren trennten sich der Verlag der französischen Fußballzeitschrift und die FIFA wieder.

2016 bis heute: "The Best" und Ballon d'Or

Seitdem gibt es wieder zwei Preise. 2016, 2017 (beide Cristiano Ronaldo) und 2018 (Luka Modric) gewannen jeweils dieselben Spieler. Dass Lionel Messi im September den FIFA-Preis gewann, könnte also ein Fingerzeig für den Ballon d'Or sein.

2011 bis heute: Europa-Wahl durch die UEFA

Um die Verwirrung komplett zu machen, vergibt die UEFA seit 2011 auch noch einen Titel an Europas besten Fußballer, den 2019 Virgil van Dijk vom FC Liverpool gewann.

Frauen: FIFA und Ballon d'Or seit einem Jahr in Konkurrenz

Erst seit 2018 wird der "Ballon d'Or Féminin" für Frauen vergeben. Den Start kann man gelinde gesagt als holprig bezeichnen. Der Moderator Martin Solveig, ein französischer DJ, forderte die Preisträgerin Ada Hegerberg aus Norwegen in respektloser wie sexistischer Art auf, zu "twerken" (sinngemäß: mit dem Hintern zu wackeln).

Bei der FIFA, die seit 2001 die weltbeste Spielerin kürt, gewann Brasiliens Marta 2018 den Preis, 2019 war es Megan Rapinoe aus den USA. Letztere dürfte auch beim Ballon d'Or die Favoritin sein.

Welcher Preis ist nun was wert?

Viel "ich", wenig "wir" - Cristiano Ronaldo und fünf Mal der Ballon d'Or

Viel "ich", wenig "wir" - Cristiano Ronaldo und fünf Mal der Ballon d'Or

Abgesehen vom Namen unterscheiden sich die Preise bei der Stimmabgabe. Bei der FIFA bestimmen zu je einem Viertel die Nationaltrainer, die Kapitäne der Nationalmannschaften, etwa 200 Journalisten sowie Fans in einer Online-Abstimmung die Gewinnerinnen und Gewinner. Beim Ballon d'Or sitzen in der Jury ausschließlich Medienvertreter.

Fans und Spieler interessiert wohl jedoch höchstens das Ergebnis. Als etwas prestigeträchtiger gilt wohl noch aufgrund seines klangvollen Namens der Ballon d'Or. Cristiano Ronaldo und Lionel Messi gewannen die meisten Preise in den vergangenen Jahren und posierten gerne mit dem Ballon d'Or. Doch wie das in der Zukunft angesichts der Dopplung des eigentlich gleichen Termins sein wird, bleibt offen. Genau wie die Frage, wer denn nun der oder die Beste ist, wenn es doch zwei Preise gibt.

Wer nominiert ist

Mit Marc-André ter Stegen (FC Barcelona) und Dzsenifer Marozsan (Olympique Lyon) sind zwei Deutsche bei der Gala in Paris nominiert, die um 20.30 Uhr beginnt. Aus der Männer-Bundesliga ist alleine Robert Lewandowski von Bayern München dabei, aus der Frauen-Bundesliga Pernille Harder vom VfL Wolfsburg. Vorjahressieger Luka Modric zählt bei den Männern nicht zu den Nominierten, Ada Hegerberg bei den Frauen schon.

Zwei Preise zeitweilig auch in Deutschland

Der Fuxx, hier der Preis für Trainer

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Auch in Deutschland gab es ein Weilchen mal zwei Preise. Deutschlands "Fußballer des Jahres" wird seit 1960 von Sportjournalisten gekürt. Die Redaktion der SAT.1-Fußballsendung "ran" vergab einige Jahre lang aber auch den "Fuxx", einen Titel für den besten Spieler der Saison, in der Form eines goldenen X. Und das hatte im Jahr 2000 seine große Stunde.

Nachdem Bayer Leverkusen in Unterhaching durch Michael Ballacks legendäres Eigentor den Titel noch verspielt hatte, gab es eine für die Bayern selten spontane Meisterfeier. Den bekam Leverkusens Emerson, was der ebenfalls nominierte Bayern-Kapitän Stefan Effenberg in einer Schalte so kommentierte: "Wir haben den Pokal, wir haben die Meisterschaft, das ist viel mehr wert als dieses scheiß X da."

Stand: 02.12.2019, 08:30

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