Groteske Szenen in Turin: Juventus wartet auf einen Gegner, der nicht kommt

Vergeblicher Platzaufbau in Turin, Neapel durfte nicht anreisen

Coronavirus

Groteske Szenen in Turin: Juventus wartet auf einen Gegner, der nicht kommt

Juventus wusste, dass der SSC Neapel wegen einer Entscheidung der Behörden nicht zum Spiel anreisen können wurde - und stand trotzdem auf dem Platz. Das Spiel wird nun wohl gewertet.

Sie versuchten sich in Normalität. Juventus Turin veröffentlichte seine Startelf für das Spiel gegen den SSC Neapel am Sonntagabend (04.10.2020) in der Serie A, kam normal ins Stadion, twitterte Fotos von der Ankunft der Spieler. Im Fernsehbild der Serie A stand eine Grafik: "In Erwartung der Ankunft der Auswärtsmannschaft." Klar war vorher: Da kommt niemand, das Spiel wird wohl für Turin gewertet.

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Für diesen Fall kündigte Neapel an, rechtliche Schritte gegen die Liga einleiten zu wollen. Ein Beschluss des Sportgerichts zum Streit wird im Laufe des Montags erwartet.

Juve will sich die Punkte per Wertung sichern

Die Liga hatte am späten Samstagabend mitgeteilt, dass die Begegnung in Turin trotz der großen Unsicherheit nach den positiven Coronatests angesetzt bleibt. Um 20.45 Uhr hätte die Partie am Sonntag angepfiffen werden sollen. Das Schauspiel im Stadion hielt Juve ab, um die drei Punkte per Wertung nicht zu gefährden.

Die Gesundheitsbehörden hatten in Neapel die Abreise der Mannschaft des SSC nach Turin blockiert. Zwei Spieler und ein Klubmitarbeiter Neapels waren positiv getestet worden. Juve-Präsident Andrea Agnelli zeigte sich in einer Pressekonferenz unbeeindruckt: "Die Sportregeln sind klar: Wer nicht auftaucht, muss mit Disziplinarstrafen rechnen. Der Sportrichter wird morgen sprechen."

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Zählen die Richtlinen der Serie A oder die Entscheidung der Behörden?

Die Sichtweise der Liga: Die entsprechenden Richtlinien sähen für solche Fälle wie in Neapel vor, dass eine Mannschaft mit negativ getesteten Spielern anzutreten hätte. Die Serie A hatte jüngst beschlossen, dass Spiele erst dann verlegt werden können, wenn den Klubs weniger als 13 Profis zur Verfügung stehen oder zehn Corona-Fälle in einer Woche auftreten. In Neapel waren es aber nur drei positive Tests, davon zwei Spieler.

Der SSC Neapel hingegen betonte die Autorität der Gesundheitsbehörden in seiner Stadt, die eine Reise untersagt hatten. Der Klub schickte seine Profis in Heim-Quarantäne, die nur für die Fahrt zum und Teilnahme am Training unterbrochen werden soll.

Tatsächlich sind in Italiens Anti-Corona-Regeln für den Sport vereinzelte Infektionen kein Absagegrund. Bei verschiedenen Spielen war nach diesen Vorgaben auch verfahren worden. Im Gegensatz dazu war das Spiel zwischen dem FC Genua gegen FC Turin am Samstag abgesetzt worden, nachdem Genua 22 Corona-Fälle gemeldet hatte - davon 17 Spieler.

Corona: Fast 36.000 Tote in Italien

Italien war von der Pandemie ab Februar schwer getroffen worden. Nach einem strengen Lockdown blieben die Infektionszahlen lange niedrig. Mittlerweile steigen die Zahlen aber wieder stärker an. Am Samstag wurden von den Behörden mehr als 2.800 Neuinfektionen in 24 Stunden gemeldet, insgesamt sind es rund 325.000. An oder mit Corona sind in Italien fast 36.000 Menschen gestorben.

Laut Spielplan der Serie A empfängt Neapel nach der Länderspielpause am Samstag (17.10.2020, 15 Uhr) Atalanta Bergamo. Juventus soll am selben Tag um 20.45 Uhr beim FC Crotone Calcio antreten, knapp 400 Kilometer südlich von Neapel.

nch/sid/dpa | Stand: 05.10.2020, 10:17

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