Spanische Medien melden bedrohliche Finanzlage beim FC Barcelona

Das Camp Nou in Barcelona

Pleite droht

Spanische Medien melden bedrohliche Finanzlage beim FC Barcelona

Spanischen Medien zufolge steckt der FC Barcelona finanziell in erheblichen Schwierigkeiten, die hohen Ausgaben sind in der Coronakrise nicht mehr gedeckt. Nun sollen die Spieler auf Geld verzichten, um den Klub zu retten.

Dem katalanischen Radiosender RAC1 zufolge muss der Spitzenklub 190 Millionen Euro an Gehältern einsparen, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, die im Januar bevorstehen könnte. Dafür müsse eine Einigung mit den Spielern vor dem 5. November gefunden werden, so der Sender. Erste Gespräche mit den Anwälten der Fußballer habe es bereits gegeben. Zuletzt hatten die Profis nach Angaben mehrerer Zeitungen in Spanien einen Verzicht auf Teile ihres Gehalts abgelehnt.

Fast 500 Millionen Euro Schulden

Der gerade zurückgetretene Präsident Josep Bartomeu hatte zuletzt im großen Stil Schulden angehäuft. Nach aktuellen Angaben des Klubs betrug die Nettoverschuldung zuletzt bereits 488 Millionen Euro. Vor allem das Gehaltsniveau bei dem Spitzenklub ist hoch, in den vergangenen Jahren gab es aber auch immer wieder Transfers im ganz großen Stil: Seit 2017 kamen beispielsweise Philippe Coutinho für berichtete 145 Millionen Euro, Ousmane Dembélé für 130 Millionen Euro und Antoine Griezmann für 120 Millionen Euro. Den Berichten zufolge steht außerdem Lionel Messi, der den Klub eigentlich verlassen wollte, eine hohe Bonuszahlung zu, weil er sich in seinem letzten Vertragsjahr befindet.

Nur selten hielten die Einnahmen mit den Ausgaben mit, erst recht nicht in der Coronavirus-Pandemie. Die fehlenden Zuschauereinnahmen und die laut Medienberichten gekürzten Zahlungen von der UEFA bringen Barça nun in eine schwierige Lage. Auch Touristen, die Stadiontouren buchen, im Fanshop einkaufen und das Museum besuchen, waren eine Einnahmequelle. Auf dem Transfermarkt ist derzeit auch weniger Geld als sonst einzunehmen.

Teure Vertragsverlängerungen

Nach dem Rücktritt von Präsident Bartomeu hatte Vorstandschef Carles Tusquets gesagt: "Unser Hauptaugenmerk sind die Finanzen. Die Pandemie hat Barcelona besonders hart getroffen. Der Verein ist von den Zuschauern abhängig, und diese ganzen Einnahmen sind verloren."

Vor allem die Ausgaben für die Spieler hielt der Klub trotz allem aufrecht. Erst am 20. Oktober verlängerte der Klub noch mehrere Verträge von Spielern: Torwart Marc-André ter Stegen (bis 2025) sowie die Feldspieler Gerard Piqué (bis 2024), Frenkie De Jong und Clément Lenglet (beide bis 2026) erhielten neue Laufzeiten in ihren Verträgen.

Neuer Finanzplan rechnet mit Tourismus und vollem Stadion

Dabei hatte sich Finanzkrise schon am 5. Oktober angedeutet, als der Klub die Zahlen für sein Haushaltsjahr 2019/2020 präsentierte und einen Verlust von 97 Millionen Euro berichtete. Die Einnahmen seien um 203 Millionen Euro eingebrochen und hätten nur noch 855 Millionen Euro betragen. Der vor der Pandemie aufgestellte Finanzplan sah Einnahmen von mehr als einer Milliarde Euro vor.

Für das Haushaltsjahr 2020/2021 plant der Verein vorläufig mit Einnahmen von 781 Millionen Euro. Das wären gut 200 Millionen Euro weniger als im letzten Jahr vor der Pandemie, als 990 Millionen Euro eingenommen wurden.

Allerdings sind auch diese Planungen keinesfalls sicher: So geht der Finanzplan von einer Reihe von Hypothesen aus, etwa dass ab Dezember wieder 25 Prozent der Zuschauerplätze im Camp Nou besetzt werden dürften, dass dieser Anteil bis Februar auf 100 Prozent steige sowie der Tourismus wieder anziehe.

Flucht in die Super League?

Als Präsident Bartomeu zurücktrat, kündigte er bereits an, dass der Klub "in einer zukünftigen europäischen Superliga" mitspielen werde, die "die finanzielle Stabilität des Klubs garantiert". Die Errichtung einer "Super League" oder "European Premier League" wird immer wieder berichtet. Oft erwiesen sich derlei Planspiele in der Vergangenheit als Druckmittel der Spitzenklubs, um höhere Zahlungen durch die UEFA zu erhalten. Für die UEFA wäre eine solche Liga eine Gefahr, sie möchte die Champions League als Premiumwettbewerb des Klubfußballs bewahren.

Die "Super League" soll von der US-Bank JP Morgan mit fünf Milliarden Euro finanziert werden. Die Umsetzung solcher Pläne ist in der Corona-Pandemie für viele kriselnde Spitzenklubs daher attraktiv - sie könnte ein finanzieller Befreiungsschlag sein.

nch/dpa/sid | Stand: 31.10.2020, 23:23

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