Wie die FIFA Afrikas Fußball umbauen will

CAF-Chef Ahmad Ahmad (r.) mit FIFA-Präsident Gianni Infantino

Fußball-Weltverband

Wie die FIFA Afrikas Fußball umbauen will

Von Chaled Nahar

Die FIFA hatte zuletzt in Afrikas Fußballkonföderation nach einigen Skandalen die Geschäfte übernommen. Nun entlässt sie die CAF wieder in die Eigenständigkeit - fordert aber neue Stadien, eine Super-Liga und belebt einen alten Konflikt.

Die FIFA verkündete am vergangenen Samstag (01.02.2020) pünktlich das Ende ihrer auf sechs Monate angelegten Übernahme der CAF. FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura war seit Juli so etwas wie die Aufseherin der Konföderation, als Abgesandte des Präsidenten Gianni Infantino. In der CAF hatte es zuvor um den Präsidenten Ahmad Ahmad (im Bild rechts neben Infantino) einige Skandale und Vorwürfe um Korruption und sexuelle Übergriffe gegeben, Ahmad bestritt alles.

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Mit einer beispiellosen Maßnahme erledigte die FIFA seither mehr oder weniger die Amtsgeschäfte der CAF, Samoura galt als "Generaldelegierte" der FIFA. Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter verglich die Übernahme mit "Kolonialismus" und verwies darauf, dass die CAF nicht mal Mitglied der FIFA ist. Die Übernahme sei also ohne rechtliche Grundlage erfolgt. Doch sie fand statt - und die Folgen sind interessant.

Infantino fordert afrikanische Super-Liga

Denn am Samstag trat FIFA-Präsident Infantino in Marokkos Hauptstadt Rabat bei einer gemeinsamen Veranstaltung von FIFA und CAF auf. "Unser Ziel muss es sein, den afrikanischen Fussball an die Weltspitze heranzuführen", sagte Infantino. Dabei sprach er über die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens - und über Geld. Mit finanzstarken Partnern wolle man eine Milliarde US-Dollar generieren, um in jedem der 54 afrikanischen Verbände mindestens ein "erstklassiges Stadion" zu bauen. In dieser Rechnung stünden jedem Land allerdings nur knapp 19 Millionen US-Dollar für die Bauarbeiten zur Verfügung.

Infantino warb zudem für die Einführung einer afrikanischen Super-Liga mit 20 festen Mitgliedern und einigen wechselnden Qualifikanten. Jeder dieser 20 Klubs müsse zwar nochmal 100 Millionen US-Dollar investieren, aber diesen zusammengerechnet zwei Milliarden Dollar stünden mögliche Einnahmen von drei Milliarden US-Dollar in fünf Jahren aus dem neuen Wettbewerb gegenüber.

Afrika-Cup kehrt als Streitpunkt nach Europa zurück

All das steht auch im Plan der FIFA für die Zukunft Afrikas. Andere Änderungen betreffen jedoch auch Europa. Jahrelang war der Afrika-Cup von Ärger bei den Spitzenklubs Europa geprägt. Da das afrikanische Kontinentalturnier alle zwei Jahre im Januar/Februar stattfand, mussten die Vereine ihre Nationalspieler aus afrikanischen Ländern mitten in der Saison für das Turnier abstellen und selbst auf die Einsätze verzichten. Auch die Verletzungsgefahr war ein scheinbar ewiger Diskussionspunkt. 2017 entschied die CAF: Der Afrika-Cup soll künftig in der Sommerpause stattfinden, um mit dem europäischen Spielplan zu harmonieren. 2019 wurde der Wettbewerb im Juni und Juli in Ägypten ausgetragen.

Nun aber revidierte die CAF unter Anleitung der FIFA diese Maßnahme, 2021 in Kamerun soll der Wettbewerb wieder im Januar und Februar stattfinden. Man berief sich auf die "klimatischen Bedingungen". In Afrika kennt man allerdings das Klima Afrikas schon lange, und so liegt zumindest nahe, dass auch ein anderer Aspekt eine Rolle spielte: 2021 lädt die FIFA zu ihrer viel diskutierten Klub-WM mit 24 Mannschaften in China ein, die nun nur noch mit dem Gold-Cup der CONCACAF konkurrieren muss. Bei ihrer Klub-WM will die FIFA auf möglichst wenige Stars verzichten. Eine ungemeine Belastung oder unangenehme Entscheidung hätte beispielsweise auf Ägyptens Mo Salah vom FC Liverpool zukommen können.

Infantino sucht Kompromiss

Ein alter Konflikt kehrt somit zurück: "Eine Katastrophe" nannte Liverpools Trainer Jürgen Klopp die Rückkehr zum Wintertermin. Neben Salah wären in Liverpool auch Sadio Mané (Senegal) und Naby Keita (Guinea) betroffen. FIFA-Präsident Infantino schob zumindest hier einen Kompromiss an, indem er empfahl, dem Afrika-Cup künftig einen Rhythmus von vier statt bisher zwei Jahren zu geben.

Stand: 04.02.2020, 13:58

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