FC Fulham - mit cleveren Tricks zurück in die Premier League

Das Team vom FC Fulham feiert den Aufstieg in die Premier League

Sieg im Aufstiegs-Playoff gegen Brentford

FC Fulham - mit cleveren Tricks zurück in die Premier League

Von Hendrik Buchheister

Der FC Fulham ist nach einem Jahr Abwesenheit direkt wieder in die Premier League aufgestiegen. Das ist vor allem ein Triumph für Trainer Scott Parker. Entscheidender Mann im Aufstiegsfinale war ein Verteidiger.

Die erste Hälfte der Verlängerung war fast vorbei, als Fulhams Trainer Scott Parker mit seinem Linksverteidiger Joe Bryan einen tückischen Plan entwarf. Im Londoner Duell mit dem FC Brentford im Playoff-Finale um den letzten Aufstiegsplatz zur Premier League hatte die Mannschaft einen Freistoß bekommen, aus mehr als 30 Metern von der halblinken Seite. Ein hoher Ball in den Strafraum wäre die logische Option gewesen, doch Trainer Parker hatte eine andere Idee.

Er hatte beobachtet, dass Brentfords Torwart David Raya bei Freistößen aus dieser Lage immer etwas zu weit vorne steht, und wies Bryan deshalb an, den Ball direkt aufs Tor zu bringen. Diese Taktik hatte Erfolg. Bryan überrumpelte Raya und traf zum erlösenden 1:0.

Fulham gelingt der direkte Wiederaufstieg

Mit seinem gewagten Freistoß brachte er seine Mannschaft auf Kurs und schoss in der zweiten Hälfte der Verlängerung sogar noch ein zweites Tor. Brentford konnte in der Nachspielzeit nur noch den Anschluss herstellen. Durch den 2:1-Erfolg im leeren Wembley-Stadion kehrt der FC Fulham ein Jahr nach dem Abstieg direkt wieder in die Premier League zurück. Der FC Brentford dagegen sicherte sich einen Rekord, auf den er gerne verzichtet hätte. Schon zum neunten Mal scheiterte der Klub in verschiedenen Spielklassen in den Playoffs und muss weiter darauf warten, erstmals seit 1947 wieder im Oberhaus anzutreten.

Außerdem geht dem Verein viel Geld verloren, nämlich mindestens rund 160 Millionen Pfund (177 Millionen Euro) über die kommenden drei Saisons. Für den FC Fulham, der noch die Hilfszahlungen nach dem Abstieg vor einem Jahr bezieht, ist die Wiedereingliederung in die Premier League rund 135 Millionen Pfund (150 Millionen Euro) wert.

Das "lukrativste Spiel im Weltfußball", wie das Playoff-Finale jedes Jahr genannt wird, verlief bis zu Bryans Freistoß-Trick in der Verlängerung ernüchternd unspektakulär. Brentfords gefürchteter BMW-Sturm (Benrahma, Mbeumo, Watkins) enttäuschte gegen einen diszipliniert verteidigenden Gegner. Fulham hatte die besseren Gelegenheiten, doch der letzte Zug fehlte. Das lag auch daran, dass Zweitliga-Torschützenkönig Aleksandar Mitrović nach einer Muskelverletzung noch nicht wieder richtig fit war und erst zur Verlängerung eingewechselt wurde. Glück hatte Fulham, dass Schiedsrichter Martin Atkinson nach Fouls von Harrison Reed in der ersten und Kapitän Tom Cairney in der zweiten Hälfte nur Gelb zeigte, obwohl auch Rot vertretbar gewesen wäre.

"Saison hätte nicht schwerer sein können"

Trainer Parker war nach dem Finale außerordentlich gerührt. "Die Saison hätte nicht schwerer sein können", sagte der 39-Jährige, und sprach bedeutungsvoll von "offenen Wunden" und "tiefen Problemen", die der Abstieg vor einem Jahr gebracht hatte. Fulham war damals mit einer teuer aufgemöbelten Mannschaft (und Leihspieler André Schürrle) krachend gescheitert.

Der Einstand für Trainer-Neuling Parker, der in aussichtsloser Lage von Claudio Ranieri übernahm, verlief traumatisch. Auch seine erste volle Spielzeit als Cheftrainer im Seniorensegment war kompliziert für den Ex-Profi, der in seiner aktiven Karriere neben Fulham unter anderen für den FC Chelsea, Newcastle United und Tottenham Hotspur gespielt hatte. Fulham war als Absteiger einer der Favoriten auf den direkten Aufstieg, musste aber Leeds United und West Bromwich Albion den Vorzug lassen. Der Druck in den Playoffs und im Finale gegen Brentford war groß für den Klub mit dem herrlichen Retro-Stadion Craven Cottage am Ufer der Themse. 

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Aufstieg nur als Zwischenschritt

Dass es geklappt hat mit der Rückkehr in die Premier League, deuten die Beteiligten als Erfolg des Charakters. "Wir waren fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn Mal abgeschrieben. Ich kann es nicht glauben, dass wir direkt wieder aufgestiegen sind", sagte Doppeltorschütze Bryan. Parker sprach davon, wie stolz er sei, dass er eine Mannschaft zurück ins Oberhaus geführt habe, "die vor einem Jahr noch schwer zu kämpfen hatte, auch psychologisch".

Der Aufstieg ist allerdings nur der erste Schritt für den einstigen englischen Nationalspieler. Der zweite ist es, die "Cottagers" wieder in der englischen Eliteliga zu etablieren. So, wie es von 2001 bis 2014 der Fall war, als der FC Fulham durchgehend erstklassig war und 2010 sogar das Finale der Europa League erreichte, unter anderem durch Erfolge über Juventus Turin, den VfL Wolfsburg und den Hamburger SV. Trickreich genug für die Premier League ist die Mannschaft auf jeden Fall. Das zeigte Verteidiger Joe Bryan mit seinem Freistoßtor.

Stand: 05.08.2020, 08:10

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