Frankreichs Verbandschef kritisiert Spielabbrüche wegen Homophobie

 Nizzas Wylan Cyprien (2.v.l.) diskutiert mit Schiedsrichter Clement Turpin (l.)

Nach Unterbrechung des Spiels in Nizza

Frankreichs Verbandschef kritisiert Spielabbrüche wegen Homophobie

In Frankreich sind Ende August zwei Fußballspiele wegen homophober Gesänge von Fans unterbrochen worden. Ausgerechnet Verbandspräsident Noël Le Graët hat dies nun kritisiert.

"Wir werden dafür sorgen, dass es keine Banner mehr in den Stadien gibt. Aber Spiele unterbrechen - nein", sagte der 77-Jährige dem französischen Nachrichtensender "Franceinfo": Er sei gegen Homophobie, aber Fußballspiele sollten nur bei rassistischen Vorfällen oder wegen Sicherheitsbedenken unterbrochen werden, sagte der Chef des Verbandes FFF. Am Dienstagabend (10.09.2019) schaltete sich sogar Staatspräsident Emmanuel Macron ein und erklärte bei "Franceinfo": "Hassreden, ob rassistisch oder homophob, müssen aufhören."

FIFA hält Schiedsrichter zu Unterbrechungen an

In den höchsten beiden französischen Spielklassen war es in dieser Saison bereits zu Unterbrechungen wegen homophober Banner und Gesänge gekommen - zuletzt bei der Partie des OGC Nizza gegen Olympique Marseille für zwölf Minuten. Zuvor war das Zweitligaspiel zwischen AS Nancy und dem FC Le Mans unterbrochen worden, nachdem es auf den Rängen homophobe Gesänge gegeben hatte. Der Weltverband FIFA hatte die Schiedsrichter zu diesem Verhalten angehalten.

Noël Le Graët: "…ich würde die Spiele nicht unterbrechen." Sportschau 11.09.2019 00:57 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 Das Erste

Cyprien: "Man kann nicht immer unterbrechen"

Marseilles Trainer André Villas-Boas sagte, der Schiedsrichter habe eine gute Entscheidung getroffen. Der Portugiese forderte die Liga auf, "diese Art von Problem zu regeln und mit Sanktionen zu reagieren". Nizzas Profi Wylan Cyprien sagte dagegen: "Man kann nicht alle Spiele jedes Mal wegen solcher Dummköpfe unterbrechen, sonst werden wir nie spielen."

Die Organisation Rouge Direct, die gegen Homophobie in den französischen Stadien kämpft, forderte Le Graët bei Twitter umgehend zum Rücktritt auf. Sprecher Julien Pontes forderte zudem "eine sehr entschlossene Reaktion" von Macrons Büro und von Sportministerin Roxana Maracineanu. Diese erinnerte Le Graët laut der Nachrichtenagentur AP an dessen Verantwortung an der Verbandsspitze "im Kampf gegen alle Formen der Diskriminierung".

sid/dpa | Stand: 11.09.2019, 09:35

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