WM 2026 - der Auflagenkatalog der FIFA für Ausrichter

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Steuerfreiheit, lockeres Arbeitsrecht und Sicherheitskosten

WM 2026 - der Auflagenkatalog der FIFA für Ausrichter

Von Cedrik Pelka

Bis Freitag (16.03.2018) müssen die endgültigen Bewerbungen für die Fußball WM 2026 bei der FIFA eingehen. Vom Gastgeber erwartet die FIFA Steuerfreiheit, Ausnahmen beim Arbeitsrecht und die Übernahme der Sicherheitskosten.

Tagesordnungspunkt 9: "Bewerbungsverfahren für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026" - passend zur Deadline ist der FIFA-Rat um Präsident Gianni Infantino am Freitag in Bogotá (Kolumbien) zusammengekommen. Neben Themen wie dem Videobeweis wollen die Vertreter auch über den aktuellen Stand der Bewerbungen sprechen. Marokko und ein Verbund aus den USA, Kanada und Mexiko möchten Gastgeber für die Weltmeisterschaft 2026 werden. Eine Entscheidung fällt frühestens am 13. Juni in Russland.

Die nationalen Fußballverbände, die sich um die Ausrichtung bewerben, haben sich bereits mit den umfassenden Auflagen der FIFA einverstanden erklärt. Der Weltfußballverband macht aus ihnen kein Geheimnis. Es gibt die Bedingung des Verbandes, "dass sich dieser die volle Unterstützung durch die nationalen, regionalen und kommunalen Behörden im jeweiligen Gastgeberland sichert, etwa in Form von Regierungsgarantien sowie Zusagen hinsichtlich operativer, steuerlicher und administrativer Unterstützung."

FIFA-Auflagen: Steuerfreiheit, unbegrenzter Geldtransfer, Beschneidugen im Arbeitsrecht

Die FIFA hatte das Dokument mit den Bedingungen schon Ende 2017 auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Mittlerweile ist die Meldung zwar etwas versteckt, aber immer noch aktuell. Konkret steht darin: Steuerfreiheit, Ausnahmen im Arbeitsrecht, unbegrenzter Geldtransfer und vieles mehr. Dies bedeutet in der Summe vor allem hohe Kosten für das Gastgeberland.

Steuerfreiheit

"Die Regierung muss der FIFA und bestimmten Drittparteien [...], eine beschränkte Steuerbefreiung gewähren." Sobald das Gastgeberland feststeht, muss die FIFA bis Ende 2028, also zwei Jahre nach der WM, keine Steuern zahlen. Das bedeutet, dass der Weltverband keine Steuern auf seine Einnahmen und Profite zahlen muss. Beispielsweise muss er keine Mehrwertsteuer auf den Verkauf der Tickets zahlen. Der Verkauf darf übrigens auch nur von der FIFA selbst organisiert werden.

Die Auflagen der FIFA im Überblick:

Marketing

Die FIFA erhält die "große Mehrheit" aller Einnahmen der kommerziellen Nutzung der WM, um ihren Aufgaben nachgehen zu können.

Lockerung des Arbeitsrechts

Die Regierung "muss ferner Unternehmen und Personen, die direkt an der WM beteiligt sind, arbeitsrechtliche und sonstige Ausnahmeregelungen gewähren, solange die Menschenrechte dabei weiterhin gewahrt und eingehalten werden", heißt es in dem Dokument. Die Begründung: In ihrer Ausübung für die WM können sich nicht alle Parteien an die nationalen Regularien halten.

Infrastruktur und Stadien

Innenraum des Aztekenstadions in Mexico-City mit ausverkauften Rängen

Hier könnte wieder gespielt werden: 1986 fand im Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt die Eröffnungsfeier der WM statt.

Die Infrastruktur muss auf dem "höchstmöglichen, internationalen Standard" sein. Das gilt zum Beispiel für die Infrastruktur beim Verkehr, für die Telekommunikation und für die IT-Technik. Auch für die Stadien gibt es genaue Vorgaben. Ein Stadion, in dem ein Viertelfinale ausgerichtet werden soll, braucht mindestens 40.000 Sitzplätze. Für das Finale sind 80.000 Sitze vorgesehen. Außerdem müssen genug Trainingsflächen für Spieler und Schiedsrichter geschaffen werden. Genauere Angaben werden nur den Bewerbern für die Weltmeisterschaft zugesendet.

Freier Geldtransfer

Die FIFA sei eine nicht-kommerzielle Organisation mit 211 Mitgliedsverbänden mit Sitz in Schweden, heißt es in dem FIFA-Papier. Deswegen muss zur Organisation und Durchführung der WM die "uneingeschränkte Ein- und Ausfuhr aller Währungen" möglich sein. Das Gastgeberland muss es außerdem möglich machen, ausländische Währungen kostenfrei in die lokale Währung zu wechseln.

Sicherheit und Haftung

Die Regierung des Gastgeberlandes muss alle Kosten tragen, die mit dem Thema Sicherheit zusammenhängen. Das bedeutet nicht nur die Sicherung der Stadien, sondern unter anderem auch von Spielerhotels, Trainingsgeländen, Flughäfen und dem FIFA-Hauptquartier, das temporär eingerichtet wird. Sollte es während des Turniers zu Unfällen kommen, haftet der Weltverband ausdrücklich nicht dafür.

Marokko und Amerika wollen die WM

Marokko und der amerikanische Verbund haben ihre Bewerbung eingereicht. Die Wahl schien schon vorab entschieden zu sein. In Amerika, Mexiko und Kanada ist die Infrastruktur deutlich ausgebauter als beim afrikanischen Konkurrenten. Der müsste zum Beispiel noch einige Stadien WM-tauglich umbauen. Trotzdem könnte die Wahl am 13. Juni sehr eng werden. US-Präsident Donald Trump hatte mit seinen Entscheidungen und Äußerungen in der Vergangenheit für Ärger gesorgt, unter anderem mit einem Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern.

Trump könnte Mexiko, Kanada und die USA damit wichtige Stimmen kosten. FIFA-Vertreter aus muslimischen Ländern könnten aus Protest ihre Stimme den Marokkanern geben. Die 54 Stimmen aus den afrikanischen Ländern gelten für Marokko ohnehin schon als sicher. Marokko bewirbt sich zum fünften Mal um die Ausrichtung einer Fußball-Weltmeisterschaft, bislang hat das Land aber nie den Zuschlag bekommen.

Stand: 16.03.2018, 15:00

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