FIFA bespricht in Ruanda die Zukunft des Fußballs

Gianni Infantino

Sitzung des Rats

FIFA bespricht in Ruanda die Zukunft des Fußballs

Von Marcus Bark

Das höchste Gremium des Weltfußballs trifft sich im kleinen afrikanischen Staat Ruanda, um die Zukunft des Sports zu besprechen. Es gibt viele offene Fragen, bevor es um sehr viel Geld gehen wird.

Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten der FIFA kündigte Gianni Infantino an, dass der Rat, seit 2016 das höchste Gremium des Weltfußballverbandes, künftig nur noch am Stammsitz in Zürich zusammenkommen werde. Aus Kostengründen, wie es hieß.

Am Freitag (26.10.2018) kommt der Rat zu seiner achten Sitzung zusammen, etwa 6000 Kilometer von Zürich entfernt. Das Kongresszentrum in Kigali wird der Tagungsort sein. Aus Deutschland schwebt Reinhard Grindel in der Hauptstadt des afrikanischen Staates Ruanda ein. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes ist eines von 37 Ratsmitgliedern.

Warum Kigali? Das kann nur vermutet werden, und eine der Vermutungen ist, dass die FIFA mit deutlich weniger Journalisten spekuliert, die vor Ort kritisch ein Treffen begleiten, das den Fußball durcheinander wirbeln könnte. Auch das ist eine Vermutung, wie so vieles nur spekuliert werden kann, wenn es um den Tagesordnungspunkt "4" geht. "Zukunft der Wettbewerbe" ist der Punkt genannt worden, untergliedert in "FIFA Klub-Weltmeisterschaft", "Nations League" und "Geschäftsstrategie".

Es geht angeblich um mehr als 20 Milliarden Euro

Dahinter verbergen sich Milliardenprojekte. Es soll - auch dafür gibt es keine Bestätigung - um 25 Milliarden US-Dollar gehen, knapp 22 Milliarden Euro. Diese Summe soll eine Investorengruppe der FIFA zugesagt haben für den Fall, dass der Weltverband Wettbewerbe reformiert oder neu ins Leben ruft. Über die Investoren ist kaum etwas bekannt. Nach Medienberichten stecken dahinter Anleger aus den USA, Japan und - in diesen Tagen besonders brisant - Saudi-Arabien.

Infantino hätte die Investoren am liebsten schon im Frühjahr ins Boot geholt. Aber gerade die UEFA fühlte sich überrumpelt. Inzwischen dürfte der europäische Verband mehr Informationen haben, die Zurückhaltung ist jedoch geblieben.

Die New York Times berichtet sogar, Vertreter der UEFA planten, den Sitzungssaal in Kigali verlassen zu wollen, falls Infantino sein "Lieblingsprojekt" durchdrücken wolle.

Völlig offene Fragen

Der europäische Verband dürfte sich vor allem daran stören, dass die Klub-WM nach einer umfassenden Reform zur Konkurrenz für die Champions League erwachsen würde. Bislang wird die Weltmeisterschaft der Vereine im Dezember mit sieben Teilnehmern ausgetragen. Nach Medienberichten soll die ursprünglich im Frühjahr vorgeschlagene Reform ein Turnier im Vier-Jahres-Rhythmus mit 24 Mannschaften (davon die Hälfte aus Europa) vorgesehen haben. Nun gibt es Berichte, nach denen es eine Aufstockung und ein jährliches Turnier im europäischen Sommer geben soll. Bestätigt wurde oder wird von den Akteuren nichts.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Das gilt auch für die Nations League, die es unter dem selben Namen seit 2018 von der UEFA gibt. Die FIFA will sie - angeblich alle zwei Jahre - auf der ganzen Welt spielen lassen. Wie? Ab wann? Welche Folgen hätte das für den internationalen Terminkalender, der schon heute von mächtigen Klubs kritisiert wird. Diese Fragen sind zumindest für die Öffentlichkeit völlig offen.

Heftiger Disput droht

Wenn der Rat der FIFA in Kigali zusammentritt, ist vieles möglich, auch ein heftiger Disput mit der UEFA. Wie es heißt, möchte Infantino dem europäischen Verband daher zumindest die Bereitschaft abringen, bei der Reform der Klub-WM und einer weltweiten Nations League weiter gesprächsbereit zu bleiben.

Ein Wahlversprechen

Die FIFA generiert ihre Einnahmen hauptsächlich mit der Vermarktung der Weltmeisterschaft. Insofern könnte Infantino zusätzliche, gewaltige Einnahmen in den Jahren dazwischen, sehr gut gebrauchen.

Schließlich versprach er nach seiner Wahl 2016, kräftig in die Entwicklung des Fußballs zu investieren. Ob in Kigali, Zürich, auf den Seychellen, in Kolumbien, Andorra, Vietnam und und und. Jeder nationale Verband hat genau eine Stimme, wenn am 5. Juni 2019 in Paris der Präsident der FIFA gewählt wird. Es ist eine weitere Vermutung, dass dies etwas mit dem Milliarden-Lieblingsprojekt zu tun hat.

Stand: 24.10.2018, 14:36

Darstellung: