Wiedergewählter FIFA-Präsident Infantino lobt eigene Arbeit

Infantino: "Wir haben das Ruder herumgerissen" Sportschau 05.06.2019 01:51 Min. Verfügbar bis 05.06.2020 Das Erste

FIFA-Kongress in Paris

Wiedergewählter FIFA-Präsident Infantino lobt eigene Arbeit

Gianni Infantino ist als FIFA-Chef wie erwartet wiedergewählt worden. Der Schweizer wurde beim Kongress des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch (05.06.2019) in Paris per Akklamation (Applaus) für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Infantino war beim Kongress des Weltverbands der einzige Kandidat - und lobte die eigene Arbeit ausgiebig.

Damit bleibt der 49-Jährige bis 2023 an der Spitze der FIFA. Kurz vor seiner Wiederwahl nutzte er eine Rede, um sich und die FIFA ausgiebig zu loben. "Ja, liebe Freunde. Wir haben Fehler gemacht, ich habe Fehler gemacht", sagte er auf Deutsch. Inzwischen spreche aber "niemand mehr über eine Krise, über Skandale oder Korruption", sagte Infantino: "In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt."

"Kein Platz mehr für Korruption"

Es sei "nicht mehr möglich, bei der FIFA Zahlungen zu verstecken", sagte Infantino: "Wir wissen genau, woher jeder Dollar kommt und wohin jeder Dollar fließt. Wir haben bei der FIFA keinen Platz mehr für Korruption. Nie wieder."

Wie wichtig das Geld dennoch bleibt, wurde deutlich, als Infantino über die deutlich gestiegenen Zahlungen an die 211 Mitgliedsverbände sprach, die auf fast sechs Millionen US-Dollar pro Jahr und Verband steigen sollen.

Platini und Blatter schimpfen

Gianni Infantino beim FIFA Kongress

Gianni Infantino beim FIFA Kongress

"Gianni ist ein Geschenk für den Fußball", sagte dann auch der nigerianische Verbandspräsident Amaju Pinnick stellvertretend für die vielen Wähler, deren Organisationen mit FIFA-Millionen umschmeichelt werden, in der ARD-Sportschau.

Infantinos einstiger Chef, der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini sieht das anders. "Er hat keine Legitimation, er ist nicht glaubwürdig als FIFA-Präsident", sagte Platini, der selbst gerne FIFA-Präsident geworden wäre, ehe ihm der Skandal mit Blatter dazwischenkam. Dieser äußerte sich ähnlich. "Es gibt keine Transparenz unter ihm, obwohl er genau dies immer versprochen hat", sagte Blatter, der seinen Nachfolger zudem vor Gericht sehen will. "Das ist eine Frage der Ehre. Sie haben mich verleumdet."

Infantinos Tag der Superlative

Sportschau 05.06.2019 01:45 Min. Verfügbar bis 05.06.2020 ARD

Auch DFB wählt Infantino

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte zuvor angekündigt, ebenfalls für eine erneute Amtszeit von Infantino zu stimmen. Wie der DFB mitteilte, sprach sich das gesamte Präsidium für eine Unterstützung des Schweizers aus.

"Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist", sagte Reinhard Rauball, wie Rainer Koch derzeit Interims-Präsident des Verbandes. Die Präsidiums-Entscheidung für die Unterstützung Infantinos sei "einstimmig" gefallen.

Entscheidungen werden ohne DFB getroffen

Wegen des Rücktritts von Ex-DFB-Chef Reinhard Grindel nach dessen "Uhren-Affäre" sitzt noch mindestens neun Monate lang kein deutscher Funktionär im FIFA-Council und UEFA-Exekutivkomitee. Die wichtigen Entscheidungen werden ohne den DFB getroffen. Einen Automatismus, dass beim UEFA-Kongress in Amsterdam im März 2020 in jedem Fall wieder ein DFB-Vertreter (oder eine Vertreterin) in die beiden Gremien rückt, gibt es nicht.

Zwanziger: "Infantino als allmächtiger Herrscher" Sportschau 31.05.2019 01:09 Min. Verfügbar bis 31.05.2020 Das Erste

FIFA gibt Rekordeinnahme bekannt

Neben der Präsidentwahl standen auch die Finanzen im Mittelpunkt. Die FIFA gab bekannt, im Finanzzyklus von 2015 bis 2018 eine Rekordeinnahme in Höhe von 5,7 Milliarden Euro erzielt zu haben. 83 Prozent davon (4,73 Milliarden) wurden bei der WM-Endrunde 2018 in Russland erwirtschaftet. Das Vermögen der FIFA belaufe sich auf 3,9 Milliarden Euro. Das seien 50 Prozent mehr als am Ende des vergangenen Zyklus.

Die FIFA erklärte, dass 81 Prozent ihrer Investitionen in die Entwicklung des Fußballs gingen. "Im nächsten Zyklus bis 2022 werden 1,55 Milliarden Euro an die Verbände gehen. Das geschieht transparent. Das Geld geht dahin, wo es hin soll", sagte Infantino: "Bei der FIFA geht es nicht um Geld, es geht um die Entwicklung des Fußballs - aber dafür brauchen wir Geld. Wir brauchen uns nicht zu schämen für unsere Einnahmen. Wir wollen sogar noch mehr einnehmen, um mehr zu investieren."

sid/dpa/red | Stand: 05.06.2019, 11:48

Darstellung: